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Erschienen
Badeys Selbstanalyse ist eher Pech
05/2010
„Was ist die Mehrzahl von Traum?“ – „Trauma!“ ein solches bescherte die im Ruhrpott geborene, in Hamburg an der Schauspielschule geformte und Anfang der 1990er an der Berliner „Distel“ gestählte Kabarettistin Andrea Badey Mitte April vor einem wirklich kläglichen Publikum. Und sie tat es in einer umfassenden Pathologie, dass man nach dem knapp zweistündigen Programm konstatieren musste, es könnte bisweilen besser sein, extrem schlecht verkaufte Abende einfach abzusagen.

Man hat es nicht getan und so konnte die dralle Lebefrau ihr Programm „Zwischen Tanga und Treppenlift“, das sie bereits Ende vorvergangenen Jahres in einer Probefassung als Weihnachtsspezial in den heil‘gen Kulturhallen präsentieren konnte, nun in der Langversion auf ihre Zuhörer ablassen.

Niveaumäßig irgendwo zwischen Kneipengesäusel, VHS-Abend und sanitären Anlagen verortet, begab sich die Oberhausenerin auf eine Art kathartischen Seelentrip in die eigene Vergangenheit mit zahllosen Durchbrüchen aus der Gegenwart – es war nicht immer einfach, ihr dabei halbwegs zu folgen und bisweilen wäre es besser und vor allem ehrlicher gewesen, sie hätte sich für ihre Ausführungen gleich auf eine Couch gelegt.

Neben ihr selbst waren diesmal nur zwei weitere Figuren aus ihrem unerschöpflichen Potential mit auf der Bühne: Die ohne Unterlass kluge Weisheiten abseiernde polnischstämmige Freundin Bonny M. und Badeys Vater. Der weltenbummelnde „Zigeuner“ nahm einen Hauptteil ihres Programms ein – gefühlt fast alles. Wenn er nicht selbst in Erscheinung trat, dann sprach die Badey ununterbrochen von ihm und dem, was dessen Leben sie angeblich lehrte – in einer Art kontrapunktischer Gegenüberstellung.

Überhaupt konnte das durchaus rassige Energiebündel kaum Tritt fassen – eine Schwäche, die man von der Powerfrau kaum kennt und die allenfalls dem enttäuschenden Zuschauerzuspruch geschuldet sein kann.

Denn dass es in ihr nach wie vor funkt, das machten einige wirklich geniale Pointen deutlich, die sie – leider allzu spärlich – verstreut hatte. Wenn sie sinniert, dass sie „immer nur welchen nachgerannt ist, die langsamer waren als ich“, wenn sie konstatiert, „wenn man Persönlichkeit hat, dann hat man den Salat“ oder wenn sie analysiert, dass sie gerne in Bars geht, „wenn ich allein sein will mit mir, ohne allein zu sein“.

Dann ist sie wieder da, die Andrea Badey, die man kannte.

Leider verheddert sie sich dazwischen allzusehr in ihrem verbalen Familiendrama und in dem nun wirklich allzu ausgelutschten Thema „Alter“. Kein Mensch kann über Sprüche vom Format „Seit Monaten sitze ich mehr beim Arzt, als auf dem Schoß einer leckeren männlichen Sahneschnitte“ heute noch lachen. Eigentlich konnte man das schon vor zehn Jahren kaum noch mit gutem Gewissen – warum also wiederkäuen?

Lichtblicke dagegen wären Badeys nun wieder häufigerne musikalischen Beiträge – wenn sie nicht auch da, wo sie mit einer warm-rauchigen Stimme durchaus punkten könnte, immer wieder in ihr so unpassendes Klamauk-Ding abgleiten würde; das ist punktuell durchaus witzig, wenn aber das Grimassieren und das Überhöhen derart ausufert, besteht die Gefahr, dass es letztlich nur noch nervt.


So verwandelte sich ein als Witz gemeintes Bonmont nach dem eher verhaltenen Schlussapplaus in eine Ohrfeige sowohl für Publikum, als auch für Künstlerin: „Sie haben wirklich Pech – das Stück ist noch gar nicht zu Ende“.

 

 

 
 

©:www.andrea-badey.de