2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Bühler erfreut mit Kantatenkonzert
05/2010
„Ein feste Burg ist unser Gott“ – mit dem Titelchoral der Kantate BWV 80 eröffnete die Hockenheimer Chorgemeinschaft aus Evangelischem Kirchenchor und Frauenchor „Vox Coelestis“ einen Musikabend mit Werken zur Passionszeit des wohl bekanntesten Kirchenmusikers des Barock, Johann Sebastian Bach. In einem etwas über einstündigen Programm gab man in der Evangelischen Stadtkirche unter der Leitung des Kantors Christian Bühler gemeinsam mit Solisten daneben das Oboenkonzert g-Moll (nach BWV 1056), den ersten Teil der Johannes-Passion (BWV 245) und zum Abschluss die Kantate „Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem“ (BWV 159) – ein stimmiger, gut komponierter Ablauf, der Spannung aufbauen und gleichzeitig eine Art Gottesdienst zelebrieren konnte.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt dabei war der fast 50 Stimmen starke Chor: Vom wuchtigen, bestimmten, lebensfrohen Einstieg in das anspruchsvolle Programm bis hin zum wunderbar anschmiegsamen Abschlusschoral zeigte sich der Chor kraftvoll und unbeirrbar. Besonderen Liebreiz entfaltete er aber ohne Frage in den vier kurzen Chorälen der Johannes-Passion: Sonst vor allem im vehementen Tutti zuhause, in dem die Männerstimmen dann bisweilen auch einzeln etwas sehr in den Vordergrund zu treten neigten, nahmen sich hier die Stimmen insgesamt zurück und zeigten sich so noch homogener und emotionaler – hingebungsvoll und besonders beteiligt beispielsweise der bekannteste Choral des Abends „Wer hat dich so geschlagen“. Einziger Wermutstropfen dabei: Die Lesung von Pfarrer Stefan Scholpp kam – insbesondere im Kontrast zum eben gerade besonders feinfühligen Chor – über die Mikrofonanlage hart und kalt; diese hätte man sich doch „unplugged“ gewünscht.

Gewohnt einfühlsam und präzise, mit großer Gabe zum musikalisch umgesetzten Gefühl und charaktervoller Akzentstärke präsentierte sich das Heidelberger Kantatenorchester mit Konzertmeisterin Jeanette Pitkevica. Die Musiker zogen sich trotz ihrer grundständigen Bescheidenheit nicht auf das Begleiten allein zurück, sondern setzten beherzt und selbstbewusst Glanzpunkte. So trugen Pitkevica und die Oboistin Diana Bauer Zartfühlendes zum Duett „Wie selig sind doch die“ bei oder Gisela Köllenberger am Violoncello in mehreren Passagen eine fast verschwörerische Zwiesprache mit Detlev Helmer am Cembalo.

Ein grandioses Oboenkonzert gab Shogo Fujii; einen guten Ansatz und hervorragende Technik darf bei einem Schuler Thomas Indermühlens vorausgesetzt werden, die grandiosen Läufe, einer ausgefeilten Atemtechnik und dem unbedingten Willen, jedem Ton einen ganz eigenen Wert und Charakter mitzugeben, dagegen begeisterten durchweg.

Gleiches lässt sich für die Altistin Regina Grönegreß und den Tenor Christian Goebelt sagen, die solistisch überzeugten, musikalisch fesselten und emotional berührten. Grönegreß verfügt über einen weichen, sehr reinen Alt, dem die Dramatik ebenso liegt, wie die leichtfüßig genommenen Läufe: Trotz ihrem Hang zur klassischen Aufführungspraxis sehr gegenwärtig, sehr nahbar und sehr authentisch. Das Hockenheimer Eigengewächs Christian Göbelt pflegt einen kultivierten, schlanken und äußerst schmeichelnden Tenor, der biegbar und federleicht, gleichzeitig aber außerordentlich ausdrucksstark daherkommt. Gerade im Duett mit Grönegreß „Wie selig sind doch die“ verschmolzen die beiden Stimmen völlig zu einem beeindruckenden Gesamtklang, der die gepriesene Seligkeit seinerseits aufzunehmen und zu spenden vermochte. Etwas schwächer im Vergleich Bass Lutz Wiedmann, der mit einem angenehmen Organ und einer besonderen Liebe zum Detail gefallen konnte und die Sopranistin Christiane Kreis, die alles in allem ein wenig zurückhaltend auftrat und so blass wirkte.


Mit diesem Konzert vermittelten Bühler und seine musikalischen Weggefährten ihrem Publikum geistigen und geistlichen Genuss und damit ein Paradox: „Jesu, deine Passion ist mir lauter Freude“.