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Erschienen
„Twotones“ kommen mit den „HyperTONikern“
11/2010
Mit den „Twotones“ ist und bleibt es einfach ein Wechselbad der Gefühle – und das hingestreckt über Jahre.Mitte Oktobergastierten die beiden Ausnahme-Musiker Anna Krämer und Rainer Klundt mal wieder im Hockenheimer Musentempel „Pumpwerk“, wo sie bereits mehrfach zu sehen waren. Nach dem eher nervigen „Geschlechterkampf“ 2004 ging es vor allem performancetechnisch aufwärts, sodass unsere Zeitung dem „Glückskompetenzteam“ 2008 rundheraus ein „Bravissimo“ bescheinigen konnte. Umso bedauerlicher, dass man nun wieder zurückgefallen ist.

Das jüngste Programm „Anna, Rainer und die HyperTONiker“ konnte zwar musikalisch nicht nur punkten, sondern richtig begeistern; die gespreizte Show darum aber ging im besten Falle auf die Nerven, vielen wurde davon gar der mögliche Hochgenuss in Sachen Musik vergällt.

Woran es liegen mag? Krämer und Klundt sind irgendwie die gleichen geblieben: Sie mit einer atemberaubend guten, breit aufgestellten, in jeder Situation absolut überzeugenden Stimme, die im Chanson ebenso daheim ist, wie im Opernfach, in das sie immer mal wechselte, im Schlager, im Pop und die immer sofort und unmittelbar in die Herzen der Zuhörer trifft. Daneben der stets leicht unbeteiligt wirkende Klaviervirtuose Klundt, der mit seinen phantasievollen, oft halsbrecherischen Interpretationen ein ums andere Mal für Überraschungen sorgt. Alles hätte also wunderbar sein können – wären da nicht Anna Krämers bisweilen orgiastisch wirkenden, völlig überzogenen Kapriolen gewesen, die nicht selten in ein unsägliches Gekaspere abglitten. Ein vollkommen ungeeigneter Versuch, darüber hinwegzutäuschen, dass man im neuen Programm noch ein gutes Stück weiter vom Kabarett entfernt ist, als schon zuvor. Ungeeignet und unnötig: Die „Twotones“ könnten das „Kabarett“ einfach ganz aus ihrer Show streichen und auf die Musik beschränken; da sind sie witzig, da sind sie geistreich, da bleibt kein Auge trocken und kein Herz unbeseelt.

Zumal man mit den „HyperTONikern“ auch in Bezug auf den Sound ein gewaltiges Update durchgezogen hat: Satter, vielschichtiger natürlich, aber immer noch so verrückt und eigensinnig, so charakterstark und unausweichlich fesselnd der neue alte Sound der „Twotones“: Unkonventionell, augenzwinkernd, grandios.

Programmatisch fand sich vor allem eine Mixtur aus bekannten Stücken früherer Tage, die nicht wegen der neuen Aufmachung begeisterten. Die Enthüllungen über die wahren Beziehungsprobleme zwischen Winnetou, Old Shatterhand und Lex Barker, einen augenzwinkernden Rückblick auf „Den schönsten Tag in meinem Leben“, die reizvoll orientalisch-klanglich eingefärbte Hymne auf „Ömer“ oder der Gassenhauer von den „Revoluzzern vom Seniorenheim“ „Grießbrei und Katheter“ – man hörte jeden Titel mit Freuden und Genuss. Wenngleich fraglos die kuscheligen Gänsehaut-Nummern als Kontrast noch mehr Begeisterung auszulösen vermochten: „Jedes Ereignis hat seine Stunde, jedes Geheimnis seine Zeit“ kommt es da zart und ganz in blue notes, „Das wird nie zuende gehen“ in klarer, reiner Botschaft und schließlich wird „Olga“ ein fast rührseliges Denkmal gesetzt.


„Warum eigentlich nicht“ ist man versucht zu fragen: Warum nicht einfach bei der Musik bleiben, bei dem was man kann und was begeistert? Ja, warum eigentlich nicht?





Weitere Informationen im Internet unter www.twotones.de.