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Erschienen
„Orgelmaus“ lässt Kinder wissbegierig staunen
07/2010
Ordentlich zu Staunen gabs am vergangenen Sonntag Nachmittag in der Hockenheimer Stadtkirche für Jung und Alt: Zusammen mit der „Orgelmaus“ Mimi (Irina Trümper) haben sich rund ein Dutzend Kinder und etwa halb so viele Erwachsene von Schwetzingens Organist und Bezirkskantor Detlev Helmer die Mysterien der Kirchenorgel am konkreten Beispiel erklären lassen – nicht staubtrocken, wie die Theorie gerne zu sein pflegt, sondern in einem flotten, kurzweiligen und dabei sogar richtig guten „Gesprächskonzert“ – was zum Hören und zum Anfassen zugleich.

Und sind wir mal ehrlich: Wer hätte schon ernsthaft gewusst, dass das Hockenheimer Instrument auf 2918 Pfeifen bläst – was noch gar nichts ist im Vergleich zur größten deutschen Orgel im Passauer Stephansdom, die fast 18.000 Pfeifen vereint. Auch mit ihren rund 30 Jahren Alter ist die Hockenheimer Eule-Orgel ein echter Youngster – eine der ältesten, „akkustisch“ wohl die älteste noch spielbare Orgel der Welt steht in der Kirche St. Andreas im Westfälischen Ostönnen – und zwar schon fast 600 Jahre.

Helmer verstand es aufs Beste, die ganze Theorie zwischen Klangspektren, Blasebälgen und Materialzusammensetzungen behutsam zu verpacken in zahllose praktische Beispiele, die mit ihrem Grummeln, Fiepen, Schnarren und Klingen bisweilen mehr erklärten, als viele Worte es gekonnt hätten. Hockenheims Organist Christian M. Bühler, der ebenfalls dabei war und zum Abschluss sogar eine Führung direkt durch die Innereien der Orgel anbot, hatte einige Pfeifen ausgebaut – und man versteht doch gleich viel besser, wie alles funktioniert, wenn man mal selbst eine solche geblasen hat.

Dazwischen streute Helmer Feierliches und Schmissiges, die berühmte d-moll-Toccata Bachs ebenso, wie Mendelssohn-Bartholdys „Hochzeitsmarsch“ oder das als „Eurovisions-Fanfare“ bekannte Preludium aus Marc-Antoine Charpentiers „Te Deum“. Sogar die Titelmelodien der „Sendung mit der Maus“ oder der „Muppet-Show“ waren auf dem großen Instrument ein echter Hinhörer – und für die Kinder natürlich auch ein riesen Spaß. Dazu die gewitzten Fragen der kleinen Mausehandpuppe Mimi – es dauerte nicht lange, da drängten sich alle Kinder wissbegierig um Helmers Spieltisch, um auch ja nichts zu verpassen.


So sieht perfekte Wissensvermittlung aus: Anregend für Hirn, Herz und Ohr. Schade nur, dass die Orgelmaus fürs erste Ihren Dienst eingestellt hat – aber wer weiß, vielleicht findet sich bald in der nächsten Kirche der Region ein verwandter Nager, der dann dort erklärt, was es mit dem Ding zwischen Manualen und Pedalen auf sich hat.















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