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Erschienen
Stefanie Riecker bringt Poesie und Begeisterungsmomente nach Neulußheim
04/2011
„Und meiner Seele Flügel“ heißt die CD, die sie 2009 zusammen mit Mathias Grosch, der sonst gerne mit Xavier Naidoo produziert oder flugs eine neue Stadthymne für Mannheim schreibt, bei BSCmusic herausgegeben hat: Die in Hamburg geborene, heute in Weinheim lebende Song-Poetin Stefanie Riecker hat nach Ausflügen in sehr unterschiedliche Musikgenre inzwischen eine sanfte, nachdenklich-berührende, tatsächlich ausgesprochen dichterische Ausdrucksweise in Wort und Ton zu ihrer Heimat gemacht. Ende März gab die Mitt-Vierzigerin im Neulußheimer Kulturzentrum „Alter Bahnhof“ unter dem Motto „Ach Du liebes Lied“ neben einigen Beispielen aus ihrem langen Musikerleben vor allem Geschmacksproben ihrer CD – zehn Titel, die der Silberscheibe zusätzlichen Glanz verleihen, irgendwo zwischen schlitzohrigem Lachen und tiefbewegtem Grübeln.

Entsprechend fiel auch der Abend aus: Während sie „Und meiner Seele Flügel“ selbst mit hochkarätigen und vor allem bekannten Musikern besetzte (darunter der Drummer von Edo Zanki und mit Dominik Krämer der Bassist der Stefan-Raab-TV-total-Band „Heavytones“), begnügte sie sich bei ihrem Auftritt in der Vier-Sterne-Gemeinde mit Hochkarätigem am Keyboard, wo Jürgen Rutz in die Tasten griff, und Elektronischem an den Drums – weil der RX120 „der einzige Schlagzeuger ist, der es länger mit mir aushält“.

Außer ein paar lustigen Fehleinstellungen tat es dem Abend keinen Abbruch. Der brachte neben einigen augenzwinkernden Liedern aus der Sparte „Humor“ - so das an den guten alten Reggae angelehnte „Das macht Spaß, wenn man wieder gar nichts passt“, das frivol-bewegte „Schaumbad“ oder das „Hippie-Lied“, der musikgewordene Protest gegen alles, was man „wissen und haben muss“ – vor allem zahllose Perlen ästhetisch verarbeiteter Gedankenblitze.

Wunderschöne Melodien, die immer irgendwo aufgelöst sind zwischen Chanson, Pop und Rock, die aber punktuell – ausgerechnet beim Titelsong „Und meiner Seele Flügel“ - auch etwas konstruiert und holprig klingen können, hat Stefanie Riecker im Gepäck. Eine großartige Stimme, deren zartes Fühlen Gänsehautfeeling vermittelt, die aber auch verrucht-lästerlich daherkommen kann, die in jeder Variante direkt und unvermittelt berührt und ins Herz trifft ist ihre Ankomm-Garantie. Und tiefgründige, immer höchst ausdrucksvolle Texte, denen stets der Hauch von Poesie innewohnt, sind ihre Auszeichnung.

Mit diesen drei Pfunden hat Stefanie Riecker auch in Neulußheim wuchern können: Ein gemütliches Konzert in lockerer Runde, traumhaft schöne Songs wie das zart-gefühlvolle, romantische „In Deinen Armen“ oder das trotz allem Scheitern so optimistisch gefärbte „Alte Lied“. Perfekt auf ihre biegbare, hochflexible Stimme ausgerichtet: „Phoenix aus der Asche“; eine abenteuerliche Melodie, in der sich Rieckers Organ ganz im Vordergrund stehend in kristallener Klarheit verbindet mit ein wenig Gitarre und dem durchaus auch phantasievollen Sound des Pianisten Stefan Rutz.


Dazwischen ein lockeres „Willkommen im Club der verpeilten Möglichkeiten“ oder die Gedanken über ein „Leben als Regenwurm“ – Überraschungen und Begeisterungsmomente gab es an diesem Abend genug.



Weitere Informationen im Internet unter www.stefanieriecker.de.