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Erschienen
Tina Teubner will maßloses Glück und maßlose Liebe
05/2011
Sie passt in keine Schublade und lässt sich in kein Genre einsortieren, sie ist weder stilistisch, noch kleidungstechnisch verortbar und was ihr Lebensmotto angeht, schon gar nicht:Anfang Aprilbrannte sie ein Feuerwerk der Überraschungen, einen wilden Mix aus Chanson, Klamauk, Kabarett und „Philosophie von Wittgenstein bis Rosamunde Pilcher ab“ – Tina Teubner begeisterte auf eine ungewöhnlich aufrichtige Weise ihr Publikum im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“, das zwischen Spannung und Gelächter gefangen war in gebanntem Lauschen und amüsiertem Mitfühlen.

Die Kölnerin, die im letzten Jahr den Deutscher Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson/Musik/Lied abräumte, hatte ihren musikalischen Mit- und Gegenspieler Ben Süverkrüp an den Flügel gesetzt, sich selbst eine Flasche Rotwein samt Glas geordert und so präpariert fackelte sie ab, was sie als „Aufstand im Doppelbett“ zusammengereimt hatte: Geschichten aus dem prallen Leben, ein unermüdlicher Revolutionsaufruf für die Maßlosigkeit, ein mal schelmischer, mal fast melancholischer, immer irgendwie liebevoller und vor allem authentischer Blick auf das Leben mit all seinen Ecken und Kanten. Als „virtuos, anrührend und politisch völlig inkorrekt“ beschrieb Ute Nebel für die Jury des Kleinkunstpreises das Duo Teubner/Süverkrüp und ebenso schlugen die beiden in Hockenheim ein.

Da wechselt eine auf den Punkt gebrachte, geniale Merkel-Parodie - inhaltslehr aber bedeutungsschwanger – sich mit einer Passage in hessischem Dialekt, um unter dem Liedtitel „Nordic Walking ist lächerlich“ die Generalabrechnung mit dem Fitnesswahn aufzumachen. Dabei ist die Mittvierzigerin bei aller Harmoniebedürftigkeit gnadenlos – mag sein, sie sagt nicht mal ganz freundschaftlich ehrlich „Tach, Schabracke“ zur besten Weggefährtin; dafür blamiert sie mit einer „Vino Matschiato“- oder einer „Gnotschi“-Bestellung beim Lieblingsitaliener der bornierten, „walldorf- und sozialtherapeutisch verseuchten“ Verwandtschaft ihre „Kö-sine“ auf die teubnerisch-eigene Art.

Dabei sind vor allem ihre Lieder, die – gerne auch von ihr selbst begleitet auf Violine, E-Gitarre oder singender Säge -von kurzen Miniaturen bis zu balladenhaften Songs reichen, echte Schmeichler. Für die Seele wie fürs Zwerchfell. Ob sie mit dem rasend komische „Chinesische Weisheiten flattern durchs Haus“ die Zen- und Meditationshysterie „nicht politisch inkorrekt, sondern aufrichtig böse“ abwatscht, oder aber ihrem Mann mit dem zärtlichen, liebevollen, hochromantischen „Du sollst hier jede Nacht so liegen“ in schönen Tönen und klaren Worten ein Denkmal setzt, Tina Tebner kombiniert stets sprachliche Höhe, inhaltsschwere Aussage und optimistische Sicht nach vorn: „Ich bin nicht auf der Suche nach routiniertem Glück ohne Höhen und Tiefen – ich will maßloses Glück und will maßlos lieben“.

An ihrer Seite ein echter Tastenkünstler: Der Folkwang-Absolvent Ben Süverkrüp, der in seinem Doppelleben auch ernsthafte Musik einspielt, fügt sich zu Teubner wie sie selbst sagt „wie Arsch auf Eimer“: Mit einer unsagbaren Virtuosität, die durchzogen ist von phantasievollen, unkonventionellen, manchmal gar atemberaubenden Exkursen. Da wird sein Klavierkonzert „Nie wieder Grieg“ zu einem exstatischen Taumel zwischen Vivaldi, „Ein bisschen Frieden“ und der „Muppetshow“ – und das, ohne auch nur eine Sekunde lächerlich oder platt zu wirken.


Zusammen haben Tina Teubner und Ben Süverkrüp in Hockenheim Eindruck gemacht, Spuren hinterlassen und ein Gefühl wie Heimweh eingeimpft – nicht wegzugehen, sondern hierzubleiben, bis sie wiederkommen.



Weitere Informationen im Internet unter www.tinateubner.de.