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Erschienen
Schlüter – faszinierendes Klaviererlebnis mit Tradition
09/2010
Er ist erst 21 Jahre alt und gehört bereits zu den schönen Traditionen, die Ausstellungen des Kunstvereins so lebendig machen. Entsprechend freudig begrüßte die Vorsitzende Gisela Späth Ende August den aus Würzburg stammenden, heute in Hockenheim lebenden Ausnahme-Künstler Leonard Schlüter, der seit seinem ersten Auftritt im Rahmen des Kunstvereins 2005 bereits sechs Mal zwischen großen Werken brillierte – und jedes Mal aufs Neue begeisterte.

So fesselte der junge Künstler mit einem kleinen, aber ausgesprochen feinen Programm zwischen Brahms, Chopin, Ravel und Gershwin auch diesmal wieder binnen weniger Minuten sein Publikum, das bis zum letzten Ton der Zugabe höchst gespannt und in fast beängstigender Aufmerksamkeit lauschte: Faszinierend der gefühlvolle Anschlag, die unglaublich empathische Interpretation, die aus technischer Brillanz heraus ihr Augenmerk ganz auf Intuition und Gefühl zu legen vermag, umgesetzt in einer bis in die Nuancen höchst genau und passend gewählten dynamischen Präzision und Spannkraft, die zeigt, dass echte Kunst am Klavier viel mehr ist, als die richtigen Tasten zu drücken.

Mit Frédéric Chopins Sonate in b-moll op. 35 entfaltete er weit und mit sichtlichem Spaß am dramatischen Moment einen perlenden Klangteppich, den er meisterlich mit Akzenten und breiten Passagen durchwirkt. Stets nimmt Schlüter scharfsinnig und mit detailversessener Behutsamkeit die musikalischen Stimmungen auf, um sie zu bündeln und vergrößert, verstärkt und intensiviert an seine Zuhörer weiterzugeben.

Ohne Frage der Höhepunkt des Programms die drei Sätze des 1908 komponierten, impressionistischen „Gaspard de la nuit“. Der französische Komponist Maurice Ravel wollte damit ein Solo-Klavierwerk schaffen, dass technisch noch schwieriger ist, als Mili Balakirews „Islamej“. Wer sich die Noten gerade des besonders halsbrecherischen Schlusssatzes beim bescheiden schmunzelnden Schlüter angeschaut hatte, dessen Höreindruck wurde glatt bestätigt: Nur ein Meister kann so ein Werk spielen.

Schlüter, der bereits als Sechsjähriger einen ersten Preis bei „Jugend musiziert“ abgeräumt hatte, dem bis heute zahlreiche weitere Auszeichnungen folgten, tat es mit fast unverschämter Sicherheit: Der ätherische, fein ziselierte Einstieg, der in reicher Motivik fortgesetzt wird, um immer wieder in unterkühlte Passagen zu verfallen. Es ist wahrlich abenteuerlich, die jungen Pianistenhände rastlos über die Tasten eilen zu sehen und gleichzeitig ist es faszinierend, wie mühelos das bei Schlüter doch aussieht – und vor allem klingt. Er verliert selbst mit „Scarbo“, dem Dämon oder Kobold, der die Menschen im Schlaf stört, aus der Ravels Werk zugrundeliegenden Kurzprosa Aloysius Bertrands nicht einen Augenblick die immer spielerisch und leicht wirkende Selbstsicherheit seiner Interpretation.


Begeisterte „Bravo“-Rufe und die vehemente Forderung nach Zugaben prägten nach rund anderthalb Stunden den Tenor des frenetischen Auditoriums. Völlig zu recht jubelte das entflammte Publikum einem großartigen Künstler zu, auf dessen nächsten Auftritt zwischen Kunst man sich schon freut – Tradition ist Tradition!



Weitere Informationen im Internet unter www.leonard-schlueter-klavier.de.