2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Rebers zwischen Heimat und Heidi
03/2009
Andreas Rebers wurde dereinst von Kabarett-Urgestein Dieter Hildebrand als „Jahrhundertentdeckung“ geadelt, hat sich – bescheiden, unaufgeregt und mit einer beeindruckenden Stringenz – mit zahlreichen Soloprogrammen und ungezählten Fernseh- und FEstivalauftritten über den Prix Pantheon, den Deutschen Kleinkunstpreis bis zum Deutschen Kabarettpreis im vergangenen Jahr durchgearbeitet und vor allem bekam er die höchste Auszeichnung verliehen, die es auf internationalen Bühnen abzuräumen gibt: Eine frenetische, bedingungslos folgende Fangemeinde.

Ein kleiner Teil davon genoss am vergangenen Samstag Abend im vollbesetzten Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ mit dem neusten Solo „Auf der Fluch“ einen Abendfüller um einen Fünfziger, der aussieht wie vierzig und sich fühlt wie dreißig und der - eingekeilt zwischen Migrationshintergrund und Globalisierungswelle – ebenso wie Abermillionen andere die wahre Heimat sucht. Dabei stolpert der gebürtige Schlesier in herrlich unverblümter Art und Weise, die jeglicher political correctness wohltuend frech ins Gesicht spuckt, durch seine eigenen Gedanken, zeigt bizarre Denkverbindungen auf und schlägt geistige und geistliche Haken, die das Publikum mal fassungslos, mal atemlos aufmerken lassen.

Irgendwo pendelt der Freigeist - einer der wenigen Freigeister, die uns noch geblieben sind – zwischen Urologenwitz und Politikerschelte, zwischen Globalisierungswahn und Flimmerkiste, zwischen Ich, Über-Ich und Unter-Mir: Eben genau da, wo der Mensch als solcher zu finden ist. Mal in freundlich belanglosem Plauderton, dann wieder in fast orgiastisch anmutenden Gefühlsausbrüchen kostet er seine unverwandte Draufschau bis ins Letzte aus, seziert mal mit messerscharfen Pointen, um gleich danach stimm- und wortgewaltig mit barbarisch anmutendem schwerem verbalem Gerät die Untersuchung fortzusetzen. Rebers ist das genaue Gegenteil vom intellektuellen literarischen Kabarettisten: Er ist ein Lebemann, echter und authentischer als die Realität, unmittelbarer und klarer als die direkte Konfrontation – „Politisch links und privat reich – das ermöglicht Kabarett ohne Leidensdruck“. Im in die rührseligen Heimatgeschichten zwischen Schlesien, NRW und Bayern gebetteten und dadurch besonders skurril anmutenden Rundumschlag bekamen sie es alle ab: „Germany’s next Topmodel“ ebenso, wie die staatlich-bayrischen Integrationshelfer („Sprachkurs, Skifahren, katholisch werden“), die Taliban ebenso, wie die Frauen („Der Grund für sehr viel Frauenunzufriedenheit ist der Mangel an Hausarbeit“), die Ökobewegung ebenso wie die Religionen jeglicher Machart. Und dabei bleibt Rebers immer konsequent gnadenlos: „Ich will mich nicht mit de Elend anderer profilieren – das überlass ich dem Papst oder Oskar Lafontaine“. Nachbarin Frau Hammers Gemaule über die Benachteiligung der Alleinerziehenden pariert der überzeugte Großwohnungsbesitzer mit einem lapidaren „Ben Cartwright war auch alleinerziehend – und hatte noch die ganze Ponderosa-Ranch an der Hacke ohne vom Staat betüttelt zu werden“. Für Kannibalen hält er den Tipp parat, ruhig mal Schweinefleisch zu essen: „Schweine und Menschen unterscheiden sich nicht so sehr – oft nur durch die Frisur“.

Genial dabei seine akrobatisch anmutenden Gedankensalti: Von seiner hauseigenen Studentin im Fachbereich „German Putzing“ Frau Mmbemba, die keinen „Bachelor-Scheiß“, sondern einen „Master-popper-Abschluss“ macht, kommt der Wahl-Münchner nahtlos zu Heidi Klum, um schließlich – wegen des Klum-Fußes – bei Joseph Goebbels zu enden, anhand dessen er mit einem grandiosen Abgesang auf das deutsche Justizwesen brilliert, um Hitlers Propagandaminister am Ende in eine therapeutische Wohngemeinschaft mit Klaus Zumwinkel, Peter Hartz und Christian Klar zu stecken, wo Intendant Claus Peymann mit den Insassen ein Musical inszeniert: „Lieber ein fröhlicher Täter, als ein trauriges Opfer“.

Apropos Abgesang: Besonderes Highlight sind traditionell Rebers Lieder. Kurz, knackig, immer mit Tiefgang und grandiosem Hintersinn. Miniaturen, Balladen, jiddische Gassenhauer „in der Tradition von Brecht und Bohlen“. Da muss er im Lied „Finanzkrise“ nur fünf Akkorde spielen zum gesamten Text: „Josef Ackermann“. Angela Merkel verfrachtet er in idyllische Bergmelodien: „Auffi, unsre Kanzlerin verschnauft nie – wenn der Gipfel ruft, dann lauft sie!“


Nach zweieinhalb Stunden Programm hatten alle ihr Fett weg und Andreas Rebers verabschiedete sich mit einem bemerkenswert leisen und bescheidenen Lied von seinem Publikum: „Übrig bleibt ein bisschen Häme und zwei Stunden Kabarett“.



Weitere Informationen im Internet unter www.andreasrebers.de.

















<img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/2eed2803a6a04e3382203ab7356cd080" width="1" height="1" alt=""/>

 

 

 
 

©:www.andreasrebers.de