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Erschienen
Reiner Kröhnert hat die Bretter, die die Welt bedeuten, vor dem Kopf
05/2011
Mit dem „Jesus-Comeback“, seinem achten Soloprogramm, gastierte der aus Schriesheim an der Bergstraße stammende, heute im Hunsrück lebende Parodist Reiner Kröhnert anfang April in der Hockenheimer Stadthalle.

Wenig einladend war das Plakat, das Kröhnert in einer eher unvorteilhaften Klaus-Kinski-Verkleidung präsentierte; dennoch mag die Tatsache, dass nur wenige Besucher der Einladung gefolgt waren, eher andere Gründe haben.

Trotz einiger Preise, die Kröhnert für seine zurückliegenden Programme erhalten hat, darunter den „Gaul von Niedersachsen“ oder den saarländischen Kulturpreis „Die goldene Resonanz“, kranken insbesondere seine jüngsten Abendfüller unter dem nagenden Zahn der Zeit: Einige Charaktere, die der „verkrachte“ Schüler der Stuttgarter Schauspielschule teilweise bis zu einer atemberaubenden Präsenz zu parodieren versteht, sind schon derart lange aus dem „Geschäft“, dass sich selbst bei extremstem Wohlwollen und größtem Respekt vor seinen parodistischen Fähigkeiten kaum noch Lob finden lässt – zu skurril und bar jeder Stringenz sind die „Stories“, die sich aus diesen angestaubten Veteranen basteln lassen.

So ist auch das „Jesus-Comeback“ gestrickt. Werner Herzog (Filmproduzent, der fünf Filme mit Kinski drehte) verkündet die Rückkehr des „Jesus Kinski“, die der skandalumwölkte Fernseh-Talker Michel Friedmann zwar nicht glauben mag, weil er sich selbst für den Wiedergekehrten hält, die er aber einsetzen will – der falsche Messias soll der CDU angedreht werden. Die stellt sich auch flugs in Person von Ex-Generalsekretär Ronald Pofalla (heutiger Kanzleramtschef) und - gute alten Zeiten, wo seid ihr geblieben? – Ex-ex-ex-Generalsekretär (bis 1998) Peter Hinze buckelnd und schleimend ein. Hinzu kommen im Verlauf Angela Merkel, die Kröhnert wirklich ausnehmend gut zu geben versteht, ein exzellent parodierter Finanzminister Wolfgang Schäuble und Papst Benedikt, was jeweils noch angehen mag. Aber wenn dann Urgestein Norbert Blüm (der Mann war 1982-1998 Sozialminister), ein angeblich ebenfalls wiedergekehrter Erich Honecker (der ist schon fast zehn Jahre tot) und gar 68-er-Haudegen Daniel Cohn-Bendit, der seit seiner Entsorgung im Europaparlament kaum noch bekannt ist, aus der Versenkung auftauchen müssen, dann ist klar, das passiert nicht, um der Geschichte zu dienen, sondern allein, weil sich hier prägnante Charaktere finden, die Kröhnert einfach unsagbar gut drauf hat.

Und genau das ist, an was das „Jesus-Comeback“ krankt: Es ist eine Sammlung teilweise recht guter, teilweise aber auch aberwitziger Versatzstücke, denen ohne Frage gemein ist, dass der Parodist einzigartig gut ist – mit einer phänomenalen Akribie überzeichnet er die charakteristischen Züge seiner Figuren, was letztlich die Leichtigkeit bringt, mit denen er auftritt. Für den Zuschauer sind es nur ganz kleine Veränderungen in Haltung, Gestus und Sprachduktus, die alte Weggefährten wieder vor Augen bringen: Der geifernde Kinski, der treuherzige Blüm, der dienernde Hinze.

Das Programm selbst ist aber von einer bodenlosen Schwäche: Eine Sammlung wüstester Tiraden, denen zwar – Klaus Kinski ist eben, wie er war – bisweilen gar literarisch-poetische Höhe innewohnt, die aber wenig Kabarettistisches, umso mehr moralinsaures Podiumsgerede beinhalten. Zu platt in ihren Allüren, zu aufdringlich in ihren Botschaften und vor allem zu wenig konsistent in ihren Aussagen: Die „Polit-Pygmäen“ aller Zeiten mal so richtig zu schmähen ist einfach zu wenig für einen ganzen Abend.


So waren die an diesem Abend auf anstrengende Art vielzitierten „Bretter die die Welt bedeuten“ eher vor dem Kopf des Künstlers, denn unter seinen Füßen.