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Erschienen
Cara eröffnet Hockenheimer Irish-Music-Reigen
03/2010
Es wird keine Art Revival auf eine allgegenwärtige Seifenserie aus den 1980er-Jahren, wenn im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ eine Art „Irischer Frühling“ ausbricht. Zwar soll der Dreiklang beliebte Irish-Music-Bands auch „dufte“ werden, aber die Wohltat wird wohl weniger in sanfter Haut, als vielmehr in Ohrengeschmeichel liegen, wenn „Paddy goes to Hollyhead“ und „Dhalia’s Lane“ die Bühnenbretter erklimmen. Den Einstand gabAnfang Februardie wohlbekannte Formation „Cara“. Inzwischen schon regelmäßige Gäste im Musentempel zogen sie ein stattliches Publikum an, dass dann im Taumel irgendwo zwischen andächtigem Lauschen und begeistertem Mitwippen ergriffen wurde, als die vier „Freunde“ zum Besten gaben, was in ihnen steckt: Gudrun Walther (vocals, fiddle, button accordion), Sandra Steinort (vocals, piano, flute), Jürgen Treyz (guitar) und Claus Steinort (flute, whistle, uilleann pipes) bringen nicht einfach althergebrachten Irish Folk. Ganz im Gegenteil sucht „Cara“ nicht auf Biegen und Brechen einen authentischen Sound, sondern provoziert mit einer Mischung aus phantasievoller Melodie, prominenten Rhythmen und anregendem Zusammenspiel auf der Bühne und im Publikum gleichermaßen Spaß und Freude an der Musik, der man nur noch entfernt die traditionellen Wurzeln entnehmen kann. Für diese neue Art, irische Musk zu machen, wurde Cara Ende Januar mit dem „Irish Music Award“ in der Kategorie „Best New Irish Artist“ ausgezeichnet – ein noch nicht allzu bekannter Publikumspreis, dennoch eine bemerkenswerte Auszeichnung im Genre.

Im Wechselspiel aus Traditionals, Cover-Versionen und sehr vielen eigenen Stücken konnten die vier exzellenten Musiker punkten. „Ploubér“, Walthers Hommage an einen kleinen Ort in der Bretagne, ließ ein wunderschön verträumtes Gitarren-Intro hören, an das sich zart das Knopfakkordeon der rotmähnigen Frontfrau schmiegte, um schließlich von einer Flöte umgarnt und dem Klavier geschmeichelt zu werden – Romantik und Wohlfühlathmo pur.

Damit es aber auch nicht zu rührseelig wurde, streute „Cara“ immer wieder rassige Jigs ein, die – wäre dafür noch Platz gewesen – am Ende gar ein Tänzchen heraufbeschworen hätten.

Die Band lebt von vier herausragenden Musikern. Da wäre allen voran die unkonventionelle, stets präsente und ausgesprochen filigran pointierende Gitarre Jürgen Treyz‘: Zusammen mit den griffigen Figuren aus Walthers Fiddle bildet er das musikalische Rückgrat der Truppe und manch ein Besucher hätte ihn allzugerne einfach mal alleine gehört, insbesondere nach seinem grandiosen Gitarren-Solo im Instrumental „And off he went“.

Sängerisch gaben sich Sandra Steinort und Gudrun Walther wie gehabt den Stab durch – wobei diesmal Steinort mit ihrer feinen, leicht behauchten und natürlichen Stimme, der immer auch etwas engelhaftes innewohnt, den bodenständigeren, charaktervolleren Vocals Walthers nicht gewachsen war. Das mag auch an einer extrem ungleich verteilten Bühnenpräsenz gelegen haben, die einen der beiden winzigen Makel des Konzerts darstellte. Während Gudrun Walthers strahlendes Lachen fast automatisch das Zentrum der Bühnenshow gab, saß Sandra Steinort mit dem Rücken zum Publikum am Flügel und verströmte damit einen Hauch von Abwesenheit. Der zweite Wermutstropfen: Man hätte sich den charismatischen Rolf Wagels an die bodhrán gewünscht, der nur mit einem Jig („The arm in the cow“) imaginär auftauchte.

Wer aber ganz dem Genuss verfallen war, der hatte ohnedies die Augen geschlossen – eine Grundhaltung, die sich im Saal mehrfach beobachten ließ.


Dann wirkte nur noch die so ideenreiche, phantasievolle und emotionale Musik der aus der Esslinger Region stammenden Band – und ihr Versprechen erfüllte sich einmal mehr: „A new breeze in irish music“.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.cara-music.com.

 

 

 
 

©:www.cara-music.com