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Erschienen
Der Comic-Salon 2008
06/2008
Angenehm reges Besucherinteresse sorgte für allgemeine Zufriedenheit im Land der auch durch Sprechblasen erzählten Geschichten.

Das dieses Jahr bereits der 13. Comic-Salon in Erlangen gefeiert werden durfte, bezeugt die Verbundenheit der fränkischen Universitätsstadt zur durch die Sprechblasen berühmten Neunten Kunst: den Comic. In der Innenstadt säumten unzählige Schlümpfe die Straßen, die schon im Vorfeld zu tausenden in den Kindereinrichtungen kostenlos verteilt wurden. Ältere Freunde der französischen Gnome durften mit einem nicht unerheblichen Tribut an die weltweiten Kinderhilfe ihrer Sammelleidenschaft frönen.

Doch nicht nur die Schlümpfe tauchten dieses Jahr Deutschlands wichtigstes Comic-Fest in bunte Farben, denn die Cosplayer eroberten vor allem am Wochenende den Rathausplatz und vereinten die in Deutschland noch getrennte Bildergeschichten-Welten von asiatischem Manga und westlichem Comic. Dabei bezeichnen beide Begriffe das Gleiche: unterschiedlichste Geschichten mit vielen Bildern. Auf dem Salon wurde dieses zarte Pflänzchen der Integration mit verschieden Aktionen gehegt, wobei das Karaoke die hörbarste Attraktion war.

Integration wurde groß geschrieben und auch die Altersbarriere wurde spielerisch überwunden. Denn was verbindet die Generationen mehr, als das Sandmännchen und die Faszination des ersten Kusses? Sammelbilderalben! Der Salon erfreute die Herzen aller mit einem dieser wunderbaren absichtlich unfertigen Druckwerke und die Verlage sponserten den Inhalt. Ein Alters- und Geschlechterübergreifender Sammeltrieb scheuchte die Massen von Stand zu Stand und allerorten sah man klebende, tauschende, manchmal verzweifelt suchende aber immer öfter glückliche Kinderaugen in Gesichtern, die auch schon mal nicht nur die ersten Falten zeigten.

Aber was wäre der Comic-Salon ohne die vielen Neuerscheinungen und deren Zeichner? Nichts, und darum waren viele Verlage den Druckereien dankbar, die mit Eilsendungen die meisten neuen Titel oft direkt nach Erlangen lieferten, leider nicht in allen Fällen. So konnte Adrian Floch seinen neuesten Band der Erfolgsserie „Ythaq“ signieren und zeigte auch schon Skizzen für den im Spätjahr in Frankreich erscheinenden sechsten Band. Top-Star und Deutschland weit das Feuilleton füllende Melinda Gebbie musste leider aus gesundheitlichen Gründen absagen, aber was zu Beginn des Festes als Katastrophe angesehen wurde, war nach vier Tagen des Schwelgens in Druckerfarbe und Geschichten nur noch eine, wenn auch traurige, Randbemerkung.

Gänsehaut brachte dann die Max & Moritz Preisverleihung. Diesmal zog man den Festakt vom traditionellen Platz am Samstag einen Tag auf den Freitag vor. Eine wunderbare Entscheidung, denn so konnten sich die Verlage am publikumsstarken Samstag mit ihren Preisträgern brüsten. Ganz vorne dabei die Edition Moderne, dessen Chef David Basler seine Freude über gleich vier Preisträger in seinem Programm mit dem breitesten Grinsen seines Lebens im Gesicht eingemeißelt schien. Auch die Comicgelehrten hatten somit zwei Tage Zeit, die Qualität der Entscheidungen der Jury fachmännisch zu disputieren. Doch zurück zur Gänsehaut: Den Preis für sein Lebenswerk bekam der sehr publikumsscheue Engländer Allan Moore. Der Comic-Revoluzer, der mit intellektuellen Superhelden den amerikanischen Massenmarkt verschreckte, mit unzähligen Zitaten seine „The League of Extraordinary Gentlemen“ zum Kunstführer machten und nun mit einem feinsinnigen Comic-Porno die Welt bei der Stange hält, kam natürlich nicht nach Erlangen, aber vermochte es alleine mit seiner Stimme, genauer geschrieben, mit den sekundenlangen Ausbleiben der selben, das Markgrafentheather in erwartungsvolle Stille zu bannen. Moderator Dennis Scheck telefonierte live von der Bühne nach England und begann: „Good evening Mr. Moore, are you listening?“. Danach Schweigen - die Comicwelt hielt im wahrsten Sinne des Wortes den Atmen an. Die Sekunden verstrichen. Sollte sich der in Ehren ergraute Punk der Comicszene mit Hippie-Look dem deutschen Publikum verweigern? Fast wie auf den Punkt inszeniert steigerte sich die Spannung. Als die Meisten schon an ein technisches Problem glaubten, ertönte es aus den Lautsprechern des Saal „Hello“. Alleine dieses, das Schweigen brechende Wort versetzten das Auditorium in Begeisterung und der tosendste Applaus des Abends erklang.

Nach vier Tagen in Erlangen resümierte das Comic-Volk das Fehlen der wirklich großen Namen und bescheinigte dem 13. Comic-Salon dennoch durchweg Positives. Nicht zu voll und nicht leer, trotz der Vakanz der Ultra-Prominenz viele Comic-Schaffende zum Anfassen, viele Freunde, viele Parties und vor allem viele neue wundervolle Geschichten.


Selten war man sich im Internet so einig: Der Salon 2008 war entspannt, interessant, toll! Alle Bilder Copyright by Torsten Goltz

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Die Bildergalerie: