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Erschienen
Grandioser Musikabend mit Woody Mann und Zélia Fonseca
04/2011
Eine musikalische Orgie hatten sie sich offenbar vorgenommen: „Jeder machts mal mit Jedem“ – unter diesem Motto hat Claus Boesser-Ferrari Ende März den amerikanischen Saiten-Spezialisten Woody Mann, die brasilianische Gitarren-Queen Zélia Fonseca und die Grand Dame der Vokalartistik Jutta Glaser eingeladen, mit ihm gemeinsam, jeweils allein, in gemischten Doppeln und im Tutti zu musizieren. Vielleicht hätte er‘s vorher sagen sollen – ein derart hochkarätig besetztes und gleichzeitig noch so schlüpfriges Experiment hätte sicherlich noch viele weitere Gitarren-Fans ins Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ gelockt. So saßen die Besucher erstmals und erstaunlicherweise recht locker verteilt im Musentempel, den sie bei den zahlreichen Gitarrennächten bisher eher in eine Sardinenbüchse verwandelten.

Der kulturellen Klasse tats keinen Abbruch, allenfalls Woody Mann, der sonst die eher derbe Atmosphäre amerikanischer Music-Clubs gewöhnt ist, war etwas verwundert über die gespannte Stille im Publikum.

Der Mann aus New York war ohne Frage auch das absolute Highlight des Abends – allein, zusammen mit Glaser, mit der er eine liebevolle, fast augenzwinkernd humorige Partie gab, oder im Zusammenspiel mit den anderen Gitarristen: Der Fingerpicking-Spezialist, der einst vom legendären erblindeten Gitarren-König Reverend Gary Davis auf die rechte Bahn gebracht wurde, lebte sich aus in seiner ganz eigenen Tonwelt, die irgendwo zwischen Jazz, Countryblues, Ragtime und Gospel so offen ist für neues, dass auch mal ein italienisches Volkslied dazwischengeraten kann, um – entsprechend angepasst – die Variationen zu bereichern. Faszinierend dabei seine phänomenalen Pickings, die teils halsbrecherisch, teils in wunderschön geschwungenen Bögen so etwas sind wie eine Palette beim Maler: Er rührt Farben an damit und lässt Gemälde vor seinen Zuhörern entstehen, die fesseln und begeistern. Das alles angereichert mit seiner erdigen, bluesigen Stimme – kein Zuhörer stellt da in Frage, warum der Endfünfziger zu den international besten Fingerpicking-Spezialisten seines Genres zählt.

Zélia Fonseca kennen die meisten Freunde der südamerikanischen Musik wohl vor allem im Duo mit der Sängerin Rosanna Tavares; die brasilianische Sängerin war 2006 nach einer äußerst erfolgreichen Zeit mit Fonseca verstorben und nach einer kurzen Schaffenspause hat diese sich alleine aufgemacht – und konnte an alte Erfolge anknüpfen. Die kleine Frau war am Instrument ganz groß und stellte den Rennstädtern „ein anderes Brasilien“ vor: Natürliche, stark rhythmisierte Klanggeflechte, die wie eine Hängematte für ihre rassige, erdige Stimme dienten – auch eine solche kann ja bisweilen wildem Tun Halt geben. Das Virtuose ist ihr dabei fremd, Zélia gibt Rasse in Tönen, spielt auch mal Nylon, dann hart angerissen, oft in vollen Akkorden, aber auch mal die ein oder andere Passage in klingenden Obertönen – ein Freudentaumel zwischen indianischen, portugiesischen und afrikanischen Rhythmen.

Ganz bescheiden diesmal Gastgeber Claus Boesser-Ferrari. Der Laudenbacher Tausendsassa, dem so schnell keiner was vormacht auf der Gitarre, gab als Opener eine eigene Interpretation von Hanns Eislers „Mutter Beimlein“, ein auf den ersten Blick so einfach wirkender Titel, der aber auf seine Art die technische Klasse und vor allem die Phantasie erfordert, die „CBF“ im überreichen Maß mitbringt. Grandios seine pulsierenden, schnellen Gitarrenklänge, die Gläsers Stimme als Rahmen, als Sprungbrett und als Basis gleichermaßen dienten.


Einmal mehr ist Boesser-Ferrari mit dieser Gitarrennacht ein Kunstgriff, ein phänomenaler Musikabend gelungen – Alle für Jeden.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.boesser-ferrari.de, http://www.myspace.com/zeliafonseca und http://woodymann.com.