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Erschienen
Paul Millns schenkt Hockenheim „A lovely day“
01/2010
Wie bei seinem letzten Konzert vor zwei Jahren war Paul Millns auch Anfang Dezember bei seinem Auftritt im Rahmen der diesjährigen Jazz- und Bluestage im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ „Undercover“ unterwegs: Eigentlich feilt der britische Bluesspezialist gemeinsam mit seinen Musikern nämlich an seinem neuesten Album, das – von den Fans schon lange sehnsüchtig erwartet – 2010 erscheinen wird. Aber warum nicht einen kleinen Ausflug wagen, vom Tonstudio in Freiburg „Home for a weekend“ auf eine der Bühnen, die den Ausnahmekünstler immer besonders herzlich und intensiv gefeiert hat. So bescherte Paul Millns den Rennstädtern schon drei Wochen vor Weihnachten ein unvergleichlich schönes Geschenk: Ein Abend, der Genie und Urwuchs, Emotion und Spannung, Geschichten und Genuss zu einer wohligen Mischung vereinte.

„Wie immer“ ist man fast geneigt zu sagen, denn eben diese besondere Mischung ist, was die Anziehungskraft der millns‘schen Musik ausmacht. Aber ein „wie immer“ würde verschweigen, dass es dem Großmeister der Tasten mit der rauen und so unvermittelt berührenden Stimme trotz der vierzig Jahre auf den Bühnen der Welt nach wie vor jedes Mal aufs Neue gelingt, Überraschungen zu entfesseln. Umso mehr, als er diesmal brandneue Titel im Gepäck hatte.

Ein Teil davon findet sich auf Millns neuer DVD „Live“, die nur bei seinen Konzerten und über seine eigene Website zu bekommen ist: Mit „Nobody home“ schärfte er einmal mehr seinen Blick für das, was tief in den Dingen, den Szenen und den Protagonisten schlummert – was seine Musik mit so viel Botschaft und Leben füllt, strotzen lässt, überreich und wunder-voll. Mit „The Parfum“, einer bisher noch nicht veröffentlichten Hommage an Patrick Süskinds grandiosen Roman, offerierte Paul Millns neue Klänge, neue Zauberformeln der musikalischen Lust und Leidenschaft – und das im tiefsten Sinne der Worte.

Dazwischen streute er mit seinen drei Musikern Perlen seiner bisherigen Alben: Das ganz sanfte, liedhaft-schöne „Back in your mainstream“, in dem Millns Stimme und Klavier in seiner brillanten Meisterschaft zusammenführt, sparsam umschmeichelt vom fast zärtlichen Bass Ingo Raus, den verhaltenen Schlagzeug-Einwürfen Vladi Kempfs und einem phantasievollen, virtuosen Solo des Gitarristen Butch Coulter, war ganz Gefühl, ganz Atmosphäre, ganz tiefer Sinn.

Überhaupt ist der Sound, den die vier Musiker gemeinsam produzieren, immer atemberaubend, herzergreifend mitreißend – auf die eine oder andere Art: Eben noch eindringlich und melodiös-balladenhaft wie bei „Don’t wait to long“, dann sofort schlitzohrig kommentierend und mit rassigem Beat wie beim ebenfalls noch unveröffentlichten „Blame it on you“. Schon seit vielen Jahren dafür verantwortlich die besondere Zusammensetzung des Kleeblatts: Millns charaktervolle Stimme und sein so gefühlsbetontes Klavier korrespondiert in einer fast schon mystischen Weise mit dem bemerkenswert tiefgründigen und unvergleichlich pointierten Bass, mit dem Ingo Rau jede Nuance präzise und zielsicher trifft und unterstreicht. Vladi Kempf, einst in Polens bekannter Pop-Band „Lombard“ zugange, gibt – zurückhaltend, aber doch präsent – den nötigen Beat dazu und als Akzent, als Schlaglicht, als Focus greift Butch Coulter ein mit einem exzellenten Gitarrenspiel und einer noch viel prägnanteren, aufwühlenderen Mundharmonika.

Gemeinsam gelingen Millns und seinen Mannen so außergewöhnliche Mitreißer wie „Old enough“ gleichermaßen, wie zart-melancholische Titel wie „History of a kiss“.


Zweieinhalb Stunden verzauberten Paul Millns, Rau, Kempf und Coulter ihre Zuhörer. Und die forderten – gefesselt, begeistert, beseelt – immer mehr. So war Weihnachten dieses Jahr in Hockenheim schon früher. Man beschenkte sich gegenseitig: Mit einem „Lovely day“.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.paulmillns.de.

 

 

 
 

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