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Moebius
Erschienen
Die hermetische Garage
08/2008
Cross Cult, Asperg
128 Seiten / € 19,80
Dieser Comic ist eine Ikone einer Generation, ein Klassiker und verstörend zu gleich, auch hier die Frage: Warum? Wir machen uns also auf die Suche.

Comic-Fachmann Knigge erklärte die Entstehung der luftdichten Garage – wie sie bei ihrer ersten Veröffentlichung im deutschen Comicmagazin „Schwermetall“ hieß – bei einer Vernissage mit Girauds Skizzenbüchern in Karlsruhe einmal in etwas so: Giraud versprach für ein Magazin eine kurze Geschichte zu zeichnen und hatte das dann auch gleich wieder vergessen. Als der Verleger die Seiten abholen wollte, setzte sich Giraud hin und zeichnete einfach irgendwas auf zwei Seiten. Als die nächste Ausgabe gedruckt werden sollte, hatte der Zeichner – natürlich wieder nicht pünktlich - die ersten beiden Seiten schon lange vergessen, es gab ja auch keine Story, also macht er einfach wieder zwei Seiten.

Kein Wunder, dass man sich als Leser immer wieder fragt, was man da gerade wieder nicht verstanden hat. Völlig wahllos ändern sich Zeichenstile, werden Figuren eingeführt und der Zufall zum Konzept erhoben. Wer Lust hat, kann sich auf diese ziellose Reise einlassen und wird nicht nur in den Einleitungen zu den Kapiteln mit dem respektlosen Humor des Franzosen konfrontiert, der sich mit sichtlich wachsendem Vergnügen immer wieder bei sich selbst bedient. So taucht Arzach auf, der Western ist auch mal Kulisse und der schwarze Incal versendet sein Gift. Das macht alles keinen Sinn, sieht aber fantastisch aus. Mal kindlich einfach, mal fast fotografisch detailliert, mal einfach nur stilisch.

Bei „Arzach“ ist die Farbe nicht wegzudenken, „Die Hermetische Garage“ funktioniert auch wunderbar ohne sie. Die ersten Seiten haben in Farbe allerdings einen deutlichen Bezug zum „Yellow Submarine“ Zeichentrickfilm der Beatles, doch vor allem die Superhelden-Seiten zum Schluss des Bandes wirken ohne Farbe deutlich intensiver.

Ist es gelungen, die Faszination der Bilder wenigstens im Ansatz zu vermitteln? Moebius macht in der Verbindung des kunstvoll zelebrierten Unsinns mit Tiefgang und grafischen Übungen mit Fluchtpunkt und Studien über die Wirkung des Details von überquellend bis fast völlig fehlend trotz nicht existenter Geschichte im bekannten Sinn einfach nur Spaß.


Ein Fest für Suchende.