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Erschienen
Beeindruckender schwarzer Messias begeistert
05/2010
Georg Friedrich Händels Oratorium „Messias“ stammt aus dem Jahr 1741 und gehört dennoch bis heute zu den bekanntesten Werken der klassisch-geistlichen Musik. Kein Wunder, dass der Stoff immer wieder aufgenommen und neu interpretiert wird.

Ein Beispiel dafür präsentierten Mitte April der „Celebration Gospel Choir“ und dessen Band in der Hockenheimer Evangelischen Stadtkirche.

Vor einem durchaus beachtlichen, vor allem aber völlig entfesselten Publikum gaben die 36 Sänger und sechs Instrumentalisten um die Chorleiterin Anne Westrich eine wiederum eigene Variante der 1993 erschienenen Black-Music-Transkription des „Messias“, für die der amerikanische Komponist und Songschreiber Mervyn Warren mit einem Grammy ausgezeichnet wurde – eine von Joe Völker, in der hiesigen Gospel-Szene ein klangvoller Name, arrangierte Übersetzung des barocken Werks in afro-amerikanischem Stil.

Dass hinter dem „Celebration Gospel Choir“ (CGC) der ansonsten fast bieder auftretende, über 100 Jahre alte Gesangsverein Sängerkreis 1906 Mannheim-Wallstadt steht, mag man kaum glauben, wenn man die Sänger aller Altersgruppen ganz in weiß gewandet und mit einem strahlenden Enthusiasmus ausgestattet singen hört: Ein glockenheller Sopran, gediegene Männerstimmen, ein durchzugsstarker Alt und ein vor Energie und Sangesfreude fast zerberstendes Tutti garantierten wortwörtlich „be-geisternde“ Interpretationen.Dass aus seinen Reihen auch Xavier Naidoo entstammt, mag angesichts der Leistungen des Chores allenfalls noch ergänzen, kaum überraschen.

Natürlich ist auch der CGC ein hörbar europäisches Ensemble, aber weder Chor noch Orchester leiden unter den typischen Schwächen ähnlich ausgerichteter Gruppen – ganz im Gegensatz wartet man mit einem hervorragenden Englisch, feinstem Rhythmusgefühl und gehörigem Swing auf und schafft so eine eigenständige, charakterstarke Variation. Zahlreiche Besucher waren derart angetan, dass sie spontan mitsangen.

Was gar nicht so einfach war: Der „Soul Messias“ behandelt nämlich gerade keine „Gospel-Gassenhauer“, sondern nimmt Versatzstücke aus der barocken Vorlage, um sie mit den Stilmitteln des Soul, Jazz und Gospel neu zu vermitteln. So entstand ein immer irgendwie vertraut und bekannt wirkendes, dennoch völlig neues und zu jedem Zeitpunkt ausgesprochen spannendes Musikerlebnis.

Die Combo um Völker tat das ihrige dazu: Stimmungsvoll und auf absolutem Gänsehaut-Kurs intonierten die Musiker, wobei besonders die Saxophon-Soli Peter Kleins und die gewitzt-spielerischen Schlagwerk-Eskapaden der Brasilianerin Cris Gavazzoni begeisterten. Tontechnisch – der einzige Wermutstropfen des Abends – war die Combo insgesamt zu prominent und trotz 16 im Chor verteilter Mikros übertünchte sie die Stimmen bisweilen.

Im Zentrum des Jubels trotzdem der Chor mit seinen Solisten: Ob in halsbrecherischen wilden Wechseln zwischen den Stimmen, die enorme Dynamik entfalten konnten, oder in sanft-zärtlichen, gläsern fragil wirkenden Passagen, der CGC hatte stets den richtigen Ton und die rechte Stimmung. Und Anne Westrich die Sache auf fast ausgelassene Weise im Griff.

Star des Abends war aber ohne jede Frage die Solistin Eva-Maria Best. Sie konnte nicht nur mit einer geradlinigen, völlig natürlich berührenden und ausdrucksstarken Stimme betören, sie ist auch sinnbildlich für das, was den besonderen Reiz gerade dieses Chores ausmacht: Da greift sich eine auf den ersten Blick fast unscheinbare Lady – im Alltag Inhaberin der „Wollstube Gisela“ - das Mikrofon und beeindruckt mit ihrer Stimme alle.


Mit diesem Konzert überzeugte der „Celebration Gospel Choir“ nicht nur – er berührte, er beseelte und er machte Lust auf mehr – zu haben am 24.04. in Schriesheim beim Social-Event „people get ready“ oder am 11.11. beim Internationalen Gospelkirchentag in Karlsruhe.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.celebration-choir.de.

 

 

 
 

©:www.celebration-choir.de