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Arkadi Babtschenko
Erschienen
Die Farbe des Krieges
12/2008
256 Seiten
„Einem Menschen, der nie im Krieg gewesen ist, kann man den Krieg nicht erzählen.“
Doch Arkadi Babtschenko kann.


In den autobiografischen Erzählungen beschreibt Arkadi, wie er mit 18 Jahren nach Tschetschenien versetzt wurde. Eindringlich und erschreckend schildert er nicht nur die Grauen des Krieges, sondern auch die Misshandlungen der älteren Soldaten, die die jungen „Geister“ für ihre Leibeigene halten. Arkadi widmet einen großen Teil des Romans der schauderhaften Schilderung der Brutalität der russischen Armee und der in ihr vorherrschenden rohen Gewalt. Wenn nicht in Tschetschenien gestorben wird, dann in der Kaserne durch die Folterungen der älteren Kameraden.

Neben dem alltäglichen Krieg in der eigenen Armee verkaufen die jungen Soldaten Munition an die tschechische Bevölkerung. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Geistesblitz der Rekruten. Diese Tätigkeit wird quer durch die gesamte militärische Hierarchie ausgeübt und spiegelt somit die Korruption der russischen Armee wieder.

Als nun Babtschenko, der in seiner Grundausbildung morsen gelernt und nur zweimal geschossen hatte in das wirkliche Kriegsgeschehen geschickt wird, muss er etwas erkennen. Er erkennt, dass der Krieg im Gegensatz zu seinen bisherigen Vorstellungen nicht „schwarzweiß“ ist. Arkadi erfährt die Grausamkeiten des Krieges in all seinen Farben. Ohne den Leser zu schonen veranschaulicht er detailliert die Kreuzung eigener Kameraden, den Gestank der verwesenden Leichen, schreiende Menschen, deren Glieder durchtrennt werden. „Die Farben sind grell, die Bäume grün, und der Himmel ist hellblau dort, wo Menschen getötet werden.“

Der Roman ist in drei Abschnitte unterteilt: Einige kurze Erzählungen, den Ersten und den Zweiten Tschetschnienkrieg.

Babtschenkos Schreibweise strotzt nicht gerade von literarischer Schönheit oder langen verschachtelten Sätzen. Seine Sprache ist klar einfach und präzise. Manchmal ist sie auch etwas unbeholfen und irreführend. Doch dies ist angesichts der miterlebten Thematik kein nennenswerter Kritikpunkt.

Sicherlich kann dem Roman vorgeworfen werden, Arkadi verfasste nur ein Drehbuch der erlebten Geschehnissen ohne die geringsten Reflexionen. Doch man darf nicht außer Acht lassen, dass es sich hierbei nicht um ein Sachbuch der Zeitgeschichte, sondern um einen persönlichen Kriegsbericht, dessen Fundament die Subjektivität ist, handelt.

Trotz des Fehlens von tief gehenden Gedankengängen ist der Roman lesens- und empfehlenswert. Obwohl einige Passagen alptraumhaften Charakter besitzen, sollte nicht von diesen Erzählungen, die ein Mahnmal der Kriegsbrutalitäten jeglicher Art darstellen, abgeraten werden.


Dieses Buch will und muss gelesen werden.