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Erschienen
Serenadenabend zwischen Kittelschurz und Federboa
07/2010
Ob der Sieg der Loew-Elf über Argentinien, die tropischen Temperaturen oder das zeitgleich stattfindende Wasserturm-Fest einen größeren Einfluss hatten, wird sich nie klären lassen. Tatsache ist, dass erstmals nicht alle Plätze besetzt waren, alsAnfang Juli der Verein für Heimatgeschichte zum „Serenadenabend“ lud: Die Erfolgsgeschichte dieser Konzertreihe kennt nur herausragende Abends-Ständchen, die jeweils viel Zuspruch und Beifall fanden.

Am Applaus zumindest mangelte es auch diesmal nicht, als erstmals Lieder das sonst rein instrumentale Programm unterbrachen: „Nimm Dich in Acht vor blonden Frau’n“ war der kleine Streifzug durch Chasons und Gassenhauer zwischen Friedrich Hollaenders „Kinder, heut‘ abend“ und Michael Jarys „Waldemar“ betitelt – ein Motto, das angesichts der witzig-hemdsärmligen Bühnenshow vor allem der Sopranistin Gabriele Danhausen-Klicks kaum Anlass zur Besorgnis geben konnte. Zusammen – oder besser: In steter Diskussion – mit ihrer Pianistin Elke Burger-von Stein arbeitete sie sich über „Nachtlieder“ wie Peter Kreuders Hymne „Für eine Nacht voller Seligkeit“ und die im Trenchcoat vorgetragenen und vor allem gespielten „Kriminal-Lieder“ vom Schlage „Die Männer sind alle Verbrecher“ über die „Kittel-Lieder“ („Benjamin, ich hab‘ nichts anzuziehn“) bis zu den „Männer-Liedern“: Neben „Waldemar“ war auch Robert Gilberts „Sigismund“ aus dem „Weißen Rössl“ mit von der Partie, bevor Danhausen-Klick und Burger-von Stein mit Hollaender auch noch den Titelsong gaben.

Das Konzert lebte aus der perfekten Atmosphäre, die der Museumsinnenhof bot und die den regelmäßigen Besucher immer wieder darum bitten lässt, hier doch mehr Konzerte durchzuführen; dann aus der durchaus passablen musikalischen Leistung der beiden Protagonistinnen; vor allem aber aus deren unglaublich spritzigen Show: Da diskutieren die beiden, ob die ganzen Lieder nicht nur „Kitsch“ sind und Elke Burger-von Stein kläfft von hinter den Tasten ihrer großen Diva vor dem Klavier ordentlich rein.

Gemeinsam boten die beiden Damen einen augenzwinkernd lebenslustigen, immer spannenden und punktuell gar nachdenklich-zärtlichen Abend voll bekannter Melodien und gesanglicher Bonmonts, in denen dann auch Gerhard Schröder und Dieter Bohlen ihren Platz finden können.

Besonders bezaubern konnten die selten gegebenen Kleinodien: Hugo Wieners Schelmenstücke „Ich kann den Novotny nicht leiden“ und „Der Nowak lässt mich nicht verkommen“ ebenso, wie Harry Waldaus frivoler „Mord in der Villa Marcuse“.


Nach rund zwei Stunden Musik irgendwo zwischen Kittelschurz und Federboa blieb dem rundheraus begeisterten Auditorium vor allem eines: Die Hoffnung, dass die „Abkündigung“ der beiden Damen Wirklichkeit wird - „Wir kommen wieder“.