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Erschienen
Kirsten Beck zeigt nuancierte Fenster in reine Stimmungen
06/2011
Im Neulußheimer Kulturzentrum „Alter Bahnhof“ in Sachen Kunst noch eine Premiere hinzulegen, ist ambitioniert und reichlich schwer. Der einige Jahre in der Vier-Sterne-Gemeinde als Ärztin praktizierenden Künstlerin Dr. Kirsten Beck ist es am vergangenen Wochenende dennoch gelungen: Sie hatte im weithin bekannten Bahnhof ihre erste Ausstellung – was noch nie vorher da war in dem weithin bekannten Hort der bildenden Künste.

Erst vor fünf Jahren hat sich die aus einer musischen Familie stammende Beck dazu entschlossen, ihrer Liebe zur Malerei auch Taten folgen zu lassen und hat sich in Karlsruhe in der Zeichenschule eingeschrieben. Seit drei Jahren vertieft sie ihr Können an der Kunstakademie Krefeld.

Nun waren die Werke der unaufgeregten Malerin erstmals einem breiten Publikum zugänglich – und das strömte durchaus bemerkenswert: Der „Bahnhof“ war zur Vernissage am Freitag Abend weitgehend voll. Neulußheims „Kunstpapst“ Wolfgang Treiber, der die kurze Werkeinführung hielt, betonte den markanten Malstil der Künstlerin und ihr Talent bei der Ausdifferenzierung feiner Nuancen.

Tatsächlich leben Becks Bilder gerade davon: Von einem groben, schnell dahingeworfenen Pinselstrich, einem kraftvollen Duktus, der vor allem die Gesamtatmosphäre und Stimmung bannen will und keinen Wert auf fotografische Realitätsnähe legt.

Ganz im Gegenteil lösen sich die Bilder – allesamt Landschaften, einige Stilleben und wenige Portraits – bei allzugroßer Nähe auf in ihre tatsächlichen Bestandteile und offenbaren darin die impressionistisch geprägte Grundhaltung der Malerin.

Spannend zwei Sammlungen von jeweils 15 Kleinbildern, die unterschiedliche Stimmungen augenfällig machen, die Kirsten Beck – meist stilecht pleinair, also unter freiem Himmel – aus der Vergänglichkeit des Moments herauslöste, um ihre Wirkung für die Ewigkeit zu erhalten: Feine, nuancierte Jetzt-Aufnahmen, die gerade in der Kombination reizvolle Spiegel und Charakterstudien einer fast unberührt wirkenden Landschaft, die noch einen Hauch Paradies atmet, präsentieren.

Herausragend ein „Kohlkopf-Doppel“: Thematisch zunächst profan wirkend regt Becks spezielle Sicht auf die Kreuzblütengewächse doch an – Zum Schauen, zum Nachempfinden, zum Studieren gar, wie sie aus Licht und Farbschattierungen eine spürbare Stimmung komponiert.

Die ebenfalls von Gemüsen geprägten Stilleben, die nah betrachtet flächig, grob, manchmal fast ungeschlacht wirken, entfalten ihre durchaus spannende Anziehungskraft erst auf die Ferne als ein Fenster in eine ganz trauliche Situation.

Überhaupt war eben das Charakteristikum dieser Ausstellung: Sie war vielleicht keine der besten im hohen Haus, aber sie war spannend, familiär, gemütlich und höchst einladend. Da musizierten die drei Kinder Leonhard (15, Gitarre), Charlotte (12, Harfe) und Friedrich (7, Gitarre), man plauderte ungezwungen und offen über die Kunst und alles sonst.


Potential hat die Künstlerin, die sich in Zukunft verstärkt mit der Portraitmalerei beschäftigen will, in jedem Falle: Bereits die erste ausstellung offenbarte davon so viel, dass man sie wohl in den nächsten Jahren wieder in Neulußheims Bahnhof sehen wird.