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Erschienen
Perfekter Musikabend mit Sammy Vomáčka
02/2008
Er ist einer der ganz Großen der Szene, seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne und nach wie vor auch ein Kleinod, ein leider viel zu wenig beachteter Stern am Jazz- und Folkhimmel: Sammy Vomáčka gastierte am vergangenen Freitag Abend im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“, wo er ohne jedes Problem an sein letztes Rennstadt-Konzert im Sommer 2005 anknüpfte. Ganz im Gegenteil war es fast so, als wäre er nur kurz in der Pause gewesen, um seinen damaligen Abend unbeschwert und mit neuer Kraft fortzusetzen.

Zusammen mit seinem Jazz-Trio gab er einmal mehr einen spannenden und dabei ungemein berauschenden Einblick in seine ganz spezielle Art der Musik: Eigensinnig und doch gefällig, völlig frei und doch niemals beliebig, von glanzvollem Genius und doch kein bisschen überheblich. Vielmehr steht nicht nur Vomáčka vor seinem Publikum, als könne er gar nichts anderes – auch seine beiden musikalischen Spielgefährten, der Kontrabassis Jean-Luc Miotti und der Drummer Wolfgang Disch, verströmen eine fast unglaubliche Ruhe und Natürlichkeit, die dem gesamten Auftritt einen charakteristischen Charme verleiht.

„Das geht so ungefähr“, so beginnt Vomáčka ein jedes Stück – bescheiden und fast ein wenig beiläufig. Vielleicht ein Markenzeichen für die tiefgreifende musikalische Neuorientierung, die der heute Sechzigjährige damals mit Mitte Vierzig noch einmal gewagt hatte; inzwischen ist es aber wirklich nur noch ein Überbleibsel, denn er ist in seiner neuen Musik heute genauso traumwandlerisch sicher, wie zuvor in seiner Fingerpicking-Ära: Keine Spur von „ungefähr“, sondern immer ein „so geht das“ im Unterton. Mit dieser musikalischen Überzeugung führen die Drei das Thema eines Standards vor, um es gleich danach wie einen Spielball hin und her zu werfen, zu zerpflücken, es ganz neu und immer aufregend anders wieder zusammenzusetzen, zu umspielen, zu umgarnen und in neuer Pracht erstrahlen zu lassen.

Dabei sind sowohl die phantasievollen Improvisationen Dischs im Solo, dessen verlässliches, immer etwas beckenlastiges Grundgerüst im Tutti, als auch die fein durchdachten Musikeskapaden des Elsässers Miotti mit Vomáčkas genialen Gitarrenklängen auf Augenhöhe. Jeder Protagonist bekommt seinen Raum, seine ganz eigene Bühne, auf der er – jeweils flankiert von den beiden anderen – „sein Ding“ machen und zeigen kann: Drei Künstler, die sich augenzwinkernd gegenseitig das Wasser reichen.

So Lassen sie Charlie „Bird“ Parkers Bebop, Miles Davis „All blues“ und Keith Jarretts „Lucky Southern“ Wiedererstehung feiern. In einem ganz frischen und doch vom Grundgefühl herrlich antiquiert daherkommenden Sound ohne künstlichen Schnickschnack, dafür mit viel Raum für Kunst, einer musikalischen Spannung, die allein aus Tönen, Harmonien, Dynamik und einendlich vielen Nuancen besteht und bewusst auf alle Show und jedes Gehabe verzichtet.



Leise und sanft oft, bisweilen auch spritzig und mit enormem Elan schuf das Gitarren-Genie und seine Begleiter ein berauschendes Meer aus Tönen, froh gemut und mit vielen besinnlichen Inseln dazwischen: Ein perfekter Musik-Abend.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.sammyvomacka.de.