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Erschienen
Sommerkonzert durchwachsen mit Blüten
09/2009
Gleich zweifach hatten das diesjährige Sommerkonzert des Hockenheimer Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums zu kämpfen: Zunächst war mit dem Ende Juni verabschiedeten Abiturjahrgang eine ganze Reihe versierter Stimmen weggebrochen, zum anderen lockte der erste wirklich schöne Tag seit langem offenbar auch viele sonst Kulturbeflissene an die Seen und Schwimmbecken der Region. Jedenfalls blickte Schulleiter Joachim Kriebel in nur ungewöhnlich locker besetzte Stuhlreihen, als er Mitte Juli in der Stadthalle das Publikum begrüßte.

Diesem boten das Orchester und die Chöre des rennstädtischen Bildungstempels ein Programm, das den ebenfalls gelichteten Reihen auf der Bühne Tribut zollen musste: Ein weitgehend gefälliger Streifzug durch Musical, Filmmusik und leichte Muse.

Einen sehr angenehmen, durchaus vielversprechend klassischen Einstieg wählten Patrick Stypa (Trompete), Katharina Meynerts (Horn) und Esther Wallschläger (Euphonium) als Bläsertrio mit einem Menuett Mozarts von der Empore: eine technisch exzellent umgesetzte Miniatur, die die Gäste vom sonnendurchfluteten Draußen auf das musische Drinnen konzentrierte.

Das Orchester um dessen musikalische Leiterin Hildegard Grau setzte nach: Der tänzerisch beschwingte Furiant aus Anton Dvořáks Slavischen Tänzen bestach mit einer ausnehmenden Lebendigkeit, die vor allem dem filigranen Holz zu verdanken war, das kontrastierend zu fulminanten, fast martialischen Tutti gesetzt war.

Dann leitete das etwas geschrumpfte Orchester mit Musical-Veteran Webber und John Phillips Gassenhauer „California Dreamin’“ über zu den eher gegenwärtigen Stücken des restlichen Abends, wenngleich der Oberstufenchor mit drei kurzen Stücken aus der Grenzfläche zwischen Renaissance und Frühbarock einen weiteren programmatischen Akzent setzte.

Der Unterstufenchor hatte ein leider viel zu kurzes und dabei auch etwas delikates Gastspiel: Die rund 30 Kinder gaben „Macavity“ und „Mr. Mistoffelees“ aus Webbers Kultumusical „Cats“. Dabei kamen die jungen Sänger mit der musikalisch höchst diffizilen Harmonik beeindruckend gut zureckt und als beim Titel des Zauberkaters schließlich auch die sichtliche Anspannung in ihren Gesichtern wich, übertrug sich der spaß am Singen sofort aufs Publikum, das verdient begeisterten Beifall spendete.

Etwas schwerer tat sich der Oberstufenchor: Die fast 70 Stimmen mussten es meist bei einem recht kompakten, wenig ausdifferenzierten Gesamtklang belassen. Das lag unter anderem an einem akuten Mangel an Männerstimmen, der zu chronifizieren scheint. Erstaunlich dann, mit welchen Programmteilen der Chor – der in verkleinerter Besetzung auch als Kammerchor und als Frauenchor auftrat - am meisten punkten konnte: Eben gerade nicht mit Rogers „You’ll never walk alone“ oder John Hudsons modernistische Transformation des offenbachschen Can-Can aus „Orphée aux enfers“, und auch nicht in der Kammerchorbesetzung, sondern im großen Ganzen mit zwei Kleinoden aus einem Fünferpack Spirituals, die zunächst ein wenig „von der Stange“ daherkamen, dann aber Anlass gaben, die großen Stärken einer ausdifferenzierten Harmonik und einer fein dosierten Dynamik auszuspielen – My Lord, waht a morning“ und „Lord, I want to be a christian“ als Höhen eines Konzerts. Unerwartet und doch von ganz besonderem Reiz.

Die unangefochtenen Sterne des Abends aber kamen solistisch daher: Zunächst begeisterte die Fünftklässlerin Denise Gauß mit „Caresse sur l’océan“ aus dem französischen Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“; das Mädchen eroberte die Herzen der Zuhörer nicht nur mit ihrer absolut natürlichen, ungekünstelten Art, sondern vor allem mit einer Stimme, die trotz des grundständigen kindlichen Liebreizes schon markant weit gestaltet und mit einem beeindruckenden Körper daherkommt.

Mit gleichem – wirklich verdientem – Jubel wurde Larissa Dräger für Duffys Hit „Mercy“ solistisch und später zusammen mit der Abiturientin Carolin Schneider mit „It’s raining Men“ der „Weather Girls“ bedacht.

Dräger bringt eine biegbare, ausgesprochen charakterstarke Stimme mit einem grandiosen Tonumfang mit; dabei strotzt sie vor Kraft und setzt sich kess über alle Konventionen hinweg, um zu begeistert. Wäre das Mädchen nicht erst 17, man müsste sie mit dieser urwüchsig-erdigen Tiefe und der fast schon lasziven Höhe „Teufelsweib“ nennen.

Carolin Schneider gesellte sich mit einer fast ebenso durchzugsstarken Stimme hinzu, wobei sie sich in einer weichen Höhe am wohlsten zu fühlen scheint.


Damit hat auch diese Sommerkonzert wieder unter Beweis gestellt: Die besondere musisch-pädagogische Arbeit, die Rainer Ruhland (Chöre) und Hildegard Grau seit Jahren unermüdlich leisten, bringt immer wieder neue Blüten hervor.