2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Das Spiel mit dem Raum zwischen Himmel und Erde
08/2010
Ein umfangreiches Gesamtkonzept startete der Hockenheimer KunstvereinEnde Augustmit der Eröffnung der Ausstellung „Blick auf die Erde“ in der Stadthalle: Die Vernissage ist Auftakt für zahlreiche Veranstaltungen, die sich um die Exhibition ranken und mit dieser ein ganzheitliches Konzept bilden, wie das die Kunstvereins-Vorsitzende Gisela Späth in ihrer Begrüßung ausführte.

Die Werkschau selbst führt rund 50 Exponate der beiden Künstler Johanna Helbing-Felix und Manfred Emmenegger-Kanzler zusammen, die auf eine sehr eigentümliche Weise miteinander korrespondieren. Sie spielen mit dem Raum „zwischen Himmel und Erde“, wie eine der größeren Plastiken Emmenegger-Kanzlers betitelt ist: Mit der Veränderlichkeit dieses Raums und der Veränderung, die die Wahrnehmung durch diesen erfährt.

Gemeinsame Stilbildungselemente, die Dr. Martina Wehlte-Höschele in ihrer kurzweiligen und doch ausgesprochen fundierten Einführung, die bereits eine gute und wichtige Tradition bei Kunstvereins-Vernissagen ist, aufzählte, schaffen eine Klammer zwischen den Exponaten: Die Konzentration auf die Auseinandersetzung mit dem Raum, die ungewöhnlichen Perspektiven, das sehr genaue Arbeiten fernab von Intuition und ohne großen Gestus.

Der aus Waldshut stammende, inzwischen in Ottersweier ansässige Emmenegger-Kanzler zeigt Plastiken in Ton-Schamogg-Gemisch. Teils dezente, fast studienhaft wirkende Kleinkörper, die im Dreiklang „Stadt“ zwei, in der Serie „Quadratur“ drei Ebenen in scharf geschnittenen Unterbrechungen und Aussparungen verbinden. Überhaupt ist der Zwischen-Raum die eigentliche Wirkungsstelle seiner Kunstwerke: Das reizvolle Spiel aus Licht und Schatten, aus aufeinandertreffende, sich durchbrechende Flächen, die Leichtigkeit, in die sich ein durchbrochener massiver Körper auflösen kann. Besonders eindrucksvoll dabei die Rauminstallation „Kritische Masse“: Spannungsgeladen und anziehend. Stahlbänder, die scheinbar schwerelos zwischen an der statisch kritischen Schwelle aufgestapelten Tonsteinen hervorstrahlen und so einen Teil ihrer scheinbaren Leichtigkeit auf die sonst so massiv wirkenden steine übertragen.

Der Zwischen-Raum ist auch das, was Johanna Helbing-Felix‘ Arbeiten prägt: Im Überflug fotografiert und skizziert die aus Sasbach stammende Künstlerin, die selbst im Besitz einer Fluglizenz ist, die Eindrücke von der unter ihr liegenden Erde, um die postkartengroßen Erinnerungs-Stücke schließlich in teils großformatige Bilder zu verarbeiten. Durch ihre besondere, assoziative Sicht-Weise lösen sich Details auf, die Realität verdichtet sich zur Struktur, „Objekte werden nur noch summarisch wahrgenommen und so entfremdet“, wie Wehrlte-Höschele es zusammenfasste.

Dabei sind die großformatigen Bilder, allesamt mehrschichtige Kreidezeichnungen, besonders eindrucksvoll: „Flug des Rheins“ oder „Rheinaue“ sind Titel, die dem Betrachter überhaupt erst den Zugang zu den meist in Braun- und Grüntönen gehaltenen Bildern verschaffen – aus den übereinandergelegten Schraffuren lösen sich dann mit dem entsprechenden Vorwissen die Widerklänge von Bäume heraus, Schornsteine ragen Lichtkegeln gleich in Himmel und Umland und die in einem Eiundruck aufgelösten Details fesseln letztlich doch wieder gerade durch ihren Realitätsbezug.


Weitere Informationen im Internet unter www.kunstverein-hockenheim.de.