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Erschienen
Publikum gibt „Eintracht“ Ansporn auf ein Neues
01/2011
Sakraler Rahmen und sowohl heilige, als auch weltliche Sangesfreude trafen zusammen, als Mitte Dezember der Männergesangsverein MGV 1924 Eintracht in der Hockenheimer Stadtkirche ein Weihnachtskonzert ablieferte, das programmatisch punkten und musikalisch begeistern konnte.

Musikdirektor FDB Franz Josef Siegel hatte spirituelles Liedgut aus ganz unterschiedlichen Genres zusammengestellt und auf geschickte Weise miteinander verschränkt und verklammert: Zur „Einstimmung“ gab es mit „Sancta Maria“ des damaligen Freiburger Domkapellmeisters Johannes Schweitzer bereits als Opener ein Werk mit Gänsehaut-Garantie – Der leise, vollharmonische Satz mit den weit gestreckten dynamischen Bögen fesselte vom ersten Ton in der stimmungsvoll beleuchteten (oder besser: verdunkelten) Kirche. Dabei hatten die 30 Sänger der Eintracht keinerlei Problem, das Schiff auch im zartesten Pianissimo wohlig und sicher auszufüllen.

Überhaupt hat sich bereits in der Vergangenheit, mehr noch aber mit diesem Konzert gezeigt, dass es die sanften, die lockenden, die liebevollen, die weichen Töne sind, mit denen der Männerchor um Siegel am meisten beeindrucken und punkten kann. So interpretierten sie Dmitri Bortnjanskis generell schon äußerst getragene große Melodie zu Gerhard Tersteegens Text „Ich bete an die Macht der Liebe“, die sowohl ins Kirchengesangbuch, als auch in den „Großen Zapfenstreich“ Einzug gehalten hat, in einem siegel’schen Arrangement in einer fast schon zärtlichen Interpretation, sehr nah am Text und mit maximaler Ausdruckskraft.

Tenor Otto Burkhardt gab mit dem Chor zusammen eine höchst spannende, unerwartet dramatische Version des Gospel „Swing low“, die mit Rhythmus und Dynamik gleichermaßen spielte und die der Chor, der trotz Solo klar im Zentrum stand, ganz und gar aufgenommen hatte.

Vom Liederkranz Schriesheim war der dortige Chorleiter Kurt Arras herübergekommen, um die Sangesbrüder in der Rennstadt als Solist zu unterstützen. Dazu trug er einen gepflegten, ebenmäßigen, schlicht-natürlichen Tenor bei, der mit ganz offensichtlichem Glanz und einer faszinierenden Höhe überzeugte und sich perfekt in das Chorumfeld einpasste. Wenngleich Arras vielleicht nicht mit der unerreichbaren „My Way“-Interpretation des großen Sinatra mithalten konnte, so gab er doch ein sehr eigenständiges, charaktervolles „Ave Maria“, was ebenfalls durch die weite Verbreitung des Bach/Gounod-Klassikers an eine Unmöglichkeit grenzt, und ein leicht-beseeltes „Jahreszeit“ (Siegel).

Das Konzert in der gut besuchten Stadtkirche präsentierte einen Chor, an dem die Jahre ohne Zweifel nicht spurlos vorübergegangen sind: Nicht mehr ganz so zahlreich stehen sie zusammen, nicht mehr ganz so kraftvoll sind die Auftritte. Aber sie bleiben eine wunderbare, berührende, ergreifende Mischung aus Freude am Singen, die von den Männern selbst genossen werden kann und Freude am Hören, die sie nach wie vor und völlig ungebrochen ihren Zuhörern schenken.

Entsprechend toste eine wahre Brandung von Applaus, als man vor dem offiziellen Schlusslied, bei dem man mit den Zuhörern zusammen mit „O du fröhliche“ der Weihnacht freie Bahn ließ, die geheime Hymne der Eintracht zum Besten gab: Stephen Adams und Fritz Ihlaus „Jerusalem“, das keiner so bombastisch, so authentisch, so ergreifend, so mitreißend gibt, wie der Eintracht-Vorzeige-Bass Günter Stalter, der bereits mit anderen Partien vorher glänzen, mit dieser, „seiner“ Partie aber ungebremst begeistern konnte.


Der tosende Applaus soll zweierlei sein: Gütesiegel für dieses Konzert und – trotz bisweilen widriger Umstände - Ansporn auf ein Neues.