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Erschienen
Christina Lux schenkt Musikabend der Offenbarung
02/2010
„Love & live“ funkelt es in Perlmutt-Einlegearbeiten vom Hals der Lakewood, die mit bezaubernden Klängen den Raum füllt, bis diese Platz machen müssen für eine reine, klare, völlig makellose Stimme, die Geschichten von schlichter Schönheit und unbeschreiblicher Größe erzählen – das Phänomen Christina Lux war Mitte Januar auf der Bühne des Hockenheimer Kulturtempels „Pumpwerk“ zu hören und zu sehen. Doch was die Lux mitbringt, das wird in Wirklichkeit stets bestaunt und belauscht: Eine Frau, eine Gitarre und gleichzeitig die ganze Welt im Scheinwerferlicht der kleinen Bühne.

Schon als im Frühjahr letzten Jahres Claus Boesser-Ferrari die charismatische Sängerin mit dieser phänomenalen Kombination aus herrlicher Stimme und fesselnder Instrumentierung im Rahmen der „Internationalen Gitarrennacht“ vorstellte, waren ihr die Herzen der Zuhörer reihenweise zugeflogen – nun sind sie ihr nach einem ganzen Abend Lux-Musik verfallen.

Kein Wunder: Christina Lux lockt mit einem phantasievollen, filigranen, ausgesprochen virtuosen Gitarrenspiel, fesselt mit ihrer Stimme, schmeichlerisch, verlockend, verführerisch, sanft behaucht und von einer doch durchdringenden Klarheit, und sie begeistert und berührt mit reinen Botschaften, unvermittelt und emotional und immer aus tiefster, reinster Seele. Dabei hat sie sich ein ganze eigenes Genre zugelegt, irgendwo zwischen Soul, Funk, Folk und Pop – einzigartig und heimelig zugleich.

Was die rundweg begeisterte Fachpresse wundert: Warum die junge Frau nicht längst zum international gefeierten Star aufgestiegen ist. Das Zeug dazu hätte sie, die künstlerischen Wegbegleiter eigentlich auch: Sie arbeitete schon mit Jule Neigel zusammen, lange bevor ihr 1998 als Special Guest in der „Nightclub-Tour“ der damals schon international erfolgreichen Rockband „Fury in the Slaughterhouse“ ein Durchbruch gelang, der im Jahr darauf den ersten Plattenvertrag für „Little Luxuries“ brachte, sie stand mit Pe Werner, Purple Schulz, Jon Lord, Die Happy, Status Quo und Paul Young auf der Bühne und auf ihrem zweiten Album „Pure Love“ ist unter anderem Blues-Legende Chris Jones als ihr Begleiter zu hören.

Vielleicht ist es die unaufgeregte Nische, in die Christina Lux sich zurückgezogen hat und die sich dem breiten Massenmarkt verschließt: Die feinen Texte, meist in Englisch, nur zwei Exkursionen ins Deutsche am ganzen Abend, die bisweilen schwierigen Themen wie Kindesmissbrauch oder Religion und vor allem die poetische, manchmal fast entrückte Schönheit, die natürlich Aufmerksamkeit und Nachdenken erfordert, um verstanden zu werden.

Im „Pumpwerk“ wurden sie ihr – wie immer bei ihren Konzerten – geliehen, die „Lauschohren“, die es braucht, um Christina Lux Musik ganz rein zu genießen und gleichzeitig die Botschaft jenseits der blanken Schönheit zu begreifen.

Und so trafen sie aufeinander: Eine Künstlerin mit einer enormen Bühnenpräsenz, die „arms wide open“ und ein Publikum, gefesselt verfallen dem Zauber des Abends mit einem „Come to be my pleasure“ aus Lux Titel „Shelter“ auf den Lippen – eine Mischung, die emotional weit jenseits der kritischen Masse angesiedelt war: „Don’t hold them back, those tears, once falling like a waterfall“.

Tatsächlich brachte sie ihre gespannt lauschenden Zuhörer bisweilen bis nahe an die Tränen heran. Mit dem Titelsong der neuen, für das Frühjahr geplanten CD „Haut“ beispielsweise, der ein wunderbares Beispiels dafür ist, wie wirkungsvoll Lux Texte auch auf Deutsch sind und wie viel Tiefgang sie darin mit reiner, poetischer Schönheit verbindet: „Spürst Du unsere Haut – so dünn, jedes Wort könnten wir jetzt lesen, bevor wir es gesagt“. Oder mit dem so berührenden „Abuse“, in der sie schwierigstes Terrain in doch so zauberhaften Worten betritt: „Memories learn to hide to help you survive but they find the backdoor key“.


Nach dem Rund zweistündigen Programm hat Christina Lux in Hockenheim einmal mehr ein begeistertes Publikum zurückgelassen, Menschen, die keinen Musikabend erleben durften, sondern eine Offenbarung: „Ich wird Dich lieben, bis Du satt bist, mit Dir weinen bis Du lachst, sanft für Dich singen, bis Du einschläfst, dann schließ ich die Tür ganz sacht“.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.christinalux.de.

 

 

 
 

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