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Erschienen
Dominik Koch vereint Maestro und Musterschüler
06/2011
Ein „Konzert“ der besonderen Art ging Ende Mai über die Bühne der Hockenheimer Stadthalle: Dort sieht und hört man die Stadtkapelle und auch deren musikalischen Leiter Dominik M. Koch regelmäßig, diesmal jedoch war alles anders – das Orchester mit Instrumentalisten der vier weiteren Vereine Kochs (Musikverein Mühlhausen, Musikverein Vaihingen/Enz, Landesblasorchester des Hessischen Turnverbandes und Badische Brassband) zu einer großen Besetzung aufgefüllt, im Publikum eine internationale Jury, der junge Mann am Dirigierpult, der ansonsten so oft bescheiden seine Musiker in den Vordergrund stellt, ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Mit einem rund 80-minütigen Programm legte der smarte junge Mann, der in wenigen Tagen seinen 28. Geburtstag feiert, sein Diplom im Studiengang „Blasorchesterleitung“ am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg ab. Zum Prüfprogramm, das unter den aufmerksamen Blicken und vor allem unbestechlichen Ohren der Prüfungskommission, bestehend aus Mag. Thomas Ludescher (Österreich), Lothar Uth, Prof. Maurice Hamers (beide Deutschland) und Fried Dobbelstein (Holland), absolviert wurde, gehörten zwei vorgegebene Programmstücke, eine von Koch selbst zu erstellende Instrumentation und im Zentrum die so genannte „Lehrprobe“. In einer halben Stunde studierte Koch mit seinen Musikern ein diesen bis zum Beginn des Konzerts unbekanntes Werk ein – diesmal „Gallimaufry“ des britischen Komponisten Guy Anthony Woolfenden.

Gerade in dieser Lehrprobe lag der ganz besondere Reiz des Diplomkonzerts: Die interpretatorische Gestaltungshoheit des Dirigenten einmal nicht nur im Ergebnis am Schlusspunkt einer künstlerischen Gesamtentwicklung zu hören, sondern ihren Verlauf mitzuerleben.

Ohne Frage ist hier eine hervorragende Grundlage gegeben worden: Bereits im ersten Durchgang und vom Blatt gaben die Musiker Wodlfendens musikalisch-atmosphärisch so abwechslungsreiche Suite bemerkenswert gut. Dennoch beeindruckte die kreative Weiterentwicklung, die Kochs Hinweise, Einzelproben und Führungslinien entfalteten – nur nuancenweise und doch ganz grundlegend hat er das Orchester in die richtige Richtung gelenkt, um dem Werk mehr Ausdruck, mehr Botschaft und mehr Tiefe zu verleihen. Dabei führt Koch mit den Händen, mit der Gestik, mit dem Gesicht unnachgiebig im Detail, erklärend in klaren Anweisungen, virtuos in den Mitteln, betont auf dem Gefühl und der musikalischen Botschaft.

Welche grandiosen Genüsse das seinem Publikum verschafft, konnte Koch mit Piet Swerts „Martenizza“ und Hank Badings „Figures Sonores“ unter Beweis stellen. Aber auch mit seiner eigenen Instrumentierung, bei der ein vorhandenes Werk – hier Percy Graingers „Jutish Medley“ aus der „Danish Folk Music Suite“ – für Blasorchester umgesetzt werden muss.

Niemand im Publikum hatte ernstlich Zweifel an der grandiosen Leistung des Dirigenten; dennoch wurde das Ergebnis, das Kochs Diplom-Vater Prof. Maurice Hamers, der einzige Lehrstuhlinhaber für Blasorchesterdirigieren in der Republik, nach kurzer Beratung der Jury mitteilte, mit Spannung erwartet: Drei Einser-Noten, darunter für das vorbereitete Programm gar die Bestnote 1,0 räumte Koch ab.

Mehr als die Note dürfte aber das wenig alltägliche Lob seines Professors sein: „Herausragend“ sei Kochs Leistung, „sehr souverän“, ein Beweis dafür, wie ungewöhnlich weit dieser für einen so jungen Dirigenten sei. „Dominik wird sicherlich einer der bedeutendsten Dirigenten für Blasmusik in Deutschland werden“, ist sich Hamers sicher – „ein Segen, dass es einen solchen Dirigenten in der Gegend gibt“.


Lob und Anerkennung ist Koch trotz seiner jungen Jahre gewöhnt. Eine Verbeugung dieser Größe und Würde sicherlich nicht. Bleibt zu hoffen – und anzunehmen -, dass Hamers recht behalten wird: Maestro, übernehmen sie!