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Erschienen
Ben Sands schafft Wohlfühlatmosphäre
11/2009
Der Raum mit kleinen Fenstern, die die Nacht draußen halten, am knisternden Kamin ein mal verschmitzt grinsender, dann wieder ansteckend abenteuerlich berichtender Geschichtenerzähler, umringt von seinen mal sprachlos staunend, mal fröhlich mitfiebernden Zuhörern – diese ganz eigentümliche Atmosphäre wie aus einer aufwändig inszenierten Filmsequenz brachte der nordirische Liedermacher und Sänger Ben Sands ganz spielend in das Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“, als er am vergangenen Freitag Abend dort sein Gastspiel gab. Zwar mag der charmante Mann insbesondere von seinen Auftritten mit der „Sands Family“, wie „Clannad“ ein vielumjubelter musikalischer Geschwister-Clan, ein größeres Publikum gewöhnt sein, doch ohne Frage kaum ein aufmerksameres und begeisterungsfähigeres: Bereits nach den ersten Liedern konnte sich manch ein Zuhörer nicht mehr zurückhalten, bekannte Passagen und Refrains mitzusingen, gespanntes und gefesseltes Luschen wechselte sich immer wieder ab mit begeisterter Teilnahme und frenetischem Applaus. Dabei folgten die Zuhörer dem graubärtigen Spielmann mit dem gewinnenden Lächeln auf dessen Streifzügen durch die Hügelwelten seiner Kindheit, durch Geschichten aus längst vergangenen Tagen, aber auch durch die ein oder andere „Story“ von seinen zahllosen Reisen unserer Tage. Trotz seines unsteten Vagabundenlebens atmet die Musik Sands stets eine vertraute innere Ruhe, eine fast heimatlich anmutende Gelassenheit.

„It’s good to be home“, so hätte man deshalb fast den gesamten Abend überschreiben können. In reich verzierten musikalischen Erzählungen, in dieser unnachahmlichen Art, die nur die Musik der Iren aufzunehmen vermag, kombiniert mit der zwar zurückhaltenden, aber doch standfesten Bühnenpräsenz schuf Ben Sands eine dichte, heimelige Atmosphäre auf der einen Seite, ein sehr berührendes und mitreißendes musikalisches Event andererseits.

Da konnte sich die sanft-romantische, fast träumerische Liebeserklärung an Nora mit den grünen Augen aus seinen Kindertagen an den Hängen zum Fuße der Mourne Mountains („your green eyes don’t miss a thing“) abwechseln mit dem augenzwinkernden Blick auf das eigene Abnehm-Versagen mit „Back in the diet on Monday“. Den Dank an die Freunde, die auch in schlechten Zeiten beistehen, versteht Sands ebenso in Musik und berührende Worte zu gießen, wie er anschließend mit dem schlitzohrigen Zungenbrecher „The Dunne Song“ reinsten Humor in Töne kleidete. Dazwischen streute er zwei Mandolinen- und ein Tin-Whistle-Instrumentals, die wie kleine Lockerungsübungen für den Künstler wie für das Publikum in Vorbereitung der nächsten Nummer wirkten.

Ben Sands beeindruckt vor allem mit seiner klaren, biegbaren, erstaunlich schlanken Stimme, deren reichhaltiges emotionales Repertoire stets auf den Punkt traf; eine grundweiche Stimme, um die sich die filigrane, unverschleierte und doch zurückhaltende Gitarre schmiegte, wie ein Festtagsputz. Sein Stil ist grundständig von einem natürlichen Traditionalismus geprägt, der die irische Volksmusik aufnimmt, ohne sie einfach wiederzuspiegeln. Vielmehr nimmt er die alten Figuren auf, um sie in seiner eigenen Geschichte zu plazieren.



So schuf der Mann aus dem nordirischen County Down maximale Wohlfühlatmosphäre. Und den Wunsch beim Publikum, dass er doch wieder einmal vorbeischaut, auf seinen Reisen und dann immer noch singen kann: „It’s good to be back among friends again“.