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Erschienen
Vano Bamberger überrascht und begeistert
05/2010
Er hätte Anfang diesen Jahres seinen hundertsten Geburtstag gefeiert: Jean „Django“ Reinhardt, ohne Frage der größte europäische Jazz-Gitarrist seiner Zeit und der geniale Begründer eines ganzen Musikstils, der New-Orleans-Jazz, französischen Musette und traditionelle Romamusik zu Gypsy Jazz kreutze, hätte sicherlich auch in den fast siebenundfünfzig Jahren, die seit seinem frühen Tod vergangen sind, noch einiges Geniales auf die Hörer losgelassen.

Dennoch kam keinerlei Melancholie oder Trauer auf, als am vergangenen Freitag Abend der Gypsy-Jazzer Vano Bamberger mit seiner Band im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ zu Ehren des großen Vorbildes einen Abend Musik deutscher Sinti präsentierte.

Die Formation, die erst seit dem Frühjahr 2008 zusammen unterwegs ist, erstaunt neben einer ganz individuelle Meisterschaft der einzelnen Musiker vor allem durch ein perfektes, in einem Höchstmaß präzises und natürlich homogenes Zusammenspiel, das einen kompakten, unzerfaserten Klang bringt.

Der Grundbass, bietet gediegen und verlässlich, dabei aber auch verschmitzt und kreativ in den Händen von Kontrabassistin Lindy Huppertsberg, die vom amerikanischen Jazz-Bassisten Ray Brown zur „Lady Bass“ geadelt wurde, eine Basis, auf der sauber ein oder zwei Schlaggitarren als Rhythmuselement und Akkord-Grundgerüst aufsetzen, um Beat und Harmonie beizusteuern, für die hauptsächlich Terrangi Bamberger, der Bruder des Bandleaders, zuständig ist.

Dieser grundständige und, verlässliche Grundton vermittelt ein Gefühl von variiert nur leicht, wird aber dennoch nie langweilig, ist er doch durchwirkt von phantasievollen Akzenten und teilweise halsbrecherischen Läufen, die immer wieder aufmerken lassen und das Publikum zu massig Zwischenbeifall animieren.

Vano Bamberger lebt sich expressiv, mal zart lockend, dann fast unerbittlich fordernd, an seiner Gitarre aus, was völlig entspannt aussieht, aber in grandioser Virtuosität stets aufs Neue begeistert. Ab und an tritt Bamberger aber auch selbst ins Glied zurück, um einem anderen Bandmitglied zum Solo Platz zu machen. Entweder greift dann sein Sohn Donani Bamberger in die Seiten, der in seiner technischen Perfektion dem Vater in nichts nachsteht, der vor allem aber durch eine deutlich frechere, expansive Interpretation begeistert und mit seinen zwanzig Jahren bereits als Stern an einem Musikhimmel aufgeht. Oder der zartfühlende Klarinettist Jerry Senfluk nimmt die Themen in neuer Farbe auf, interpretiert sie, belebt sie auf seine ganz eigene, sehr charakteristische Weise. Ab und an tritt auch „Lady Bass“ ins Zentrum und gibt dem ganzen einen humorvollen Schubs in eine völlig andere Richtung.

Das erzeugt diese spannende Mischung aus verlässlichem Rhythmus, der oft minutenland keinerlei Verändeurng erfährt, und explosiver, akzentschwangerer und völlig entfesselter freier Interpretation – vertraut und doch grundlegend neu und völlig unerwartet.


Vano Bamberger präsentiert mit seiner Truppe Musik in Reinform: Kaum eine Ansage lenkte vom Genuss ab, der Augenmerk sollte nicht auf dem Programm, das einige Werke Reinhardts mit Eigenkompositionen vereinte, sondern auf der Musik selbst liegen.

Und das tat es: Es erstaunte, es überraschte und immer begeisterte es.