2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Viel zu kurze Nacht mit „Hotel Bossa Nova“
12/2008
Ein ganz besonderes Leben wird der Region um den Zuckerhut zugeschrieben, mit besonders viel Energie und Freude am Sein. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass in Brasilien selbst BAFög-Studenten zu den reichen zählen, weniger verwunderlich angesichts des erfrischend jungen Altersschnitts: Nur 6 % der über 186 Millionen Brasilianer ist über 65 Jahre alt.

Einer der bekanntesten Exportschlager dieses mit Armut und Reichtum ringenden Landes ist die Musik: Einer der bekanntesten Vertreter dabei ist die „brasilianische Variante des Jazz“, der „Bossa Nova“.

Eine Mischung aus nordamerikanischem Jazz und südamerikanischen und afrikanischen Rhythmen, die unweigerlich ins Blut und in die Beine geht.

Ein grandioses Beispiel dafür lieferte Ende Oktober im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ die aus Wiesbaden angereiste Band „Hotel Bossa Nova“, die mit einem rund zweieinhalbstündigen Programm ordentlich einheizte.

Dabei spielte sich die Formation um Leaderin Liza da Costa mit einer einerseits gefälligen, andererseits zwangsläufig mitreißenden eigenen Interpretation zwischen Jazz und Samba innerhalb weniger Titel ins Herz der gespannt lauschenden Zuhörer.

Eigene Kompositionen präsentierten die vier Vollblutmusiker dabei ebenso, wie bekannte Titel des Genres – daraus mischten sie einen schmackhaften Cocktail, der es durchaus in sich hatte – jedenfalls war das Publikum nach der leider viel zu kurzen Nacht sichtlich beschwingt.

Garant dafür die besondere Mischung im Sound, ergänzt durch die atemberaubende Bühnenpräsenz aller vier Künstler.

Im Zentrum des Geschehens Sängerin Liza da Costa: Schön anzusehen, aber noch viel schöner anzuhören. Mit einer natürlichen, ungestelzten, sehr direkten Stimme konnte sie mal anschmiegsam, fast zärtlich und mit einem direkt greifbaren Gefühl intonieren, dann aber auch draufgängerisch und mit enormer Durchzugskraft mitreißen. Mit da Costa hat „Hotel Bossa Nova“ einen wirklichen Star in der Frontline: Sie war Ende der 1990er-Jahre Sängerin der erfolgreichen Eurodance-Band „Captain Jack“, hatte 2000 aber auch einen eigenen Singlehit mit dem Titel „Banana Coco“ und 2004 wählte RTL2 die mit dem VIVA-Comet ausgezeichnete und mehrfach für den ECHO nominierte Indo-Portugiesin zur Zweitschönsten Frau der 1990er Jahre.

An ihrer Seite mit einer sehr markanten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Zentrum strebenden Gitarre Tilmann Höhn, der bereits mit Grammy-Gewinnerin Alannah Miles, mit dem Jazz Gitarristen John Stowell und der „Frankfurt City Bluesband“ zu hören war und der mit seinen gewitzten Akzenten und gigantischen Soli in einem kristallklaren Sound und astreiner Technik, vor allem aber grenzenlos frei phantasierter Improvisationsgabe reihenweise frenetischen Zwischenapplaus auslöste. Aufbauen konnten beide auf Alexander Sonntags und Wolfgang Stamms solidem Bass-Drum Fundament.

Gemeinsam schufen die vier Künstler einen Abend voll Atmosphäre, mit dem augenzwinkernden, von einer Melodie der „Zillertaler Schürzenjäger“ inspirierten „Mitternachtssong“, dessen klassisches, gediegenes Soundgerüst überzeugte, der rassigen „Hitzewelle“, die Stimmung perfekt in Töne packte und zum mitfeiern einlud und der „Amore da mar“, die Sehnsucht verschränkte mit einer fast schon frivolen Pfiffigkeit – ein wahrer Hör-Genuss.


Als „Hotel Bossa Nova“ mit „Emoção“ (Gefühl), dem allerersten gemeinsamen Titel der Formation, den offiziellen Teil des Abends beschloss, hatten vier Musiker gezeigt, dass sie deutlich an Tiefgang und Klasse gewonnen haben, ohne auch nur einen Funken des damaligen Herzbluts einzubüßen: Eine viel zu kurze Nacht!



Weitere Informationen im Internet unter www.hotelbossanova.com.