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Erschienen
Isolde Stein schenkt Magische Momente
03/2009
„Magische Momente“ bescherte am vergangenen Wochenende die aus Saarlouis stammende Fotokünstlerin Isolde Stein. Im Neulußheimer Kulturzentrum „Alter Bahnhof“ präsentierte die quirlige Fotografin Anfang Februar rund 25 Exponate aus ihrer inzwischen 17-jährigen thematischen Arbeit zum „Carnevale di Venezia“ und ließ damit einen Hauch von Ferne, einen Duft von anderer Zeit und ein Mirakel aus Erinnerungen und tief verborgenen Gefühlswelten durch den Ausstellungsraum atmen.

In Ihren Fotografien hält die von der „Fédération Internationale de lArt Photographique“, dem Weltverband der Fotografen, als „Artiste FIAP“ und „Excellence FIAP“ mit zwei der höchsten Auszeichnungen des Genres dekorierte Künstlerin die zauberhaften Momente fest, die eine lange gehegte, aber auch lange im Dornröschenschlaf versunkene Tradition der Lagunenstadt dokumentieren, einordnen, veranschaulichen und beseelen. Die nach fast 1000-jähriger Tradition von Napoleon verbotene prunkvolle und verschmitzte Form des Karneval wurde erst in unserem Jahrhundert nach fast 200 Jahren Pause wiederentdeckt – und fesselt seitdem nicht nur die Einheimischen, sondern vor allem die französischen und deutschen Touristen.

Nicht verwunderlich, wenn man sich die Bilder Isolde Steins betrachtet. Der Saarländerin gelingt mit ihren Aufnahmen ein ganz eigentümlicher Akt der Fesselung, der sich kaum einer der Betrachter entziehen konnte. Von denen waren an allen drei Ausstellungstagen außerordentlich viele gekommen, bereits zur Vernissage am Freitag, mit der Neulußheims Kunst-Papst Wolfgang Treiber die Künstlerin in der Vier-Sterne-Gemeinde vorstellte, platze der Bahnhof aus allen Nähten. Geboten bekamen die Gäste zum Auftakt eine besonders eindrückliche Demonstration der Anziehungskraft, die von den Venezianischen Masken ausgeht, als Karin Horn aus Heidelberg, die selbst seit Jahren den Carnevale bevölkert, ein Prunkstück tänzerisch vorführte.

Genau das ist auch Isolde Steins Bildkonzeption: Sie tariert einen spannenden Mix aus der ebenmäßigen Eleganz der Masken, den charaktervollen, lebendigen Augen, die dahinter zu sehen sind, und der Gesamtsituation, in der die Larven inszeniert sind. Denn eben daraus lebt das Versteckspiel auch in Italien: Aus der Inszenierung, dem Spiel von Realität und Illusion, aus Person und Ausdruck.

Faszinierend ist dabei das feinfühlige Geschick, mit dem Isolde Stein einen scharfen Blick auf die Gestik wirft, die angesichts der starren Masken die Mimik weitgehend ersetzt. Es gelingt ihr auf fast geniale Weise, aus einem Moment alles wunderbare und erstaunliche zu destillieren und auf Papier zu bannen. Dabei kommt ihr sicherlich die besonders hochwertige Ausstattung entgegen, mit der sie arbeitet: In brillantesten Farben druckt sie auf bestem Papier und gewinnt so eine ganz charakteristische Mischung aus fotorealistischer Darstellung und fast gemalt wirkendem Grundduktus.

Exemplarisch dafür vor allem zwei Werke: „Fuoco“ präsentiert ein farbenprächtiges Kostüm als Umrahmung einer äußerst realistisch bemalten Maske, deren künstliche Schönheit mit den daraus hervorblickenden, lebendigen Augen korrespondiert und sich zu einem fesselnden Ganzen vereint. „Schein und Wirklichkeit“ zeigt einen venezianischen Künstler, dessen markante Präsenz, eingerahmt zwischen zwei tatsächlich nur gemalten Masken, die Grenzflächen zwischen Realität und Anschein verschwimmen lässt.

Als Künstlerin spielt die Fotografin, wenn man von einigen wenigen Bildern, bei denen triviale Schönheit die Botschaft zu übertünchen droht, absieht, auch damit, Masken und Szenen, die selbst Kunstobjekte sind, durch erneute Brechung in ihrer künstlerischen Gestaltungskraft festzuhalten. Eine Art doppelter Boden entspinnt vor dem Betrachter ein Netz aus Erinnerungen und Gedanken, aus Nachrichten und Entdeckungen, mit denen die fotografierten Personen ihres Charakters entrückt und in neue Rollen verkleidet werden, der Zeit und dem Raum entflohen mit dem Betrachter Zwiesprache halten.

Dabei ist es das Versteckspiel, das mit der Maske stets verbunden ist, das auf die Menschen einen ganz besonderen Reiz auszuüben scheint. „Amore“ zeigt eine alterslose, tendenziell scheinbar junge, mit strahlender Ausdruckkraft begabte Person inter der Maske, anziehend, von einer ganz eigentümlichen Schönheit und Zauberkraft. Ent-larvt käme eine agile und herzliche 78-jährige Frau zum Vorschein, die in der Maskerade ihren ganz persönlichen Spaß findet.


„Zauberhafte Momente“ hat Isolde Stein den Bahnhofs-Gästn auf jeden Fall geschenkt: Den einen durch die bloße Schönheit ihrer Bilder, den anderen durch die vielschichtige Sichtweise auf ein Kunsttreiben mit ganz eigenen Spielregeln.



Weitere Informationen im Internet unter www.isolde-stein.meinatelier.de.

 

 

 
 

©:Isolde Stein