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Erschienen
„Heilig’s Blechle“ streift durch drei Bläserjahrhunderte
11/2010
1997 hatten sich fünf Pfälzer Blechbläser zusammengetan, um den musikalischen Horizont, den ihnen ihre langjährige Arbeit in Posaunenchören gesteckt hatte, sowohl thematisch, als auch künstlerisch zu erweitern. In den zurückliegenden 13 Jahren ist daraus ein herausragendes Amateur-Ensemble gewachsen, das seinen Namen „Heilig’s Blechle“ mit Stolz und würdig trägt.

Ein Beispiel dafür lieferte das klassische Bläserquintett um Tubist Martin AnefeldMitte Oktober in der Rennstadt schon zum zweiten Male, als es in der Evangelischen Stadtkirche mit einem rund eineinhalbstündigen Programm der „Bläsermusik aus drei Jahrhunderten“ huldigte.

Nahtlos schloss Ahnefeld mit seinen Mitinstrumentalisten Greta Baur und Axel Thirolf (Trompete), Alfons Ludes (Horn) und Jan Reller (Posaune) an den Erfolg vor drei Jahren an – mit dem besonderen “Schmankerl”, dass man diesmal ein Crossover mit Christian H. Bühler an der Euler-Orgel erleben durfte.

Die fünf Bläser tasteten sich von Posch, Vivaldi, Sammartini und Bach und damit vom Barock über die Romantik mit Johnsons „Memoriam“ über das ausgehende 19. Jahrhundert mit dem russischen Komponisten Victor Ewald bis in die Moderne vor, die mit dem Zeitgenossen John Cheetham aus Mexico und den beiden Südamerikanern Horacio Salgán und Enrique Crespo, dem heutigen Leiter der „German Brass“, illuster besetzt war.

Dabei überzeugte „Heilig’s Blechle“ mit einem satten, tiefgründigen Klang, der sich mal filigran und feinfiedrig, mal massiv und wuchtig ins sakrale Gemäuer schmiegte. Ihr ausgesprochen gelungenes Spiel mit den Farben präsentierten die Musiker mit einer Transformation zweier Bläserstücke Ludwig Maurers, das spannungsgeladen zwischen breiten, fließenden Passagen und scharf akzentuierten, hart abgesetzten Themen pendelte. Ohne Frage aber die lebendigste, von der meisten spielerischen Freude , von einem richtigen musikalischen Freudentaumel beseelt die modernen Werke: Mit Crespos „Valse peruano“ konnten sich alle fünf Bläser technisch-dynamisch und emotional-interpretatorisch so richtig austoben – was sie auch genüsslich taten, ganz zur Freude der Zuhörer, die immer wieder Zwischenapplaus spendeten.

Fast wie einen zeitlichen Angel- und Kontrapunkt setzte Christian H. Bühler drei Orgelwerke Johann Sebastian Bachs dazwischen. Es ist Bühlers große Stärke, dass er technische Reife mit einem berührenden emotionalen Engagement zu verbinden versteht. So präsentierte er beispielsweise mit Bachs Präludium und Fuge in c-moll ein wunderbar aufbauendes Werk, dessen verwobenen Klangstränge irgendwann nicht mehr voneinander getrennt, nicht mehr einzeln wahrgenommen werden können – nur noch in der Gesamtheit genossen. Komplexität, die niemals in Beliebigkeit abgleitet.


Als sich „Heilig’s Blechle“ – nach einer äußerst beeindruckenden gemeinsam mit der Orgel geschaffenen Version des „Trauermarschs für Thorvaldsen“ aus der Feder des dänischen Komponisten Johann Peter Emilius Hartmann – mit Bachs „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ verabschiedete, kumulierte Faszination und Begeisterung im Publikum – und mündete im frenetischen Schlussapplaus, der eine Einladung beinhaltete: Diese Pfälzer dürfen bald wieder über den Rhein!