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Erschienen
Twotones verabreichen Glückstherapie mit Langzeitwirkung
02/2008
Kennen Sie eine Methode, die ein zufriedeneres Leben garantiert? Zwischen all den „Sorge dich nicht – lebe“ und „Anleitungen zum Glücklichsein“ hat sich ein Intensivkurs hervorgetan, dessen Wirksamkeit von unserem Blatt selbst nachgewiesen wurde: Mitte Januar unterzog sich das Publikum im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ einem „Glücksseminar“ des aus dem Pfälzer Neustadt herüber geeilten „Glückskompetenzteams“ Anna Krämer und Rainer Klundt; unter dem Titel „Glücks-Tour“ zog das Duo, das in der Forscherwelt vorrangig unter dem Namen „Twotones“ für Schlagzeilen sorgte, alle Register, um dem grassierenden Serotoninmangel den Kampf anzusagen – und es hatte Erfolg.

Weniger mit dem überdimensionalen Glückskeks, den die beiden als außerirdische Figuren hereintrugen, als vielmehr mit der gekonnten Mischung aus Musik und Show. Nach „Blues-Kabarett“ schrieben die beiden jetzt „Pop-Chanson-Kabarett“ auf ihr Rezeptblöckchen – und konnten letztlich genau damit punkten, wenngleich vielleicht die besten Nummern dann doch wieder in bluesige Gefilde hinüberschnupperten.

Aber überhaupt haben gar nicht die Inhalte den Reiz des Abends ausgemacht: Wie bereits bei den vergangenen Programmen „Ü 30 - und was kommt jetzt?!“ oder „XY ungelöst – Neues vom Geschlechterk(r)ampf“ war die kabarettistische Komponente dezent um einen schrill-fröhlichen Schwall guter Laune herumgewebt, der nicht nur ansteckend wirkte, sondern auch die deutliche Tendenz zur Chronifizierung in sich trug.

Wer wünscht sich schon Kirschlippen, wenn man auch Bananen haben kann und ein entfesseltes Bühnenpärchen, das „Serotonin, wo bringst du mich hin“ gerne auch mal mit vollem Mund dahinstöhnt? Gleich danach ging es ebenso rasant zur „Schnäppchenjagd“ und das Publikum – schon völlig gefangengenommen vor allem vom stimmgewaltigen Wirbelwind Anna Krämer – retournierte wie der Pawlowsche Hund mit glasigen Augen die allenthalben bekannten Ausflüsse der internationalen Werbeindustrie.

Klar, dass die Besucher den ausgelassenen Stücken die deutlichsten Glücksgefühle entnehmen konnten – Highlight darunter ohne Frage die Hymne an den Figaro, die gleichzeitig eines der ganz besonderen Beispiele für die charmante Art, mit der Rainer Klundt als kreativem Kopf hinter den meisten Texten des Duos eine Synthese aus sympathischem Witz und bissiger Satire als leicht verdauliche Kost serviert: „Was ich Dir erlaube ist für andere tabu – Du wäschst mir den Kopf und ich lächle dazu, denn Du bist mein Friseur. Bei Dir gibt’s Strähnen statt Tränen“. Dieses rassige Lied brachte Anna Krämer mit einem Sex-Appeal, der manches Brillenglas im Saal leicht anlaufen ließ.

Wirklich unter die Haut gingen aber vor allem die ruhigen, die nachdenklichen, die bluesigen Stücke, mit denen die „Twotones“ eine Art kneip‘sches Wechselbad der Gefühle produzierten, das die Spannung zwischen der exzentrischen Inszenierung und der reflexiven Melancholie besonders verdeutlichte. „Ich will in Deiner Nähe sein, wo immer Du auch bist“ hauchten da Klundt und Krämer ins Publikum, um wenig später in „Warum kann es nicht wie früher sein“ fast philosophisch nachzulegen „man kann sich doch sein Glück nicht kaufen, man kann aber dran vorüberlaufen“.

Zack. Das Gänsehautgefühl gerade noch ausgekostet, geht schon der wilde Reigen weiter: „Meine Illusionen“ mit der verschrobenen Chat-Bekanntschaft und vor allem die wirklich kesse Auseinandersetzung mit dem Altwerden als „die Revoluzzer vom Seniorenheim“: „Die Jungen müssen buckeln, während wir noch ganz schön juckeln!“

Perfekt vermischten die „Twotones“ das exzellente gesangliche Talent Anna Krämers, die sich allenfalls punktuell etwas zu sehr in ihren vokalartistischen Effekten verhedderte, und die phantasievolle und immer wieder überraschende musikalische Genialität Rainer Klundts am Klavier. Dazu eine witzige, knallbunte, energiegeladene Show, bei der man, auch wenn Anna Krämer zugegebenermaßen sehr gut aussieht, viel mehr auf Klundt achten sollte, der mit seinen Seitenblicken einen zusätzlichen Kommentator rundweg ersetzt – bravissimo!


Es war ein herrlicher Abend, eine wunderbare Therapie, ein Feuerwerk von Glücksmomenten und - wenn man nach den Zugaben die vor sich hinlächelnden Menschen auf dem Nachhauseweg richtig interpretiert – eine Glücksbehandlung mit Langzeitwirkung.



Weitere Informationen, vor allem auch die Termine der Auftritte in der Nähe im Internet unter http://www.twotones.de.

 

 

 
 

©:www,twotones.de