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Erschienen
Ina Deter beschert ein Wunder
06/2009


Schweißgeschwängerte Luft, nicht enden wollender Applaus und ein Jubel, der ein ums andere Mal eine weitere Zugabe einforderte – das war die Bilanz nach zwei Stunden Ina Deter im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ Anfang Mai. Damit fand – nach dem Auftritt von Joy Fleming am Mittwoch - die zweite „Große Damen“ des Musikbiz innerhalb kürzester Zeit in die Rennstadt und Ina Deter bescherte ihren Zuhörern, die das „Pumpwerk“ bis auf den letzten Platz füllten, einen ganz außergewöhnlichen Abend.

Und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Zunächst einmal überraschte die inzwischen 62-jährige Sängerin nicht nur mit einer beeindruckend kraftvollen Bühnenpräsenz, die manchen jüngeren „Superstar“ blass aussehen ließ, sondern auch mit einer unerwartet frischen Stimme, deren Durchzug seit ihren populäreren Anfängen nach dem Grand-Prix-Vorentscheid 1976 weder an Strahlkraft, noch an Brillanz verloren hat. Daneben überraschte das Publikum und die fast schon ekstatische Art, mit der die Zuhörer vom ersten Lied an der Ausnahmekünstlerin zujubelte: Eine Ausgelassenheit und eine Begeisterung, die das altehrwürdige „Pumpwerk“ erst selten gesehen hat. Grund genug war die authentische Künstlerin, der in jeder Sekunde der Spaß, mit dem sie auf der Bühne stand, anzusehen und anzumerken war; dass sich eine grandiose Band dazugesellte und auch noch ein wirklich satter und durchgreifender Sound gelang war schließlich Garant für eine ganz spezielle Feierlaune: Begeistert mitklatschende Frauen, Männer, die jede Zeile der Lieder mitsingen konnten und immer wieder spontaner Zwischenapplaus – vertrauter und vereinter kann die Atmosphäre zwischen Künstler und Publikum nicht sein.

In dieses Bett aus Rosen legte Ina Deter mit ihrem Programm zur aktuellen CD „Ein Wunder“ einen Streifzug durch die bekanntesten und – es war den mitgerissenen Gästen anzumerken – beliebtesten Hits von 1976 bis heute: Neben dem „Gassenhauer“ „Neue Männer braucht das Land“, mit dem 1981 der bundesweite Durchbruch gelang, dem Hippie-Song „Die Frauen früher“, dem Einheizer „Nur Liebe und sonst gar nichts“ und dem programmatischen „Ich will die Hälfte der Welt“ hatte Deter auch sanfte und nachdenkliche Lieder dabei; so die musikalische Liebeserklärung „Lied an die Engel“ für alle, die ihr während ihrer schweren Stunden der schweren Erkrankung Anfang des Jahrtausends beigestanden haben und „So wie ich bin, so wird es sein“, in dem Melancholie von einem kraftvollen Zauber durchdrungen wird.

Überhaupt ist es diese charaktervolle, individuelle, eigene Mischung, die Deters Erfolg ausmacht. Ihre Lieder schwingen irgendwo zwischen Rock, Neuer Deutscher Welle und Ballade, ihre Texte kreisen meist um Beziehungen, den damit verbundenen Frust, die Liebe, die Leidenschaft, sie gewähren aber auch Ausflüge zu gesellschaftlicher Kritik und einer selbstreflexiven Innenansicht. Dabei ist ihr Stil so homogen, dass man sich schnell heimisch fühlen, aber auch so farbenfroh, dass man immer wieder Neues entdecken kann. Und diese Frau hat genau die Power, die es braucht, das eigene Leben aus den Angeln zuheben – und sie hat so viel davon, dass die diese Kraft in reichem Übermaß ans Publikum verschenken kann.

An ihrer Seite die Deter-Urgesteine Manni Hollaender, der mit seinen Gitarren ordentlich Pfeffer in den Sound der Band mischte und Bassist Hans Georg „Micki“ Meuser, dessen entspannter Grundton die Basis für das explosive Musikfeuerwerk bildete. Am Keyboard erstmals mit von der Partie: Doro Gehr, die ornamentreich Textur einbringt. Andy Kupfer am Cocktail-Schlagzeug komplettierte die Gang und man mochte es kaum glauben, dass die Fünf in dieser Besetzung erstmals zusammen spielten. Maximal harmonisch aufeinander abgestimmt und vor allem auch in den wildesten Passagen präzise und astrein – ein wunderbares Beispiel, dass hier herausragende Musiker zusammengefunden haben.


Das mag neben dem „Wunder“, das der Abend seinen Gästen insgesamt beschert hat, die herausragendste Botschaft sein: Es braucht keine große Show, keinen Glamour und vor allem keinen Dieter Bohlen. Es braucht Künstler mit Talent, mit Persönlichkeit, Kraft und Charakter – sie berühren tiefer und treffsicherer als jeder Casting-Superstar. Weil sie die wirklichen Superstars des Lebens sind.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.inadeter.de