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Erschienen
Arnim Töpel ist „so gern vun do“
03/2008
Wieder zwei Jahre um. Der Chronist erkennt sofort: Zeit für ein neues Programm von Arnim Töpel. Und tatsächlich:Mitte Februarpräsentierte der Heidelberger Kabarettist im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ einen neuen Abendfüller – fast genau 24 Monate nach seiner letzten Rennstadt-Premiere. Und wieder waren die beiden Auftritte restlos ausverkauft und Garanten für außergewöhnliche Unterhaltung.

Wer den Ausnahme-Künstler, der sich längst Auszeichnungen wie den Deutschen Kleinkunstpreis oder den Künstlerpreis des legendären Münchner „Tollwood-Festivals“ erarbeitet hat und der mit Prädikaten wie „Blues-Denker“ oder „Poet unter den Kabarettisten“ geehrt wurde, lange begleitet hat, der hat seine wechselvolle Geschichte miterlebt: Viele Höhen, die schon mehr als einmal den großen Bundesdurchbruch versprachen – und dann doch ein gewisses Talent zur Erfolglosigkeit, weil Töpel letztlich niemals bereit war, seinen eigenen Charakter, der immer auch intellektuellen Tiefgang atmet, für massentauglichen Mainstream zu opfern. Solche Experten hatten es längst erwartet: Nach „Newa de Kapp“ hatte der Jurist, Radiomann und Kabarettist der Herzen Töpel wieder ein Mundart-Programm im Gepäck. „Mach doch de Babbe net struwwelisch“ hieß es diesmal – wie etwa zwei Drittel der kurpfälzer Lautäußerungen eher mit dem Herzen, als mit dem Verstand zu begreifen und auf keinen Fall übersetzbar; jedenfalls muss man sich davor hüten, dahinter einen frisurtechnischen Fachbegriff zu vermuten.

Damit setzt der charismatische Mann am Klavier seine seelenreinigende Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit erneut fort: Selbstanalyse auf die Bühne gebracht. Denn während er mit seinen kritisch durchgeistigten Programmen „Rechtzeitig gehen“ und „Ausgelacht“ noch versuchte, den „alten Arnim“ abzustreifen, der in einem einzigen Lied, „Hallole, isch bins, de Günda“, mit dem Töpel 1991 einen regionalen Tophit landete, zu kulminieren schien, räumte er bereits vor zwei Jahren, noch mehr aber heute seinem „Günda“ viel Platz ein, lässt ihn zu und lässt ihn vor allem zu Wort kommen.

So wurde sein neues Programm eine Liebeserklärung an die Heimat, an deren Sprache und an die vielen verschrobenen Macken ihrer Sprecher – indem Töpel seiner inneren Stimme „Günda“ freien Lauf lässt, gelingt ihm etwas, das auch im Publikum jeder verspürt wie eine Rückkehr, eine Heimkehr: Nach Hause zur Mutter an den Herd, zur Familie an den Kachelofen – „einmal da kommt die Zeit, da man sich aufmacht zu seinen Wurzeln. Das ist nicht leicht, denn ständig sind wir unterwegs“, sang Töpel zu seinen ersten Klängen am Klavier an diesem Abend, der eine Reise wurde durch einen Dialekt, „den man nicht lernen kann wie eine Fremdsprache“.

Insofern mag Arnim Töpel auch besonders schwere Startbedingungen gehabt haben: Als Kind Berliner Eltern war er zwar in Heidelberg geboren und in der Kurpfalz aufgewachsen, „aber aufgewachsen wie ein Zugezogener“ - die „schwere Kindheit“ als „Neigeblackter“ mag Erklärung für das zwiespältige Verhältnis zu „Günda“ sein – und für die späte Wandlung, die nun den Hockenheimern einen unbeschwerten Abend in einer wahrlich ungewöhnlichen Mischung bescherte: Im Zwiegespräch mit seinem alter ego entwickelten Arnim und „Günda“ gemeinsam eine Melange tiefgeistiger, kritischer Anmerkungen und offener, direkter Wahrheiten. Gemeinsam entwickelten die beiden ein mundartliches Navigationssystem („vorzus, nuffzuus, als weida“), stellen fest „es Leewe is doch kä Reitschul“, sondern geht eben „ämol nunna, dann widda nuff“ und mussten auch für die erfolgsverliebten Führungskräfte und ewigen Gewinner in unserer Gesellschaft klarstellen: „Geht net gibt’s doch“

Das alles verpackten sie in die so markanten Töpel-Lieder: Wohlig warme Klänge, mitreißende Rhythmen, die ausgelassene Spielweise des hervorragenden Pianisten und die herzergreifende Thematik seiner Musik. „Des beschde in dere Zeit: Isch bin än freie Mann – weil isch so viel bleiwe losse kann“ wurde da zur Hymne der Zufriedenheit, der Titelsong „Mach doch de Babbe net struwwelisch, halt doch mol äfach die Schnuud“ zur musikgewordenen Ruheoase, dazwischen streuen die beiden den Sprechgesang „Du bisch ä Auslaufmodell“ und die liebgewordene Oma-Weisheit „“Wer waade kann krigt a än Monn“ als Gegenmodell zum vorherrschenden „bissl hordisch“ unserer Tage.


Was Arnim Töpel hier präsentiert ist nicht einfach ein Mundartprogramm – es ist viel mehr als das: Ein echter Töpel. Viel Geist, der allenfalls an ganz wenigen Punkten etwas in Kollision mit „Günda“ gerät, viel Witz, vor allem unendlich viel Charme und Charisma. Und eine warmherzige Liebeserklärung an unsere Heimat: „Bisch Du a so gern vun do?“



Weitere Informationen im Internet unter http://www.arnim-toepel.de.