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Erschienen
Mäuse sorgen im Hockenheimer Kindertheater für einen schönen Tag
11/2010
Der berühmte griechische Dichter Aesop lebte um 600 vor Christus und war als Erfinder der Fabel kulturprägend und Namengebend für die Tiergeschichten – und fand doch seinen Weg in ein ausgesprochen jetztzeitiges Theaterstück im Rahmen des Kindertheaterprogramms des Kulturzentrums „Pumpwerk“.

Dort gabEnde Oktoberdie aus Kassel angereiste Marianne Schoppan mit ihrem Puppentheater vor einer den ganzen Musentempel mit quirligem Flüstern und Zappeln ausfüllenden Kinder- und Elternschar die Fabel „Die Stadtmaus und die Landmaus“ des Griechen.

Die lustige Geschichte der rund dreiviertelstündigen Inszenierung ist schnell erzählt: Die Maus Trixie aus der nahen Stadt kommt auf einem Ausflug mit ihrem Rollschuh-Mobil auf einer Wiese vorbei. Dort trifft sie Lotte, ebenfalls ein süßes Mäuschen, aber ein echtes Landei. Lotte ist neugierig und begleitet Trixie in die Stadt, wo die beiden das ein oder andere Abenteuer mit den dortigen Bewohnern erleben, bevor sie sich am Abend – als Freunde – wieder trennen.

Spannend wird das Zusammentreffen der beiden Pelztierchen durch den vielschichtigen und doch einfach zu begreifenden Zusammenprall der Kulturen. Trixie hat zwar in der Stadt ein Dach über dem Kopf, dafür aber keine Blumen, Wiesen und Blätter. Lotte hat zwar ein gemütliches Mauseloch und viele Tiere als Freunde, dafür muss sie sich anstrengen, ihr Essen zu finden und durch den Winter zu kommen, während Trixie sich einfach im Gemüseladen bedienen kann – auch bei Schnee.

So entspinnt sich ein intensives Kennenlernen der jeweils fremden Welt zwischen gemütlichem Mauseloch und Doppelstock-Wohnkoffer mit Wolke zum schlafen. Dort hat Trixie Angst vor dem Schaf Sabine, das für sie ein Ungeheuer ist. Hier machen sich die beiden Entdecker einen Spaß mit Kater Peterle, den sie fachmännisch in einem Sack fangen.

Zur ansich schon herzergreifend schönen Geschichte kommt eine sehr zarte, detailverliebte Inszenierung, die auf große Gesten verzichtet und ganz im kindlichen Spiel verharrt und so auch schon sehr kleine Kinder damit in einer verblüffend wirkungsvollen Weise mitnimmt. Eine liebevoll gestaltete, verwandlungsfähige Kulisse, die einfühlsame Musik von Lutz Wolf, die die Szenen begleitet und verbindet und natürlich vor allem die pointierte, klare Spielweise Marianne Schappans taten das ihrige zu einem erfrischenden, spannenden Theaternachmittag – denn die Spannung und die Neugierde war im Raum, in dem es bis auf einige begeisterte Zwischenrufe aufmerksam still war, mit Händen zu greifen.


Nachdem Lotte wieder zuhause und die Kinder im Aufbruch waren, hing noch Marianne Schoppans Schlusssatz wie ein Motto für diese Aufführung im Saal: „War das ein schöner Tag“.