2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Badeys Weihnachts-Special als Lückenfüller
01/2009




Eine Weihnachtsfeier der ungewöhnlichen Art beschertekurz vor Weihnachtendie Ruhrpott-Kabarettistin Andrea Badey im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“: In einer Mischung irgendwo zwischen Eckkneipe, Familienfeier und sanitären Anlagen entlockte sie dem harten Leben doch noch ein ungezwungenes „Oh du Fröhliche“.

Wie bereits im Jahr zuvor, als sie beim Pumpwerk-Debut ihr Programm „Besser gut geschminkt als vom Leben gezeichnet“ präsentierte, gelang ihr eine durchaus glanzvolle Mischung aus Treppenwitz, Wortgewalt und poetischer Feinfühligkeit, wenngleich sie thematisch einfach ein wenig verloren hatte: Im etwas gezwungen wirkenden Weihnachts-Ambiente fühlten sich ihre Paraderollen „Marga“ und „Omma“ nicht so recht heimisch, weshalb Badey – sozusagen in Vorbereitung auf ihr bereits angekündigtes Programm für 2009, „Zwischen Tanga und Treppenlift“ – regelmäßig den Budenzauber zum Jahresende allenfalls als Staffage nutzte, um die bekannten Geschichten zum Besten zu geben. Da hat dann „Marga vom Siedlungspuff“ an Weihnachten Hochkonjunktur, weil dann „der eheliche Verkehr vollständig zum erliegen kommt – bis weit nach Ostern“. Vokuhila-Jochen, der ungeliebte Schwager mit der überkommenen Frisur, philosophiert im nachweihnachtlichen Festtagsmüll und fragt seine Gattin „War ich in der ganzen Zeit für Dich mal so ´n richtig geiles Teil?“ Und die Omma kommentiert dessen Rückkehr vom Kippenkasten mit einem trockenen „Was ist denn das für ein phantasieloser Mann? Zigaretten holen gehen und wiederkommen!“

Zwischen ihre eigenen Texte, die durchaus den genialsten Teil des Abends lieferten, streute das Vollblutweib aus Oberhausen ihre Rollen und Charaktere, die bisweilen durch ihre gespreizte Art etwas nerven konnten. Zumal die inzwischen etwas übertriebenen Rollenwechsel gar nicht nötig gewesen wären: Badey selbst hat genug zu sagen in ihrer melancholisch-spritzigen Gemengelage aus Zweckpessimismus und Lebensfreude. „Mit 20 schüttelst noch den Arsch, mit 40 schüttelst nur noch den Kopp“; Lebensweisheiten, die – mal derb und fast schon ordinär, dann wieder zart und mit wohlfeinen, schönen Wort gesprochen – beim Publikum einschlugen, die ankamen, die voranbrachten.

Ebenso ihre Lieder, die sie zusammen mit ihrem musikalischen Begleiter Stefan Kaspring einstreute: Hier ein Caterina-Valente-Gassenhauer, dort ein Stückchen aus Manfred Maurenbrechers Feder, dazwischen ein wehmütiges „Weißte noch?“ aus dem genialen Kopf Stephan Sulkes und mit der Stimme einer Hilde Knef – herrlich. Dabei ist es gar nicht so sehr das Gesangstalent, das Badeys musikalischen Einlagen so reizvoll machte: Kaspring ließ die Töne perlen und steuerte die schönen Klänge bei, zu denen Badey oft eher sprach, als zu singen, aber immer mit unglaublich viel Charakter und Einsatz.


Nun, ein Weihnachts-Special ist oft eher ein Lückenfüller und kommt nicht eben selten eben gerade nicht an ein „echtes“ Programm heran. So war es auch bei diesem Auftritt: Andrea Badey war witzig, wenn man den Ruhrpott-Humor mag. Sie war geistreich, wenn man mit der 40+-Schniene viel anfangen kann. Aber sie war bei weitem nicht so gut, wie man sie gewohnt ist und wie man es sich für ihr neues Programm erhoffen darf.





Weitere Informationen im Internet unter www.andreabadey.de.

 

 

 
 

©:www.andreabadey.de