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Erschienen
Christiane Weber bringt Tornados nach Honolulu
12/2010
„Wär mein Herz ein VW-Käfer, wärn die Beulen, die es mittlerweile hat, ziemlich egal“ – mit Gänsehaut pur und doch in einer extravagant-ausgelassenen Stimmung feierteMitte November das Hockenheimer „Pumpwerk“ eine Wiederentdeckung – oder sollte man besser sagen: Eine Heimkehr?

Die aus Essen stammende Sängerin, Musikkabarettistin und Texterin Christiane Weber war bereits zwei Mal zu Gast in Hockenheim – damals noch mit ihrem kongenialen Widerpart Timm Beckmann. Von dem hat sie sich jüngst getrennt – ein Zustand der nur konsequent mit ihrem Repertoire in Einklang steht. Entsprechend gespannt war das Publikum, das angesichts zahlreicher „Konkurrenzveranstaltungen“ (beispielsweise Dieter Nuhr im „Harres“, die „Kleien Tierschau“ in der Stadthalle, die drei reizvollen „Eva’s Schwestern“ in der „Wollfabrik) mengenmäßig unüblich dünn ausfiel.

Es brauchte aber nur wenige Töne, nur drei vier Sätze, und da war es wieder, das altbekannte „Weber-Feelig“, diese eigentümliche Mischung aus Melancholie, Verlustgefühlen, Generationspessimismus - und unbändiger Freude.

An Klavier wird „die Weber“ inzwischen von einem weiteren hochkarätigen Musiker begleitet: Burkhard Niggemeier, der auch am Thalia-Theater oder bei den Salzburger Festspielen mitwirkt, findet leichtfüßig und sanft seinen ganz eigenen Zugang zu ihrem Oeuvre, das durch seine Begleitung noch einen Hauch liebevolle rund gefühlsbetonter wird.

Aber natürlich ist auch dies wie immer: Die Weber steht ganz und gar im Mittelpunkt ihres neuen Programms. Mit dem „Honolulu-Prinzip“ widmet sich die Frau, die tatsächlich mit Herz sing, was sie zuvor mit Hirn textet, erneut den Abgründen unserer Zeit: Ein Handy-Babel im „ICE“, ein Reißer über das Leben, wies als „Kanalratte“ wär („Ich hätt auf jeden Fall ein dickes Fell, aber Zweifel hätt ich keine - nur vier kurze krumme Beine“) oder eine letztlich recht blutrünstige Hymne auf den Archetyp der modern-esoterisch-bio-bewussten Frau („Inken, Inken, man kann auch trotz Kristalldeo stinken“).

Zu diesen teilweise wirklich totkomischen Titeln gesellten sich wie gehabt eine Menge der tiefgründigen, herzzerreißenden, einfühlsamen, vor Emotionen überschäumenden Lieder, für die Fans Christiane Weber gleichermaßen lieben. „Manchmal tut mir das Herz so weh, es fühlt sich seltsam an, dass ich mich selbst nicht mehr versteh“ – „Wohin“ führt wohl der Weg „Schritt für Schritt raus aus der Traurigkeit“? vielleicht wäre der Abend am besten mit dem melancholisch-fröhlichen „Es geht mir so Lala“ am besten überschrieben: „Ich mach mein Herz weit auf, und ich verlass mich drauf, dass es gelernt hat, zu verstehn“.

Es ist diese unverwechselbare Mischung, die Christiane Weber ausmacht: Texte, die zu Herzen gehen und die Seele berühren, Musik, die mitnimmt und einhüllt und vor allem diese unbegreiflich, unbeschreiblich charakteristische Stimme der attraktiven Blonden, die direkt ins Innerste ihrer Zuhörer vordringt, ohne dabei zu verletzen.

Ihre musikalische Größe und die scharfsinnigen Texte, die stets auch eine unerwartete Wendung offerieren, verbinden sich zu einer rührenden Melange: „Es gibt viel zu viele Altpapiercontainer, es schreibt doch heutzutage keiner Liebesbriefe mehr“ beginnt sie tieftraurig, um dann klarzustellen, dass „auch die Rama-Familie“ mal eine Krise hat und fast fröhlich zu intonieren „Spring lieber nicht“.


Christiane Weber hat in Hockenheim einmal mehr einen perfekten Musikabend abgeliefert, der durchwirkt war von intellektueller Größe: „Dass man sich im Kreis dreht, heißt nicht, dass man sich nicht bewegt“ ist ihre Botschaft und letztlich: „Wenn man drinnen genug Honolulu ist, dann sind Tornados von außen ohnedies Verhandlungssache“.





Weitere Informationen im Internet unter www.christianeweber.com.

 

 

 
 

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