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Erschienen
Nur wer loslässt, hat die Hände frei: Weber Beckmann in Hockenheim
05/2008
"Ich wär so gern eine Hummel – dann wüsst ich nicht, dass ich gar nicht fliegen kann!“ Sprachs und setzte an zu einem atemberaubenden Höhenflug. Zum zweiten Mal gastierte am vergangenen Samstag Abend das Essener Musik-Kabarett-Duo „Weber Beckmann“ im vollbesetzten Kulturzentrum „Pumpwerk“ vor einem restlos begeisterten Publikum; ein Teil der Zuhörer hatte noch das letzte Programm „ausversehnsucht“ im Ohr, mit dem die beiden vor gut einem Jahr, kurz nach deren Auszeichnung mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte „Chanson, Musik, Lied“ ihr Hockenheim-Debut feierten, und konnte beruhigt feststellen: Auch der neue Abendfüller „Du mich auch“ war wieder von der selben belebenden Machart und vor allem von der gleichen unvergleichlichen künstlerischen Qualität. „Sie sind besser denn je, denn sie haben nichts dazugelernt!“

Nach wie vor entspinnt sich um den internen Zwist der beiden über große Gefühle, Schnulzen-Allegien und Beziehungen in Gulasch-Geschwindigkeit ein musikalischer Abend, der bis zum Bersten angefüllt ist mit tiefsten Emotionen, die den Verliebten ebenso bewegen, wie den passionierten Single oder den langjährigen Ehegatten.

Die beiden Anfangs-Dreißiger sind – zumindest auf der Bühne - Stereotypen ihrer Generation: Erfolgsverwöhnt und ehrgeizig, aber immer mit einem leichten Hang zur Melancholie und zum Pessimismus. So malen sie in wunderbar harmonischen, zu Herzen gehenden Melodien die schönsten Bilder von Liebe und Glück, nur um die eben so poetisch arrangierte Stimmung mit einem grauen Ton des Schmerzes abzudämpfen, den Traum in die triste Wirklichkeit zu holen, die Seifenblase jäh zerplatzen zu lassen: „Eine letzte Fahrt mit dem Heißluftballon, und dann ist unsere Trennung perfekt“.

So entstanden wieder zwanzig neue Titel, mit denen das Duo seinen seit zehn Jahren exponentiell wachsenden Erfolg weiterführt: Mal sitzt „die Weber“ (sich beim Vornamen zu nennen, dafür sind die beiden einfach noch nicht reif) mit Elvis auf einer Wolke und beobachtet „Tokio Hotel“ bei der Einweihung von Einrichtungshäusern vor „kreischenden Omis mit Arschgeweih“, dann resümiert „der Beckmann“ die Schattenseiten seines Künstlerlebens mit einem „Selbstjustiz darf keine Lösung sein, doch manchmal denk ich: Bitte führt sie wieder ein“. Himmelhochjauchzend lehnt sie die Männer reihenweise ab („Ich hab Dich tanzen gesehn und das ging gar nicht“), nur um Augenblicke später festzustellen, dass damit ihr Dauerthema des Verlassenwerdens und Verlassenseins nur in eine neue Runde geht: “Falls man verlassen wird, soll man nicht nach dem Warum fragen“.

Was Christiane Weber und Timm Beckmann schaffen, ist eine ganz eigene, neue Annäherung an ein gerade in der Kleinkunst vielbearbeitetes Thema: Das Skurrile der Liebe und die Liebe zum Skurrilen fließen bei den beiden zusammen mit einer bemerkenswerten künstlerischen Höhe und bringen liebevoll durchdachte Wahrheiten zutage. „Nur wer loslässt, hat die Hände frei.“

Christiane Weber singt sich die Seele aus dem Leib, immer mit einer fast exzentrischen Hingabe, einer mal berührenden, mal mitreißenden Stimme, mal schmeichlerisch schön, dann wieder raubtierartig packend – aber immer in einem ganzen Sturzbach der Emotionen. Ihr kongenialer Widerpart Timm Beckmann verliebt sich selbst in seine Töne, entlockt dem Flügel zarte Melodien, die sanft die Stimme der Sängerin umschmeicheln, die aufrühren und beruhigen. Der Folkwang-Absolvent ist ein Meister an den Tasten und schafft es, obschon er mit einer schönen Sprech- aber einer undurchsichtigen Singstimme ausgestattet ist, auch mit eigenen Liedern, vor allem aber seinem spitzbübischen Charme, die Zuschauerherzen für sich zu gewinnen.

So ringen die beiden Ausnahmekünstler mit sich und dem Leben, vor allem aber mit der Liebe und der Zufriedenheit: „Und nun steh ich hier und bitte Dich, mich so sehr zu lieben, dass es für ein Leben reicht. Das mag ein bisschen gewagt sein, vielleicht. Aber irgendwann bin doch auch ich mal dran mit Glück.“

Dazwischen ein paar Abwegigkeiten wie dem Heidi-Alpentraum oder der ganz eigenen Sicht auf das bekannteste Liebesdrama („Shakespeare, wir wissen, wo Dein Auto steht“), die schließlich in der ausgelassenen Schlussnummer gipfeln: „Bitte lieber Gott, schenk uns noch eine WM – wenn ich sonst auf der Straße tanz, werde ich umgefahren“.


Zweieinhalb Stunden haben Christiane Weber und Timm Beckmann begeistert, haben die Liebe und den Schmerz von allen Seiten beleuchtet und haben einmal mehr nur einen Wunsch hinterlassen: Wenn es stimmt, dass es Künstler gibt, die perfekt unterhalten, solche, die den Genius verkörpern und welche, die schlichtweg begeistern, dann lass Weber und Beckmann immer wieder „die Schnittmenge sein“!



Weitere Informationen im Internet unter http://www.weber-beckmann.de

 

 

 
 

©:www.weber-beckmann.de