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Erschienen
Lisa Fitz verliert ihr Publikum
04/2010
Bereits ihr letzter Auftritt in Hockenheim war für die langjährigen Freunde der Kabarett-Kultur ein Schlag ins Gesicht: Ende 2005 bekam der einst so kristallene Pokal der Kabarett-Queen Lisa Fitz derbe Macken, als die blonde Niederbayerin mit Schweizer Ursprüngen in ihrem Programm „Begnadete Dummheit“ nicht einmal annähernd an die großen Zeiten ihrer Bühnenpräsenz anschließen konnte. Was Fitz am vergangenen Freitag Abend in der Stadthalle bot, war der Beweis für die fortdauernde Erosion einstigen Genius. Mit ihrem neuen Programm „Super Plus! Tanken und Beten“ verharrte die einst so energische Frontfigur der Szene, die 1981 als erste Frau mit eigenem Soloprogramm aufwartete, in einer unausgegorenen, kalauernden Niederung, die für die einstige Kabarett-Diva in etwa so unpassend war, wie „seinerzeit“ ihr peinlicher Kampf mit Costa Cordalis um die Krone des „Dschungelcamps“.

Das Publikum schien es geahnt zu haben – der überwiegende Teil der Stuhlreihen blieb unbenutzt, als die 58-jährige zu ihrem etwas zusammengestückelt wirkenden Rundumschlag gegen Politik, Globalisierung und Finanzamt ausholte: Der Frau, die einst Publikumsliebling war und mit Fug und Recht mit den Großen der Kabarett-Szene in einem Atemzug genannt wurde, laufen die Zuhörer davon. Und sie tun es, weil es an diesem Abend kaum noch etwas gab, das des Zuhörens würdig gewesen wäre.

Zu den wenigen Highlights, die vom durchaus höflichen Publikum mit fast schon an Begeisterung grenzender Freundlichkeit aufgenommen wurden, gehörte Fitz Abhandlung über die „Angst-Laolas“, die in schöner Regelmäßigkeit unser Land überrollten und die Dreistigkeit, mit der wir „beschissen“ werden – „viel professioneller, als in den Ländern, denen wir das so gern vorwerfen“. Da blitzte sie auf, die alte Fitz. Wenn sie gegen die unsozialen Wirtschaftspossen des thematisch allerdings schon deutlich über dem Verfallsdatum liegenden „Outsourcing“ wettert und feststellt, wer da nicht mitmache, sei „entweder blöd oder anständig. Aber das ist ja heutzutage das selbe“. Die Frau mit der spitzen Zunge und dem schmerzhaft scharfen Verstand wurde wach, als sie resümierte, „natürlich denkt jeder, er hätte eine Meinung – aber woher?“ In diesen wenigen Momenten war es fast wie früher. Da rüttelte sie auf, da analysierte sie das Problem des Deutschen genial: „Er protestiert schon, aber mehr so innerlich“. Und die richtige Antwort auf all die Fragen fand sie ebenfalls: „Bin ich im Irrenhaus? Ich denke langsam, das wäre eine echte Alternative!“

Hörenswert die eingestreuten Lieder: Das im Gewand des Mieke-Telkamp-Schlagers daherkommende „Blumen aus Ecuador“, die Liebeserklärung „München forever“ oder das wirklich berührende „Armut hat viele Gesichter“ – mit ihren Liedern knüpfte sie an alte Erfolge an, als sie 1990 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte „Lied“ erhielt. Und ihre Gitarre – geziert von einer Ansicht Florenz – war letztlich das Bunteste des Abends.

Dazwischen aber plätscherte es seicht, durchaus unterhaltsam aber keineswegs ernstzunehmend mit Rotlicht-Einsichten und altbekannten Beispielen aus der Bürokratiehölle, mit Larifari-Plattitüden nach dem Motto „Was dem Mann sein Bier, ist der Frau ihr Schuh“ und moralinschwangeren Tiraden gegen den Vatikan.


Als Lisa Fitz nach zwei Stunden Programm mit einem „Du bist Deutschland – also wehr Dich“ abging, hinterließ sie den schalen Geschmack davon, dass eine großartige Zeit ganz offenbar vorbei und ein großer Geist offenbar erloschen ist: Irgendwo zwischen „Frau mit Herz“ und „Frau ohne Hirn“.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.lisa-fitz.de.

 

 

 
 

©:www.lisa-fitz.de