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Erschienen
Hockenheimer Kammerorchester und Madrigalchöre berühren und begeistern
11/2010
Hehre Ziele, geleitet vom Streben nach Perfektion und der unaussprechlichen Offenbarung durch die Musik mögen das Hockenheimer Kammerorchester und den Madrigalchor geleitet haben, als sie sich Ende Oktober erstmals gemeinsam auf der Bühne der Stadthalle versammelt haben. Die Latte lag also auch beim Publikum, das die Halle reichlich füllte, hoch – doch unter der bewährt unkonventionellen musikalischen Leitung Robert Sagassers wurde das rund zweistündige Konzert für Zuschauer, Musiker, Sänger und Kritik gleichsam ein voller Erfolg, der unbedingt nach einer Neuauflage verlangt.

Vom erste Ton der Haydn-Sinfonie Nr. 61 in D-Dur an, mit dem das rund dreißigköpfige Kammerorchester den Abend eröffnete, überzeugte der vollmundige, äußerst homogene Gesamtklang der Instrumentalisten, der auch in rassigen Passagen nie in Gefahr geriet, zu zerfallen. Ganz im Gegenteil lebte der von den Streichern recht deutlich dominierte Klangkörper jede Nuance, jede Facette in unbedingter Einhelligkeit und doch äußerst genüsslich aus. Sagasser legte dabei besonderen Wert auf eine fein austarierte Dynamik, die nicht nur Liebreiz, sondern vor allem eine ungeheure Anziehungskraft zu entfalten vermochte. Detailverliebt und fast ausnahmslos ausgesprochen präzise intonierte das Kammerorchester mit breit angelegtem Pathos und einem berührenden emotionalen Tiefgang, den man einem Laienorchester, zumal einem, das sich erst vor drei Jahren zusammengefunden hat, eigentlich kaum zutrauen würde, was allenfalls kurz ins Gedächtnis gerufen wurde, als die ausladenden Figuren des Adagio doch ein wenig verhalten und unsicher einsetzten. Eine lässliche Ausnahme, durch die eine grandiose Gesamtleistung aber keineswegs beschädigt wurde.

Als verlässlicher Partner erwies sich das Kammerorchester auch dem Solisten Alexander Ratzel, der mit Beethovens Rondo in D-Dur zu recht tosenden Applaus erntete: Der erst 32-jährige Pianist, der zuletzt an der Hochschule für Darstellende Kunst in Frankfurt studierte, lieferte eine durch und durch reife Leistung ab, und das auf eine ganz unprätentiöse, natürliche Weise. Präzise, kristallklar und lupenrein sein Spiel, das begeistert, ohne auf Effekthaschereien angewiesen zu sein; ganz im Gegenteil nahm Ratzel auch halsbrecherische Passagen mit einer charmanten Unaufgeregtheit und überzeugte lieber durch einen klaren Stil und ausgeprägte Dynamik.

Der Madrigalchor, der bedauerlicherweise sehr weit hinten im Bühnenraum platziert war, hatte allein dadurch ein wenig Probleme, die gleiche natürliche Gelassenheit zu behalten, die ihm sonst eigentlich durchaus innewohnt. Gerade in Kombination mit dem Kammerorchester hatten die rund dreißig Stimmen bisweilen spürbare Probleme, sich Gehör zu verschaffen. Dennoch Punkteten sie vor allem mit sanft-melancholischen Stücken wie Johannes Brahms „Waldesnacht“ und einem Dreiklang aus Rheinfelders „Waldesgruß“, „Verlust“ und „Abendklang“.

Ganz nach vorn hatte man zum erneuten Auftakt nach der Pause den Kinder- und Jugendchor des Madrigalchors gestellt. Und die mehr als dreißig teilweise sehr jungen Stimmen konnten nicht nur perfekt den Anschluss an den ersten Programmblock wiederherstellen, sie konnten binnen ganz weniger Lieder eine Begeisterung im Publikum entfesseln, die kaum Grenzen kannte. Das nicht nur, weil sie einfach irgendwie goldig wirkten, in der verblüffenden Ernsthaftigkeit, mit der sie Rheinbergers „Mäuslein“ oder dessen „Kalif will träumen“ gaben, sondern vor allem wegen der wirklich famosen Intonation der jungen Sänger; Unmada Manfred Kindel stiftete etwas wie ein Motto der jungen Chöre: „Lieder sind für uns das reinste Wunderwasser“.


Mit dem Orchester und den Chören zusammen hat Robert Sagasser mit diesem Konzert einen neuen Markstein gesetzt, mal dramatisch, mal zartschmelzend, immer aber von ganz beachtlicher künstlerischer Qualität - und sich einmal mehr als einer der prägenden Gestalten des Hockenheimer Kulturlebens empfohlen.





Besonders Jugend- und Erwachsenenchor freuen sich über neue Sängerinnen und Sänger; die Proben finden jeweils statt:



Kinderchor: Mi., 17.15 - 18 Uhr

Jugendchor: Mi., 18 - 18.45 Uhr

Erwachsenenchor: Mi., 20 - 22 Uhr

Kontakt: Chorleiter Robert Sagasser (Tel. 06205-18246), Vorsitzende Angelika Marczinski (Tel. 06202-9456701).