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Erschienen
Ina Boo lockt mit Röckchen und genialer Stimme
09/2010
„Boombastisch“ könnte in Neulußheim zu einem neuen Modewort avancieren – dafür hat Ende August an einem Sonntag Morgen der Auftritt der Singer-/Songwriterin Ina Boo gesorgt: Die 35-Jährige Powerfrau aus Bruchsal hatte beim jüngsten musikalischen „Sonntagsfrühschoppen“ ihre Gäste binnen weniger Minuten und schon nach dem ersten Titel voll und ganz im Griff. Die waren trotz des ungemütlichen Wetters in den Garten des „Alten Bahnhofs“ geströmt und was sie von der Bühne vor dem Güterwaggon auf die Ohren und auch auf die Augen bekamen, war uneingeschränkt dazu angetan, dass es den meisten schnell ganz warm wurde.

Ina Boo, die in ihrer thüringischen Heimat seinerzeit noch ganz bürgerlich Ina Leinhos hieß, hat vor fünf Jahren ihren Lehrerjob in Karlsruhe an den Nagel gehängt und sich ganz der Musik verschrieben; in unterschiedlichen Projekten und Bands zeigt sie seither eine Genialität und Bühnenpräsenz, die früher sicherlich manchen Schüler freiwillig zu ihr in die Nachhilfe getrieben hat.

In Neulußheim gab sie nicht nur Cover-Songs – sie hat eigentlich alles drauf zwischen George Michael, Natalie Imbroglia, Edie Brickell und Tracy Chapman -, sondern vor allem auch viele eigene Lieder. In diesen kommt nicht nur ihre emotional so vielschichtige Persönlichkeit am besten zum Ausdruck, auch ihre Stimme entfaltet eine ungeahnte Strahl- und Anziehungskraft, der sich selbst die nicht entziehen konnte, die nicht ohnedies schon vom knappen Röckchen und dem aparten Lachen gefangen waren. Ob nachdenklich oder durchzugsstark, ob aufrührerisch oder voll Liebe – Ina Boo trifft stets den richtigen Ton und in sehr anspruchsvollen Texten auch immer das rechte Wort. Das alles begleitet sie filigran, bisweilen sogar virtuos auf der Gitarre – es ist keineswegs vermessen, wenn sie sich selbst nicht als „gitarrespielende Sängerin“, sondern als „singende Gitarristin“ bezeichnet.

An ihrer Seite in Neulußheim der Walldorfer Drummer Johannes Willinger am Cajon und der Madga, der den Grundrhythmus beisteuerte und das Mannheimer Percussion-Wunder Ellen Mayer, die zusätzlich an der Bratsche manch melancholischen Akzent beisteuerte.

Gemeinsam schufen die drei einen gigantischen Sound, der allenfalls – auf Bitten des Publikums in den vorderen Reihen - insgesamt ein wenig zu leise war. Aber er war tiefgründig, er war lebendig, er war phasenweise von gigantischem Groove und immer spürbar inspiriert von großen Gefühlen, sowohl von glücklichen, als auch von schmerzhaften. Dabei kam Boos Stimme mit einer unvergleichlichen Anpassungsfähigkeit und Wandlungsfreude daher: Eben noch lockendes Gurren, dann sofort fordernder Esprit und bis in erdige Tiefen stets von schmeichelnder Brillanz. Dazu eine Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht: Ohne große Show, ohne überzogenen Pathos, immer ganz natürlich und doch von ungeheurer Bindungskraft.


Ina Boo schenkte Neulußheim einen gehaltvollen, anregenden und einfach schönen Musik-Vormittag.





Weitere Informationen im Internet unter www.inaboo.de.