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Blain
Erschienen
Gus # 1
07/2008
Reprodukt, Berlin
80 Seiten / € 15,00
Western ist das Genre mit harten Männern, dem Faustrecht und manchmal noch härteren Frauen. Helden und Anti-Helden, die, der mitreißenden Story wegen, meist leicht überhöht dargestellt sind. Was wäre, wenn der frisch prämierte und ewig grundexistenziell philosophierende Wärmedeckenpupser Flasko seine überlange Nase in eine alte Welt stecken würde? Er würde vielleicht in seinen steckdosenerwärmeten Fantasiene zu Gus mutieren, der alles macht, was ihm mit seiner Mutter vergönnt ist: Morden, lieben – seiner Welt eine blasses Wasserzeichen aufdrücken.

Aber Blain ist ganz anders. Blain spielt in Band eins seines Western. Mal ist es ein Gedanke, der zuerst das Panel hinter dem Helden ausfüllend bei Annäherung der lächelnden Weiblichkeit zuerst in eine dem Comic bekannte Gedankenwolke verkleinert, sich dann zu einer bloßen Rauchwolke verflüchtigt. Man kann Gus in seinem feinen Ausgehanzug fast denken spüren, wie er in sich das weitere Vorgehen in dieser Situation abwägt. Ignorieren? Einfach weiter laufen? Dann die Idee: Ein Fingerzeig während Gus noch immer geht, dann die Steigerung: Gus beginnt zu laufen – die alleinbestimmende Kraft des Triebs durch eingesteckte Hände in die Hosentaschen nur schlecht verbergend, dann einfach nur rennend. Der Plan wird im nächsten Panel in Nick Knatterton-Manier aufgelöst: Gus will geplant zufällig der Holden erneut über den Weg laufen.

Blain schafft es, in der Verbindung von Bildern und Text zu erzählen. Speedlines, Gedankenwolken, mehrere Bewegungen in einem Bild – Blain schöpft aus dem Vollen der Möglichkeiten des Comics ebenso wie wie bei der Verquickung von Love-Story und Western. Dabei ist der Western eher ein moderner, den Menschen und nicht die Action fokussierender, Western und seine Love-Storys sind frisch aus der Szene Kneipe mit geschrieben. Möglicherweise hat sich einfach nur nichts geändert.

Die Grafik erinnert an „Die Frustrierten“, spielt mit minimalen Wüsten Panels, von Schraffuren überquellenden Stadtbildern und verwirrend vollen Gesprächsbildern. Obwohl dieser Comic im Wilden Westen spielt und von vielen Arten der Liebe handelt, ist er bei weitem kein Sittengemälde der Zeit. Er ist nur eine mal andere Art, Action und Gefühl zusammen zu bringen. Es ist eher eine Karikatur in fast unzähligen Bildern als eine klassische Abenteuer-Story mit Gefühlseinlage.


Anders! Hurra!