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Erschienen
Mistcapala legt an – und trumpft in Hockenheim auf
03/2010
Ein wahrer Wohltäter, wer ohne Zwang seine Mitmenschen an seinem eigenen Glück und Gut teilhaben lässt. Die glücklichsten Menschen leben – zumindest einer Stern-Umfrage von 2003 zufolge – in Landsberg am Lech. Und eine Abordnung von dort streute Anfang Februar einmal mehr ein Bad der Fröhlichkeit über den Rennstädtern aus, als sie unter dem Decknamen „Mistcapala“ im Kulturzentrum „Pumpwerk“ mit Genius und Dudelsack, Leier und Laune, Gitarre und Witz aufspielten.

Hinter dem etwas ungewöhnlichen und vielleicht auf den ersten Blick gar abschreckenden Namen verbergen sich der Akkordeonist Armin Federl, das instrumentale Multitalent Vitus Fichtl, der ostdeutsche Kontrabass-Import Tobias Klug und Tom Hake, ein kauziger Typ irgendwo zwischen genervtem Hausmeister, gestresstem Hausbewohner und pikierter Hausfrau.

Mit zumeist trockenem, bisweilen sogar rotzfrechem Humor lachen die vier sich krank: Mal über sich selbst, dann über die anderen – gleiche Schadenfreude für alle. Das tun sie mit kleinen Geschichtchen und Stories, frank und frei erzählt. Genau das produziert eine fast familiäre Plauderatmosphäre, in der man sich dann auch mehr traut.

Da lässt man das etwas morbide Stückchen von „Pepita“ vom Stapel – eine Yorkshire-Dame, die in Hassos Rachen endet. Gibt – nachdem man einen „Tierkadaver“ zu den Eidgenossen eingeschmuggelt und das „Schweizer Grenzorgan auf seine Humorfähigkeit hin kontrolliert“ hat - das Schweizer „Grenzkonzert für unterfränkischen Dudelsack und sehr sehr kleines Orchester“. Und man lässt den Rentner aus dem Wohnblock gegen „Kamerad Zupfgeigenhansel“ in der Wohnung darüber wettern. Wer nun genau aufgepasst hat, wird feststellen: Das Programm ähnelte sehr dem vom letzten Auftritt 2007.

Das Publikum hat sich daran nicht gestört, erneut über den – deutlich aktualisierten – Hausmeister im Stile Herbert Knebels gelacht, der in langen Reden irgendwo zwischen „Politik der ruhigen Hand“ und „Creutzfeldt-Jacob-Sisters“ schwadronierte, die „Unlustknaben“ des Tiberius im Lied bestaunt und den selben Titel in der „DSDS“-Version mit zu „Brummtöpfen“ umgebauten Senf-Pötten bejubelt.

„Mistcapala“ ist eine urige Mischung aus Heimatabend und Kabarett-Programm, immer totwitzig, in musikalischer Hinsicht auf alle Fälle unerwartet genial und von einer Gemütlichkeit, die ihresgleichen suchen muss.

Garant dafür ist vor allem Tom Hake. Der Mann, der ein wenig aussieht, wie eine Mischung aus Nick Parks „Wallace“ und einem Bausparkassen-Vertreter, schlüpft über den Abend in unzählige Rollen, singt dazu wirklich herausragend gut und tauscht die Musikinstrumente im wilden Wechsel.

Überhaupt ist es diese musikalisch gefasste Lebensfreude, die den Erfolg der „Mistcapala“ ausmacht: Eine Persiflage auf Howard Capendale ist an und für sich gar nicht so witzig – wenn man sie aber in Schwaden eines billigen Körpersprays ertragen muss und sich dann die Platte des blonden Schlager-Fuzzies beim ersten Rendezvous auf dem Plattenteller vorstellt, wird’s unübertrefflich. Auch die Mär vom „Goggolore“, dem „Robin Hood vom Ammersee“, der immerhin schon Gerichte beschäftigt hat, wäre nur halb so grandios, wenn man nicht das rassige „Der Goggolore tanzt“ dazu im Ohr hätte.


Was bleibt als Fazit? Man wünscht sich einen weiteren Auftritt der „Mistcapala“. Gerne wieder mit ähnlichem Programm. Aber auf jeden Fall wieder in gleicher Manier: „Kameraden! Die Instrumente – legt an!“



Weitere Informationen im Internet unter http://www.mistcapala.de.