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Erschienen
Galusinskij: Nachspüren und Hinterfragen im scheinbar ganz Alltäglichen
11/2008
Wohl kaum ein Raum ist dem Menschen vertrauter, als seine direkte Behausung – und nur wenige seiner Begleiter während seiner Entwicklung haben ihm konstanter gedient und sich dennoch so variantenreich mitentwickelt. Künstlerisch setzt sich der 1957 in Moskau geborene und heute in Heidelberg lebende Maler Jurij Galusinskij eben mit dieser Behausung auseinander und er verweist die Betrachter seiner Bilder auf das Ursprüngliche, auf das Elementare, das in diesem wichtigen Teil des Daseins verborgen ist.

Rund dreißig Gäste lauschten und schauten am vergangenen Freitag Abend im Neulußheimer Kulturzentrum „Alter Bahnhof“, als in einer Vernissage (musikalische Umrahmung: Konstantin Mortensen) das Werk des bescheiden wirkende, ruhige Mannes von „Kunstpapst“ Wolfgang Treiber eingeordnet wurde. „Erinnerungen sind unbeweglich, umso feststehender, je besser sie verräumlicht sind“, zitierte der den französischen Philosophen Gaston Bachelard, der sich mit der „Poetik des Raumes“ auf seine ganz eigene Weise auseinandergesetzt hatte. Und tatsächlich demonstrierte die Werkschau, in der Menschen und Häuser fein säuberlich voneinander getrennt gehängt und doch so feinsinnig miteinander verwoben schienen, mit wie vielen Gedanken, wie vielen Botschaften die pure Ansicht von Wohnraum aufgeladen sein kann. Dabei bestechen Galusinaskijs meist in Acryl, seltener in Öl gemalten Bilder, von denen er rund dreißig präsentierte, mit ganz besonders intensiven Farben, denen stets ein enormes Feuer innewohnt, und durch einen klaren, scharf geschnittenen Stil, der den augenscheinlich so unbelebten Szenerien frappierende Realität verleiht. Unbelebt sind sie nur augenscheinlich. Denn obwohl keine Menschen zu sehen sind, gelingt es dem Künstler doch durch den verschwenderischen Einsatz von Farbspielen und Schattierungen, von teilweise klitzekleinen Andeutungen und Hinweisen, das Leben hinter den Fassaden in der Phantasie des Betrachters entstehen zu lassen. Was spielt sich ab im hell erleuchteten Raum der „Villa in Dunkelrot“? Welche Menschen flanieren wohl sonst über die Anlegestelle der wohlige Wärme ausstrahlenden Hafenszenerie bei „Windstille“, deren Gelb- und Orangeschattierungen eine hochenergetische Atmosphäre erzeugen? Die Häuser, perspektivisch verzerrt und verschachtelt, laden zum zweiten Blick ein, zum Ent-decken, zum Nachspüren und zum Hinterfragen. Die engen Gassen dazwischen menschenleer, keiner schaut heraus, niemand geht hinein, so zeigt Galusinskij die Menschen indirekt, allenfalls vermittelt über Projektionsflächen, die der Betrachter füllen muss.

Anhaltspunkte dafür liefern die zwischen den einzelnen Häusern hängenden Frauenakte, die der Künstler gesichts- und namenlos auf ihre reine Ausstrahlung reduziert. Die verlockende, mit einer gewitzten Drucktechnik kombinierte menschgewordene Verführung zur „Blauen Stunde“ ebenso, wie die durch ihren abweisenden Gestus besonders anziehende „Grand Dame“ oder die zu frivoler Gemeinschaft versammelten „Gespielinnen“, die eben einer Odysseus-Phantasie entsprungen scheinen: Seinen Menschen haucht Galusinskij stets reichlich Spannkraft ein und einen Reiz, der Neugierde und Begierde gleichermaßen wecken kann.


Mit dieser Werkschau – der Dritten in Neulußheim nach 2000 und 2003 – konnte sich Jurij Galusinskij erneut alle Ehre machen in der Vier-Sterne-Gemeinde: Als ein feinsinniger Beobachter, der mit markantem Charakter dem Alltäglichen einen spannenden Glanz zu verleihen versteht.



Eine brillant gemachte Galerie im Internet unter http://jurij-galusinskij.afvista.de.

 

 

 
 

©:Jurij Galusinskij