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Erschienen
Fräulein Knöpfle im Pumpwerk: Isch wurscht!
10/2008
Es war – bei freundlichster Betrachtung – ein „durchwachsener“ Auftakt, mit dem Mitte September das Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ in die neue Saison gestartet ist: Nicht nur, dass nur wenige Gäste den Weg gefunden hatten - die Show „... und ob es euch gefällt!“ der Musik-Kabarett-Truppe „Fräulein Knöpfle & ihre Herrenkapelle“, die als „zwerchfellerschütternd“ vielleicht ein wenig großspurig angekündigt war, konnte nun wirklich nicht als würdiger Opener landen. Insofern war die Kombination mit den wenigen Zuschauern fast schon wieder ein Glücksfall.

Denn wenn, dann war der als Musikwettbewerb aufgezogene Abendfüller allenfalls „erschütternd“ – darüber konnte sich selbst das ungewöhnlich wohlwollende Publikum selbst nicht hinwegtäuschen.

Die Story ist kurz umrissen: Die Fleischereifachverkäuferin Fräulein Susi Knöpfle (Hobbies: Aufschneiden und Flirten – Ha! Ha!) präsentierte vier Musikgruppen unterschiedlicher Spielarten, über die dann das Publikum mittels Applausbarometer zu befinden hatte.

Wenn schon das Konzept ein wenig den Muff längst vergangener Tage atmete, dann umso mehr die dargebotenen Beiträge. Cordula Möhringer kalauerte sich als Fräulein Knöpfle mehr schlecht als recht über den Abend, erzählte in peinlich witzfreier Art und Weise über einen Urlaub auf Gran Canaria oder ihre in der Metzgerei angebotenen Yoga-Kurse, die selbstverständlich mit eigenen, innungstypischen Figuren aufwartete: „Baumelnde Fleischwurst im Ring“ oder „Gefüllte Roulade“ in „Schlachthaltung“ – wie originell und urkomisch. Dabei versprühte sie – ob absichtlich oder ungewollt, ließ sich bis zum Schluss wegen der unausgegorenen Gesamtperformance kaum entschlüsseln, unfähig schien es allemal – die Haltung eingeschlafener Füße und den Charme eingelegter Senfgurken nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Ihr „Herrenkapelle“ tat das Ihrige: Mal gab man als „Waldemar von Waldenfels“ das Chanson im Stil der 1920er und 1930er Jahre, dann als „Duo un Cappuccino un pocco lamentoso e furioso“ eine Mischung aus stereotypem Italo-Lover und schwäbischem Depp vom Anglersee, dann als die „City Worcester Band“ einen ganz manierlichen Einblick in das Fach des Jazz und Blues und schließlich als „Gernot Geweih und die abschwellende Krampfader“ ein Beispiel für schaurig schönen Schlager.

Geplant war, wenn man das Gesamtmachwerk zusammensieht, eine Persiflage auf den Wahn im Showbiz im Allgemeinen, unter besonderer Berücksichtigung der genannten Genre im Speziellen. Durchaus gute Ansätze zeigten sich beim Gehabe der Schlager-Sternchen und in der lethargisch-beseelten Bühnenshow der Jazzer. Aber alles in allem blieben die Figuren blutleer, die Beispiele auf oberflächlichen Klamauk beschränkt und bisweilen behinderten sich die beiden Musiker damit gar selbst darin, wenigstens eine ordentliche musikalische Leistung abzuliefern. Die nämlich, daran darf kein Zweifel bestehen, wären beide durchaus in der Lage gewesen, zu bieten. Reiner Möhringer bringt eine fundierte, vielseitige und sehr anschmiegsame Stimme mit und spielt durchaus hörenswert Saxophon und Klarinette. Der Pianist Ulf Kofler machte spätestens auf sich aufmerksam, seit er als musikalischer Begleiter des Entertainment-Urgesteins Johannes Heesters unterwegs ist: Er hat eine phantasievolle, technisch bemerkenswerte Spielweise und ausreichend künstlerischen Witz in den Knochen, um auch einen solchen Abend zu reißen.


Wenig war davon zu spüren. Leider. Und so bleibt nur, den Abend mit Fräulein Knöpfles „Schwamm drüber! Isch Wurscht!“ abzuhaken.