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Roland Koch
Erschienen
Der Badeanzug und andere Kurzgeschichten
04/1998
ferber und partner Gesellschaft für Kommunikation mbH , Köln
Videobook, 35 Minuten / DM 39,80
"Neue Medien" ist zwischenzeitlich das Zauberwort auch des Literaturmarktes geworden: "Buch"produktionen auf Tonband und CompactDisc sind gang und gäbe und feiern grandiose Verkaufserfolge - einige Beispiele finden sich auch in Parnass und es werden noch zahllose hinzukommen.

Eine neue und in unseren Augen großartige Idee ist dem Verlag ferber und partner in Köln gekommen: Nach den "Hörbüchern" nun "Videobücher" - Literatur zum Sehen und Hören.

Dabei ist man sich beim Verlag - wie die Macher der "Audiobooks" es schon bei ihren Produktionen waren - sicher, daß man durch diese neuen Medien nicht in Konkurrenz zum klassischen Buch trete, sondern vielmehr neue Käuferschichten erschließe und diese - ganz im Gegenteil zur von Seiten einiger Buchverlage schnell aufgekommenen Kritik - gar dem klassischen Lesemarkt zuführe: "Bücherhören führt zum Bücherlesen", so urteilt Manfred Engel von der Mainzer "Stiftung Lesen".

Welches Konzept verfolgt man nun bei ferber und partner? Zumeist bislang unveröffentlichte Texte werden von den Autoren selbst vorgelesen - eine Autorenlesung in Fernsehqualität, auf Videokassette, also jederzeit reproduzierbar.
Damit aber nicht genug: Die Drehorte werden passend zum literarischen Inhalt gewählt, der Autor wird selbst zum Darsteller: "Die Bilder sollen den Text veranschaulichen, ergänzen und vertiefen", so Verlagschef Elmar Ferber bei seiner Konzeptpräsentation.

Die erste Produktion, die ferber und partner einem breiten Publikum vorstellte, ist Roland Kochs "Der Badeanzug".

Gleich mit dieser Produktion offenbaren sich aber auch die Schwächen der vorgelegten Videobooks: Allzu amateurhaft wurden die Aufzeichnungen mit einer offenbar nicht adäquaten Ausrüstung auf Magnetbäder gebannt, die mit fast vierzig Mark für die abgelieferte Qualität einfach zu teuer sind - ein dumpfer, unnatürlicher Ton, wenig einfallsreiche Intros und eine Schauplatzausleuchtung, die Tränen in die Augen treibt.

Literarisch gesehen kann Kochs Werk durchaus gefallen, es ist von einer nachdrücklichen, spannungsgeladenen Bedrohlichkeit durchzogen, gefriert eine zwischenmenschliche Reiberei im Augenblick ihres Höhepunktes und läßt sie nicht mehr abschmelzen: Allgegenwärtig, alles beeindruckend steht sie wie ein kalter Hauch zwischen dem Autor und seinem weiblichen Widerpart. In nachdenklichen, in nachdenkenden Worten führt er seine Geschichte weiter, hämmert sie - ganz sanft - in die Sinne seiner Leser (oder besser: Hörer), läßt nicht mehr los.

Was aber diese literarische Beachtlichkeit zerstört, ist die Übermittlung: Mag er mit Worten noch so talentiert sein, so kann sich Koch vor der Kamera nicht natürlich geben. Er ist Autor, kein Schauspieler. Wie ein Chirurg unter Metzgern steht er da, verletzlich und unsagbar klein.
Und er ist nicht nur kein Schauspieler. Er ist auch kein Lektor: Die Stimme, der Tonfall, der ganze Sprachhabitus eignen sich nicht zum lauten Lesen.

Mit jeder Minute schrumpft er in sich zusammen, reißt seine Literatur, die in diesem Umfeld nicht wirken kann, ebenso mit nach unten - bis Roland Koch und das, was Roland Koch kann, zusammengesurrt ist auf Miniaturformat.

Eine Schmach, die er eigentlich nicht nötig hat, weil sie ihm nicht gerecht wird.


Für Autoren wie ihn ist das gute alte Buch - so vielversprechend die Idee der Videobooks auch sein mag - vielleicht doch besser geeignet.