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Erschienen
Olli Roth trifft seine Freunde
11/2009
Kultur ist ein Geschäft, das man mit Hingabe und mit Ausdauer betreiben muss, weil es sich dem schnellen Erfolg meist völlig entzieht. So darf der Massenauflauf, der am vergangenen Sonntag Vormittag den ersten „Musikalischen Frühschoppen“ des Jahres im Garten des Neulußheimer „Alten Bahnhof“ stürmte, durchaus auch als Ergebnis der langjährigen systematischen Kulturarbeit in der Vier-Sterne-Gemeinde verstanden werden. Vielmehr als das aber als ein Tribut des Publikums an den Event selbst: Drei herausragende Musiker spielten gemeinsam auf und begeisterten ihre Zuhörer vollkommen.

Da war zunächst einmal Frontmann Olli Roth. Der Gitarrist und Sänger kommt schon optisch nicht wie ein Leichtgewicht daher – aber musikalisch ist er nicht in Gold aufzuwiegen: Neben der durchaus hörenswerten Instrument wartet er mit einer markanten, extrem anpassungsfähigen Stimme auf, die mit kuscheligen Songs wie „Get here“ von Brenda Russel, dem Roth mindestens so viel Tiefgang einverleibte, wie seinerzeit Oleta Adams, ebenso spielend zurechtkommt, wie mit dem nun wirklich extravaganten „Kiss“ von Prince, dem er auf eine überraschend leichtfüßige Art begegnete. Dabei imitiert Roth auch bei Coverversionen nicht – dazu ist er viel zu sehr Künstler -, er verleiht jedem Titel seinen eigenen Stil, den er selbst gerne als „Accousticountryrockingblues“ bezeichnet: Offen für alles und überall gut. Und wüsste man nicht, dass es sich bei dieser musikalischen Mischung aus Meat Loaf, Willy DeVille und John Hiatt um eine waschechten Wieslocher handelt, man würde ihn irgendwo in den Staaten verorten.

An seiner Seite standen mit Matthias Hautsch und Marcel Millot zwei weitere musikalische Schwergewichte.

Hautsch, auch im Bahnhof von zahlreichen eigenen Auftritten bekannt, lässt sich als Gitarrist ebensowenig wie Roth auf ein Genre eingrenzen: Der instrumentale Tausendsassa kann es mit Chris de Burg auf einer Bühne ebenso, wie als Mitglied einer Jazz-Formation. Dabei brilliert er mit einem thematischen Einfallsreichtum, der seinesgleichen sucht, mit einer ausgezeichneten spielerischen Virtuosität und vor allem mit ganz ausgeprägten improvisatorischen Phantasien.

Ein Junkie am Fell ist Marcel Millot: Der in Karlsruhe lebende Vollblut-Musiker gab schon Marla Glen, Jeff Richman oder Manfred Mann’s Earth Band den Takt an – auf eine ruhige und doch einfallsreiche Art, wenns sein muss höchst präzise, wenns gefragt ist aber auch mal ganz und gar ausgefallen.

Zu dritt lieferten Olli Roth and friends vor über 300 Leuten ein abwechslungsreiches, ein tiefgründiges, vor allem aber auch ein charmantes Programm ab: Da kann man kurz mal am Mikro darüber streiten, ob man den „Tower of Power“-Titel „Don change horses“ bringen soll (der sich dann übrigens aufgrund seiner weit gespreizten Dynamik, dem mitreißenden Lead und dem Drive als echter Schlager erwies) oder lacht sich als Opener zum nächsten Stück einfach erstmal eine Runde weg.

So servierten die Drei runde zwei Stunden lang Perlen und Kleinode, die im perfekten Schliff der Musiker zu echten Schmuckstücken wurden: Ob sie den gediegenen Sound des maximal entspannten „Turn on, tune in“ zelebrieren oder der warm-weiche, fast nachdenkliche Grundton von „Riding on a Ghost Train“ mit dem Esprit in Roths Stimme und dem Überschwang in Hautschs Gitarre eine spannende Korrespondenz beginnt.


Am Ende hinterließen Olli Roth und Freunde ein restlos begeistertes, immer wieder frenetisch jubelndes Publikum und einen weiteren Eindruck in der langen Reihe wirklich bemerkenswerter Musikalischer Frühschoppen.