2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
„Unterhaltsame Chormusik“ beschert wundervollen Musikabend
11/2009
„Gibt es Gespenster oder nicht?“ – diese Frage stand im Mittelpunkt einer musikalischen Gespenstergeschichte, die von 15 Mädchen und Buben des Kinderchores 2 des Hockenheimer Madrigalchores Mitte Oktober in der Aula der Lußhardt-Schule in Neulußheim erzählt wurde: Chorleiter Robert Sagasser als greiser Igor, Martina Rothbauer als dessen umso liebreizendere Gattin Irina und die Kinder in idyllischer Atmosphäre und in Streitgesprächen, auf der Flucht und in tiefer Angst. Vielschichtig und für einen Kinderchor mit erstaunlicher Dichte präsentierten sich die „Großen der Kleinen“ mit einer Singgeschichte auf Grundlage der Sprechchöre des alemannischen Stimmbildners und Gesangspädagogen Uli Führe. Eben noch die charmante Szene vom kleinen Häuschen, dann der Streit zwischen den zwei Alten und schließlich das angsterfüllte Verharren im dunklen Tann – jeder Emotion musikalischen Ausdruck zu verleihen ist eine Kunst, die reihenweise Erwachsenenchöre nicht verstehen; sie könnten sich von den Kindern eine Scheibe abschneiden.

Die Gespenstergeschichte war ein Baustein eines ganzen Abends „Unterhaltsamer Chormusik“ unter dem Titel „Es war einmal“: Der Madrigalchor und die beiden Kinderchöre gaben dabei eine tatsächlich unterhaltsame und in ihrer auf den ersten Blick so gar nicht stimmigen Fügung letztlich doch bemerkenswert reizvolle kunterbunte Mischung unterschiedlichster Stile zum Besten. Hier einige klassische und späte Madrigale aus dem 16. und 17. Jahrhundert, mit denen der 24-köpfige Madrigalchor mit einem herzergreifend klaren, hellkristallenen Sopran, einem satten, gut geerdeten Alt und Bass einmal mehr als stimmgewaltiges und dabei so kultiviert geschliffenes Vokalistenkleinod glänzte. Dort Haydns „Beredsamkeit“ oder Kurt Thomas harmonisch diffiziles, augenzwinkernd heimliches Pazifisten-Lied “Bewaffneter Friede“. Und dazwischen eingestreut bunte Bonbons in Noten: Da stellte der Kinderchor 1 (1.-3. Klasse) Führes „Familie Gei“ vor – mit strahlendem Lachen und ebensolchem Sopran eben „Papagei, Mamagei, ...“. Dass Freude am Singen und musikalische Frühförderung auch hörenswerte Ergebnisse liefern kann, zeigten die ganz Kleinen beispielsweise mit einem Kanon, der für das junge Gehör eine ganz gewaltige Aufgabe darstellt: „Fing mir eine Mücke heut, größer als ein Pferd“ löste deshalb Fröhlichkeit und Beachtung gleichermaßen aus.

Die Ausbildung herausragender und gleichzeitig charaktervoller Stimmen hat unter allen Leitern des Madrigalchores seit seiner Gründung 1981 ein besonderes Augenmerk bekommen. Seit 13 Jahren lenkt Robert Sagasser die Musikalischen Geschicke des Ensembles mit einer deutlichen Hinwendung an das gepflegt natürliche Singen. Ein Beispiel für die Früchte dieser Arbeit ist die Sopranistin Ellen Kneifel, die mit einem leichtfüßigen, unaufgeregt lieblichen Part Richard Genées Parodie auf eine Opernszene „Insalata Italiana“ zu einem der Höhepunkte des Abends machte.


Als zum Abschluss des mit rund einer Stunde für den Liebhaber viel zu kurzen Konzerts die eigentlich unvereinbar scheinenden Kanons „Bona nox“ und „Alles schweiget“ in einem Quodlibet ganz neue Hörgenüsse eröffneten, war die Begeisterung im Publikum der auf der Bühne ebenbürtig – ein wundervoller Musikabend, der weitaus mehr war, als nur „unterhaltsam“.