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Mignola / Fegredo
Erschienen
hellboy9
10/2008
Cross Cult, Asperg
160 Seiten / € 19,80
Vielleicht ist es ein Gesetz der Serie, dass egal wie innovativ, wie mitreißend oder wie grafisch beeindruckend – mit der Zeit wird alles etwas austauschbar. Dabei hielt Mignola mit seinen Hellboy-Geschichten einen angenehm hohes Niveau über sieben Bücher. Übrigens genau die Zahl an Büchern, bis es bei Cross Cults anderer Top-Serie „Sin City“ zu dem Band kam, bei dem der Autor und Zeichner Frank Miller die Aussage seiner Geschichte ganz gewaltig selber auf die Schippe nahm. Asterix-Zeichner Uderzo hatte vor Kurzem etwas ähnlichen mit dem Band „Gallien in Gefahr“ gemacht. Mignola wählte einen anderen Weg. In Hellboy Band acht durften wir Leser Mignolas roten Helden aus der Hand anderer Zeichner erleben. Altmeister Corben und Feingeist Russel zeigten im Vorgängerband eigenständige Abenteuer. Hellboys Seitensprung aus den ersten Tagen mit dem Ghost Crossover von Jasen Rodriguez war eine Marketing-Maßnahme. Nun gibt Mignola das Zeichnen scheinbar fast ganz ab. Duncan Fegredo ist der neue Zeichner und Mignola scheint die Serie von einer Ansammlung lose miteinander verzahnter Geschichte zu einer „richtigen“ Serie zu ändern.

Wie auch der achte Band ist „Ruf der Finsternis“ in Farbe. Dafür zahlt man gerne knappe zwei Euro mehr. Mignolas eigener grobe Strich wirkte in Schwarz/Weiß besser als vor allem die ersten amerikanischen Ausgaben mit ihren absaufenden Farben. Der Künstler selber soll laut redaktionellem Teil des vorliegenden Bandes sehr zufrieden mit seiner deutschen Farblosigkeit sein. Vor einigen Jahren reagierte er auf die Frage zu seinem Standpunkt zur deutschen Ausgabe in Schwarz/Weiß leicht ungehalten, da scheint sich was geändert zu haben. Fregado macht in Farbe auf jeden Fall Spaß. Er schafft es mit einem eigenen Stil Mignolas Feeling einzufangen, aber er ist detailliert statt grob. Eine seiner ersten Arbeiten war ein Kapitel der Reihe „New Statesmen“ und dort war er einfach nur grausam. Unsauber, sehr britisch und zu sehr bemüht. Seit dem ist er selber etwas breiter geworden und vor allem seine Comics sind unglaublich besser. Man kann fast nicht glauben, den selben Zeichner zu sehen. Er fügt zu Mignolas groben Gesichtern extreme Perspektiven und gelegentlich eine Überfülle an Details hinzu. Wo Mignola mit Andeutungen den Eindruck von Details erweckte, zeigt Fegredo diese Details. Das ist weniger raffiniert, macht aber genauso Spaß.

Die Story versucht bewusst, zu vielen alten Geschichten einen Bezug zu erstellen. Es beginnt mit Igor Bromhead, bekannt aus der Geschichte „Die Truhe des Bösen“ (Band fünf), Hekate (Band sechs, sieben) übernimmt die Rolle der Strippenzieherin und auch das Schwein Gruagach mit den Eisenfäusten taucht wieder auf. Und das sind noch lange nicht alle Verweise auf Hellboys bisherige Comics. Dabei ist das Fehlen von Nazi-Symbolen und Anleihen bei Lovecraft auffällig, bezogen Hellboys Abenteuer bisher aus diesen Elementen einiges ihrer Faszination. Auch alle Berührungspunkte zum Ableger B.U.A.P. fehlen. Vielleicht ein Teil der Neuausrichtung der Serie. Auch die Geschichte selber ist anders erzählt. Waren bisher Hellboys Abenteuer recht linear erzählt, baut Mignola diesmal einen Spannungsbogen auf, platziert Nebendarsteller und verbindet klassisch Nebenhandlungen mit dem Hauptstrang im Finale und lässt die Geschichte mit dem dezenten Hinweis auf eine mögliche Weiterführung der Geschichte ausklingen.

Zuerst erfüllt Hellboy die Erwartungen seiner Leser. Unser Lieblingssohn der Hölle trifft auf vor langer Zeit gehängten Hexen, und die sind nur die Vorhut. Die Hexen suchen nämlich einen neuen Chef, und wer wäre prädestinierter als Hellboy? Dem ist die ihm angetragene Ehre aber völlig schnurz. So leicht kommt unser Held den Hexen aber nicht davon, und epische Keilereien werden das Herz des Hellboy-Fans wieder höher schlagen lassen.

Hellboy wird mit seinem neunten Buch mehr zur Serie, das tut dem Comic gut, fehlte bisher eine deutlich fühlbare Kontinuität. Der neue Zeichner macht sich klasse, hoffentlich bleibt er bei der Serie. Nach dem seit zwei Bänden Farbe das Auge schmeichelt, kann man sich Hellboy in Zukunft nicht mehr anders vorstellen. So begeistert warten wir Fans jetzt erst Mal auf den Kinofilm und sehen dann beruhigt in eine höllisch spannende Zukunft.


Neuer Zeichner, neues Glück – Hellboy bleibt ein höllisch guter Comic.