2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
HISS rührt im Hockenheimer Hexenkessel
04/2008
Sie sind die sicheren Garanten für exstatische Unterhaltung, Pistoleros der Musik, Hohepriester des Tanzes, die Träger von Preisen und eines skurrilen Images, ihre Texte sind mal verrückt, mal wenig jugendfrei, dann wieder vorbildlich für die Schulbücher der Republik: Die Stuttgarter Formation „HISS“. Diese Aufzählung könnte seitenweise weitergehen, denn „Los Gigantes“ haben unzählige Facetten, bringen sowohl musikalisch, als auch textlich Schwergewichtiges auf die Bühne – nicht nur in ihrer Liebes-Hymne „Meine Frau ist fett“. Das ganze gemischt mit einer ungewöhnlich schweißtreibenden Bühnenshow: Ungewöhnlich deshalb, weil es vor allem das Publikum ist, das nach stundenlangem Tanzen klatschnass nach Hause geht, während die musikdiabolischen Heilsbringer ganz entspannt ihre Musik und die zugehörigen Botschaften aufs Volk ergießen.

So gesehen wieder einmal Anfang März im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“. Wobei „wieder einmal“ ganz und gar nicht in Worte zu fassen vermag, was der Leader und Gott der Handharmonika Stefan Hiss mit seinen vier Mannen auch bei diesem Konzert wieder einmal ganz neu zelebrierte: Der Mensch versucht seit 3000 Jahren, das Rad immer wieder neu zu erfinden – auf diesen unsinnigen Schnickschnack verzichten die „Männer in der Nacht“, produzieren das, was sie perfekt können und was keiner Verbesserung mehr fähig ist und begeistern ihr Volk der HISStoriker bis tief ins Herz – wieder einmal.

Der satte Sound aus heißen, ins Blut gehenden Rhythmen, den mitreißenden Akkordeon-Klängen des Großmeisters Hiss selbst, die durchringenden Beats seines selbst inthronisierten „Pauken Papstes“ Patch Pacher, der ins Mark gehende Bass Volker Schuhs, dessen Bühneneinlagen eine ganz eigene optische Qualität darstellen, die immer wieder auch solisitsch brillierende Gitarre „des Grundgütigen“ Thomas Grollmus und die fesselnde Mundharmonika ihres liebevollen Herrchens Michael „Diavolo“ Roth – eine Mischung, die ist wie eine gute Hollandaise: Nicht verbesserbar! Und wie das Vorbild aus der Küche ist auch HISS die dafür notwendige Sünde in allen Auswirkungen wert.

So schlug auch diesmal „Die Königin der Herzen“ ebenso ein, wie „Who stole the Kishka“ oder die High-Noon-Adaptation „So wie Du traf mich noch keine“.


Am Ende eines langen, eines aufreibenden, eines wirklich tollen Abends war das „Pumpwerk“ in eine Versammlung aus „Polkaköniginnen“ und frenetischen Abenteurern verwandelt, die alle der ausgelassenen Philosophie der „Hausband im Bordell zum kleinen Tod“ frönten: „Wackel mit dem Hintern, hebe deine Beine, tanz mit irgend jemand oder tanz alleine, aber TANZ!“ Und so rührte HISS in einem Hexenkessel – wieder einmal.



Weitere Informationen im Internet und vor allem den Trailer zum HISS-Film „Zur Sonne“ unter http://www.hiss.net.