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Studio Ghibli
Erschienen
Die Chroniken von Erdsee
04/2008
DVD
Kann ein Film aus dem Haus Ghibli schlecht sein? Alleine diese Frage klingt wie ein Frevel, verdankt doch der Anime Ghibli-Filmen wie „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“ international seinen guten Ruf. Ghiblis Gründervater Hayao Miyazaki erhob den japanischen Zeichentrickfilm mit seinen Werken aus dem Nimbus der Vormaittags-Kinderbelustigung und zeigte der Welt, wie man auch als Japaner mit ein wenig Farbe wunderschöne Geschichten von selbstbewussten Mädchen erzählen kann.

Nun also „Die Chroniken von Erdsee“ nach den bekannten Büchern der Fantasy-Ikone Ursula K. LeGuin.

Zur Story: Erdsee war einst eine Welt voller Magie und die Menschen lebten mit den Drachen in Einklang. Doch diese Zeit ist lang vorbei. Statt Harmonie mit der Natur beherrschen Dürre und Seuchen die Erdsee deren Magier kein Mittel gegen diese Bedrohungen finden. In dieser Welt entschließt sich der junge Prinz Arren seinen Vater, den König, zu ermorden. Doch das Schicksal seiner Welt liegt in den Händen des Jungen. Arren flieht aus dem Schloss des Vaters und findet bei der abgeschieden lebenden Priesterin Tenar Unterschlupf. Zusammen mit dem Magier Sperber und dem Waisenmädchen Therru kann er den Grund für das Übel in seiner Welt erkennen und schließlich besiegen.

Die Zusammenfassung klingt holperig, was dem Film durchaus gerecht wird. „Die Chroniken von Erdsee“ kann in keinster Weise an die mitreißenden Erzählungen der zu Recht preisgekrönten Meisterwerke aus den Ghibli-Studioas anschließen. Hier ist kein Spannungsbogen zu bemerken, die Figuren agieren trotz vieler Tränen fast emotionslos und kalt. Wer langatmig erzählte Filme mag, wird diesen Film lieben, alle anderen werden gelangweilt sein. Da helfen die vielen schönen Bilder von weiten Landschaften und imposanten Gebäuden nicht; dieser Ghibli wird dem guten Ruf des Studios nicht gerecht.

Verantwortlich für den neuen Film ist der Sohn des großen Hayao, Goro. Der Vater lieferte selber bei seinem letzten Film „Das wandelnde Schloss“ eine fast unverständlich verfremdete Version der Buchvorlage ab. In genau diese Fussstapfen tritt also Goro Miyazaki. Er versucht mit langen Schwenks über unglaublich detaillierte Bilder die Poesie der Erdsee zu zeigen. Leider sind die meisten Bilder ohne weitere Animation. Diese Technik ist nicht mehr State of the Art – von einem Miyasaki Film darf man einfach mehr als nur einen ordentlich gemachten Anime erwarten. Statt wundersamer neuer Welten ein lauer Abguss einer guten Buchvorlage im Aussehen des Klassikers „Nausicaä“ und vielen kurzen Andeutungen auf eine Welt voller Poesie und Magie. Aber es bleibt eben bei der Andeutung und das ist zu wenig.

Die Extras der Doppel-DVD sind okay, können aber über den enttäuschenden Hauptfilm nicht hinweghelfen. Ist nun die große Zeit des Studio Ghibli vorbei? Das muss die Zukunft weisen. Das der Look traditioneller Animes auch modern wirken kann, hat Miyazaki mit „Das wandelnde Schloss“ bewiesen. Vielleicht ist „Die Chroniken von Erdsee“ nur eine Übung gewesen, um die alte Technik zu zeigen – so wie ein Lehrling zuerst die Tradition perfektioniert, um dann mit neuen Ideen diese Tradition zu erweitern. Wir werden es erleben und bis dahin noch einige Male uns von kleinen Prinzessinnen durch Pilzwälder geleiten lassen bis vielleicht in einigen Jahren der Sohn die Kunst des Vaters zu neuen Ufern trägt.


Leider langweilig.