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Erschienen
Boesser-Ferrari meets friends als Prädikat der Gitarrenmusik
01/2009
Wieder einmal hat sich der graumähnige Exzentriker Claus Boesser-Ferrari seine Garantenstellung für Saiten-Topleistungen erwiesen: Neben dem unangefochtenen Weltmeister der Gitarren-Experimentalmusik selbst begeisterten Mitte Dezember in der Internationalen Gitarrennacht der ungarische Jazz- und Folkmusiker Sándor Szabó, eine der wenigen Frauen der internationalen Gitarrenszene, die belgische Akkustikerin Veronique Gillet, und der vom Musikmagazin „Folker“ zu recht zum „Basswunder“ gekürte Wormser Viersaiten-Artist Ralf Gauck – vier Künstler, die ihrem Instrument alle Ehre erwiesen und dem Publikum im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" einen spannenden und begeisternden Musikabend schenkten.

Wieder einmal kannte das Staunen darüber keine Grenzen, wie es Claus Boesser-Ferrari immer wieder gelingt, die ganz Großen der Szene in die Rennstadt zu locken: Urgesteine von den Bühnen der Welt zusammen zu einem Musikabend im „Pumpwerk“.

Und der hatte es in sich, das war schon beim Opener, als die Vier gemeinsam in die Nacht starteten, keine Frage mehr; was zunächst klang, wie das kollektive Stimmen der Instrumente, mündete in ein erstes grandioses Tutti der Ausnahmekünstler: Vielschichtig, phantasievoll und trotz des bemerkenswert kompakten Gesamtklangs den unterschiedlichen Charakter der Einzelnen betonend.

Der arbeitete sich im Verlauf der Nacht noch deutlicher heraus, als wechselnde Konstellationen und Solopartien Unterschiede und Gemeinsamkeiten präsentierten.

Sándor Szabó, der in seinem Heimatland Ungarn die Gitarrenmusik als Kunstrichtung Anfang der 1980er-Jahre überhaupt erst einführte, bestach durch lautmalerische Klangteppiche, in denen Themen und Ornamente eine größere Rolle spielten, als Melodien, dennoch stets harmonisch und für das Ohr außergewöhnlich, aber stimmig: Ein wohltuend frischer Klang prägt das virtuose Spiel des auch in den Überleitungen besonders charmanten Konzertprofis, dem es gelang eine familiäre und gemütliche Atmosphäre im „Pumpwerk“ zu etablieren.

Veronique Gillet machte sowohl an Szabós Seite, als auch solistisch eine in vielerlei Hinsicht gute Figur: Ihr Spiel ist introvertiert, bisweilen verhalten, dann wieder mit einer im Vergleich fast aufrüttelnd kraftvollen Vitalität ausgestattet, ein konzentrierte, im tiefsten Wortsinne malerischer Klang in detailverliebten weiten Tonfeldern, melodiös und schmeichlerisch. Dabei ist die Belgierin, die sich seit über 40 Jahren ihrem Instrument widmet, inspiriert von zahlreichen kulturellen und musikalischen Einflüssen, ohne dabei auch infiltriert zu sein: Niemals gibt sie ihren Charakter, nie ihren eigenen Geist auf.

Lange warten musste das Publikum auf den Einen: Claus Boesser-Ferrari spielte erst im zweiten Teil und wartete dabei sofort wieder mit einer Überraschung auf. Der Immerneue aus Laudenbach präsentierte einen fast schon nostalgischen, zwar kraftvollen aber doch annähernd liedhaften Tune, in den gar Weihnachtsmusik einsickern konnte. Die zweite Überraschung servierte er mit der Jazz-Sängerin Jutta Glaser; mit der Grand Dame der Vokalartistik hatte „CBF“ im ablaufenden Jahr die CD „Ajoj“ aufgenommen und gemeinsam gaben sie einen Einblick, wie es ist, wenn experimentellste Gitarrenklänge auf eine ebenso befreite Stimme trifft: Klopfen und Sirren vermischen sich mit mal fast opernhaftem, dann wieder ins Babygebrabbel zurückgeworfenem Gesang – eine spannende Mixtur des Ungewöhnlichen, die große Begeisterung im Publikum erweckte.

Der musikalische Top-Act kam in Gestalt eines Bassisten auf die Bühne. Was zunächst wie eine musikalische Unmöglichkeit klingt, wird durch den Namen Ralf Gauck selbstverständlich. Der Wormser holte aus seinem handlichen E-Bass Klänge, die man diesem Instrument nie zugetraut hätte: Filigran, große Ruhe atmend, leichtfüßig und vital feuerte er maximalen Esprit auf sein Publikum. Geniale Motive, eingefasst in leise Töne, die bis zum äußersten zum Lauschen einluden. Da schimmert ein „Let it be“ auf, dass er dann transformiert und seinen eigenen Ideen einverleibt in einem spannenden Taumel zwischen geschlagener, gezupfter, berührter, gestreichelter und angetippter Saite. Dabei löst er Tempi, Rhythmen und Dymanik völlig stufenlos bis in die Maxima auf, um aus einem flüsterleisen Schnurren mit prononciertem Focus zurückzukehren – ein Wahnsinns Auftritt.


Die Internationale Gitarrennacht ist einmal mehr ihrem hohen Anspruch gerecht geworden und hat erneut „Boesser-Ferrari meets friends“ zum großen Prädikat der Gitarrenmusik geadelt.



Weitere Informationen im Internet unter: www.ralf-gauck.de, www.veroniquegillet.com, www.boesser-ferrari.de, www.sandorszabo.com.

 

 

 
 

©:www.ralf-gauck.de, www.veroniquegillet.com, www.boesser-ferrari.de, www.sandorszabo.com